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Das Metaverse einfach erklärt: Ein junger Mann mit Laptop und 3D-Brille

Foto: Envato / peus80

Metaverse: Das Internet der Zukunft einfach erklärt

Experten und Expertinnen sind sich einig: Das Metaverse wird die nächste Evolutionsstufe des Internets sein. Doch welche Form wird es annehmen und welche Möglichkeiten bietet es? Und wussten Sie schon, dass es kleinere, in sich geschlossene Metaversen bereits gibt?

Table of Contents

Was ist das Metaverse?

Als Nachfolger des Internets wie wir es kennen, soll das Metaverse das Gefühl des Surfens im Internet neu definieren. Statt wie bisher Texte, Bilder und Videos zu konsumieren, sollen Nutzer und Nutzerinnen in eine virtuelle Welt eintauchen können.

Das soll über eine realistisch modellierte 3D-Landschaft geschehen. Virtuelle Städte, virtuelle Shops, virtuelle Vergnügungsparks – all das sollen Besucher und Besucherinnen des Metaverse mit selbst gestalteten Avataren besuchen und aus der Ich-Perspektive erkunden können.

Diese virtuellen Welten sollen dabei von den Avataren anderer Nutzer und Nutzerinnen bevölkert werden und per Chat-Funktion sollen jederzeit vielfältige Interaktionen möglich sein.

Das Metaverse ist voll im Trend: auch auf der zukunftsweisenden Digitalmesse SXSW

Von 11. bis 20. März fand in Austin, Texas der multimediale Event „South by Southwest“ (SXSW) statt, der im Bereich Technologie-Trends zu den wichtigsten weltweit gehört.

Hier befassten sich ganze 50 Präsentationen mit dem Thema Metaverse. Die Themen waren dabei so vielfältig wie das Potenzial des Metaverse selbst: von den möglichen Auswirkungen des Metaverse auf die reale Welt bis hin zum Potenzial des Metaverse für die Zukunft der Mode.

Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kam als Überraschungsgast der SXSW zu Wort. Er ging per Video-Chat auf seine persönliche Vision des Metaverse ein, welche das Facebook-Konzept in eine in 3D erlebbare, virtuelle Welt übertragen wird.

Der Herbst 2021 war ein weiterer wichtiger Meilenstein für das Metaverse

Zuckerbergs Metaverse-Pläne sorgten bereits Ende des vergangenen Jahres für Wirbel. Als Ausdruck, welchen Stellenwert das firmeneigene Metaverse-Konzept für Zuckerberg besitzt, benannte der Facebok-Chef vergangenen Herbst den Facebook-Dachkonzern in „Meta Platforms Inc.“ um. Die Metaverse-Version von Facebook befindet sich momentan in einem geschlossenen Teststadium für ausgewählte Nutzer.

Auch Microsoft hat im vergangenen Herbst Zukunftspläne für ein eigenes Metaverse angekündigt. Einige der dort verwendeten Technologien sollen in naher Zukunft in die Business-Chat-Software Microsoft Teams integriert werden. Abgesehen hiervon ist es um die Metaverse-Vision von Microsoft jedoch still geworden. Experten vermuten zudem, dass auch Suchmaschinen-Mogul Google in naher Zukunft mehrere Metaverse-Projekte ankündigen wird.

Was unterscheidet das Metaverse von Online-Spielen?

Das Metaverse soll in erster Linie ein frei erkundbarer, digitaler Ort sein, den User und Userinnen je nach ihren Vorlieben für verschiedenste Aktivitäten nutzen können. Somit hat das Metaverse den Anspruch, ein viel komplexeres digitales Ökosystem abzubilden, als gängige Online-Spiele.

Alles, was im konventionellen Internet möglich ist – Shoppen, chatten, spielen, Informationen abrufen und mehr –, soll im Metaverse auch möglich sein. Allerdings in realistisch simuliertem 3D, das ein echtes Mittendrin-Gefühl erlaubt.

Was ehemals Websites waren, soll durch Einrichtungen in der virtuellen Welt ersetzt werden. Websites von Museen und Kunstgalerien sollen im Metaverse detailliert in 3D modellierte, begehbare Ausstellungen sein. Chatrooms sind in Zukunft direkt im Metaverse erkundbare Treffpunkte. Und Online-Spiele werden spezielle Bereiche der Metaverse-Welt sein, in denen Nutzer und Nutzerinnen gegeneinander antreten können. Und wie das konventionelle Internet auch, soll das Metaverse dynamisch wachsen können.

Das Metaverse vs. geschlossene Metaversen

Während das Metaverse als direkter Nachfolger des Internets noch Zukunftsmusik ist, bieten diverse Plattformen schon heute geschlossene Metaversen, die für registrierte Nutzer und Nutzerinnen erkundbar sind. Oft steht der soziale Aspekt im Vordergrund, und auch der Handel mit digitalen Gütern mit digitalen Währungen wie Bitcoin gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Diese Plattformen bieten bereits geschlossene Metaversen an

MILC: Lizenz-Trading per Metaverse

Die Mission der Plattform MILC (Media Industry Licensing Content) ist, die Lizensierung von TV- und Video-Inhalten zu revolutionieren. Sie vereinfacht durch Blockchain-Technologie nicht nur die Recherche nach passendem Video- und Fernsehmaterial, sondern auch den Kauf und Verkauf. Zudem entdecken Nutzer und Nutzerinnen die Plattform über ein eigenes Metaverse – eine in 3D modellierte, frei erkundbare Stadt mit begehbaren Gebäuden von virtuellen Shops und Bibliotheken bis hin zur E-Learning-Plattform MILC-Academy.

Das macht das Navigieren der Plattform nicht nur einfacher und intuitiver, sondern erleichtert auch den Austausch der Community auf der Plattform. Das MILC-Metaverse läuft auf jedem Browser oder mobilen Gerät.

Somnium Space und Decentraland: Metaversen zum Chatten und Traden

In beiden Plattformen können Nutzer und Nutzerinnen mit ihren Avataren eine virtuelle Welt erkunden und dabei chatten. Beide Plattformen erlauben den Kauf von virtuellem Land mithilfe einer eigenen Kryptowährung sowie den Kauf virtueller Güter. In Somnium Space lässt sich das virtuelle Land zusätzlich bebauen.

Second Life: der Klassiker und Wegbereiter des Metaverse-Konzepts

Second Life setzte 2003 Maßstäbe mit einer riesigen, frei erkundbaren 3D-Welt, in denen Nutzer und Nutzerinnen eine beeindruckende virtuelle Freiheit genießen können. Vielfältige Möglichkeiten zur Interaktion mit der Spielwelt sowie aufwendige Events für Nutzer und Nutzerinnen waren bereits in den ersten Stadien der Plattform möglich. Allerdings hat der ehemalige Hype um Second Life inzwischen stark abgenommen.

Das Metaverse als Zukunft des E-Commerce

Zudem soll das Metaverse das Online-Business neu definieren.

Online-Shopping-Websites sollen im Metaverse virtuelle, erkundbare Einkaufszentren werden, in die sich Unternehmen virtuell einmieten können. Dreidimensional modellierte Häuserwände, Plakate und Litfaßsäulen im Metaverse sollen als virtuelle Werbeflächen zur Verfügung stehen. Und auch das Erwerben und Verkaufen von digitalen Immobilien gehört zur digitalen Zukunft im Metaverse.

Virtual-Reality-Brillen werden keine Voraussetzung sein

Virtual-Reality-Brillen stehen technisch noch am Anfang und die Akzeptanz in der Gesellschaft ist momentan gering. Die Entwickler von Metaverse-Konzepten sind sich dieser Problematik bewusst. Zwar sind ihre Plattformen mit einer VR-Brille besonders beeindruckend, doch sie setzen diese nicht zwingend voraus. Der Weg ins Metaverse dürfte somit einer großen Zahl von Nutzern und Nutzerinnen ohne spezielle Hardware oder Eingabegräte offenstehen.

Kritik am Konzept des Metaverses

Negative Resonanz gab es vor allem als Reaktion auf die Metaverse-Vision von Mark Zuckerberg. Schließlich könne der Social-Media-Mogul hiermit seine Versäumnisse in puncto Datenschutz und Privatsphäre nicht ungeschehen machen.

Facebook-Kritiker befürchten vielmehr, dass sich die Schwachstellen von Facebook nahtlos in die Metaverse-Version des sozialen Netzwerks übertragen werden. Datenschutzmängel und Cybermobbing könnten im Metaverse noch verheerendere Auswirkungen haben. Ende 2021 berichteten bereits Nachrichtenmedien über den ersten Fall von sexueller Belästigung in der geschlossenen Testversion von Facebooks Metaverse.

Ein übergreifendes Metaverse oder mehrere unabhängige Metaversen?

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Struktur des Metaverses. Das Internet besteht zwar aus geschätzt 1,18 Milliarden Websites – aber dennoch gehört es niemandem und es ist für jeden mit einem Internet-Provider frei zugänglich.

Als direkter Nachfolger des Internets müsste das Metaverse in Zukunft eine ähnliche, freie Struktur aufweisen, die stets dynamisch wachsen kann. Allerdings scheint die gegenwärtige Entwicklung auf mehrere Metaverse-Plattformen verschiedener Hersteller zuzusteuern. Ob diese kompatibel sind oder ob sich diese digitalen Ökosysteme in Zukunft zu einem einzigen Metaverse vereinigen, wird die Zukunft zeigen.

Das Metaverse in Zahlen und Fakten

  • Das Wort „Metaverse“ (auf Deutsch auch „Metaversum“ genannt) stammt aus Snow Crash, einem dystopischen Science-Fiction-Roman aus dem Jahr 1992.
  • Das Video, das die Metaverse-Pläne von Mark Zuckerberg ankündigt, wurde 6,2 Millionen Mal angeklickt.
  • Im März 2021 war eine virtuelle Landeinheit im geschlossenen Metaverse der Plattform Decentraland etwa 5800 US-Dollar wert.
  • Meta Platforms Inc. – ehemals Facebook – will in Europa 10.000 Mitarbeiter einstellen, um das Metaverse-Konzept des Unternehmens umzusetzen.
  • Second Life, eines der ersten Metaversen im modernen Sinn, erschien bereits 2003
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