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Das Metaverse: digitale Revolution dank Dezentralität

Foto: Envato / korneevahama

Das Metaverse: digitale Revolution dank Dezentralität

Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, konnten wir den Pioniergeist des neuen Mediums auf jeder Website spüren. Heute, rund dreißig Jahre später, ist das Resultat ein sehr statisches digitales Ökosystem, in dem eine Handvoll führender Tech-Konzerne den Ton angibt. Die Demokratisierung der Netzwelt, die das Internet ursprünglich versprochen hat, scheint gescheitert zu sein. Das Metaverse trägt das Potenzial in sich, dass diese in naher Zukunft gelingen wird.
  • Das Metaverse macht Schluss mit Websites und Plattformen als autarke Konstrukte.

  • Der dezentralen Struktur des Metaverse müssen sich auch Tech-Riesen unterwerfen.
  • Auch die Art und Weise, wie wir Inhalte konsumieren und entdecken, wird im Metaverse intuitiver sein.
  • Die lokale Anordnung des Metaverse kann dynamisch an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.

Die Darstellung als virtueller Raum wird das Web intuitiver machen

Das Internet ist viel – aber wirklich intuitiv ist es nicht. Wer eine neue Website oder Plattform zum ersten Mal benutzt, muss zuerst lernen, wie er oder sie damit umgeht. Das läuft oft darauf hinaus, dass der Nutzer wichtige Funktionen gar nicht erst entdeckt. Wer etwa soziale Netzwerke zeitlebens verschmäht hat und von einem Tag auf den anderen beschließt, sich in Twitter einzuarbeiten, wird wie der sprichwörtliche Ochs vor dem Berg dastehen.

Diese Achillesverse hat größtenteils technische Gründe. In den Anfangstagen des Internets lief die Datenübertragung im Schneckentempo und die Grafikfähigkeiten von Internet-Browsern waren stark unterentwickelt. Daher bestanden Websites bestenfalls aus Text, Menüs und ein paar Fotos. Rund 30 Jahre später sehen wir online immer noch hauptsächlich Text, Menüs und Fotos – und eben eine etwas hübschere optische Gestaltung.

Mehr als nur ein Spiel für die jüngere Generation

Moderne Computer- und Videospiele dagegen können inzwischen gigantische, frei erkundbare Welten simulieren – und werden von vielen immer noch belächelt. Denn all das sei ja „nur ein Spiel“ und deswegen nur etwas für Kinder und Junggebliebene.

Dass eine 3D-Welt viel intuitiver zu navigieren ist, als eine verschachtelte Ansammlung von Menüs in einem Internet-Browser, wird in solchen Diskussionen immer wieder ignoriert. Ebenso, dass flüssige 3D-Darstellungen per Browser inzwischen problemlos möglich sind. Und genauso, dass sich inzwischen ganze Ökosysteme in 3D simulieren lassen, wie Plattformen wie Second Life und Fortnite beweisen. Doch das ist nur ein Teil davon, was das Metaverse ausmacht.

Das aktuelle Internet wird von wenigen Tech-Giganten beherrscht

Das Internet, wie wir es heute kennen, ist in erster Linie ein Geflecht autarker, parallel existierender Ökosysteme. Google, YouTube, Instagram, Amazon, und wie sie alle heißen: Sie sind die dominierenden Plattformen, auf denen wir den Großteil der Zeit im Internet verbringen. Diese tun alles, was in ihrer Macht steht, damit dies so bleibt – und wir können uns praktisch nicht dagegen wehren.

Jede dieser dominierenden Websites ist in erster Linie auf sich selbst fokussiert. Auch Suchmaschinenprimus Google hat nur auf den ersten Blick die Aufgabe, diese Plattformen miteinander zu vernetzen. In Wirklichkeit ist auch das Google-Ökosystem darauf aus, den User an sich zu binden, damit es Werbeeinnahmen generieren kann.

Hiervon abgesehen gibt es kaum Vernetzung der großen Plattformen untereinander, kaum Interoperabilität. Sich über einen Facebook-Account in andere Dienste einzuloggen oder einen Tweet in eine Content-Seite einzubetten, ist bereits das Höchste der Gefühle. Das Metaverse schickt sich an, diese zentrale Struktur aufzubrechen, indem es seine intuitiv erlebbare 3D-Welt mit einem dezentralen Aufbau kombiniert.

Klare, nachvollziehbare Strukturen statt einem undurchschaubaren Netz aus Websites

Stellen Sie sich vor, der Ausgangspunkt des Web der Zukunft ist Ihr virtuelles Haus im Metaverse. Und der Lieferservice bei dem Sie am liebsten online bestellen? Er befindet sich in Ihrer virtuellen Straße. Ihre Lieblingsautomarke ist Audi und sie erfahren, dass dieser Hersteller aus Ingolstadt inzwischen auch Events im Metaverse anbietet. Diese finden im virtuellen Einkaufszentrum drei virtuelle Straßen weiter statt.

Inzwischen haben Sie sich auch bei Twitter registriert. Twitter betreibt inzwischen an jeder Ecke virtuelle Nachrichtenstände, in denen Sie die interessantesten Tweets aus Ihrem Netzwerk lesen können. Merken Sie etwas?

Die Orientierung im Web wird im Metaverse leicht wie nie zuvor werden

Ein solches Gefühl von Lokalität und Räumlichkeit ist etwas, das wir in der aktuellen Entwicklungsstufe des Internet schlicht nicht kennen. Und eben deshalb ist es immer wieder so schwierig, zwischen dem Überangebot an Google-optimierten Websites das gewünschte Produkt oder die gewünschte Information zutage zu fördern.

Zudem ist die lokale Anordnung des Metaverse flexibel. Wenn Sie möchten, können Sie in eine virtuelle Stadt einziehen und beobachten, wie sie im Laufe der Zeit wächst und gedeiht. Wenn Sie möchten, können Sie auch alle virtuellen Gebäude so anordnen, wie sie Ihren Bedürfnissen am besten entsprechen – Sie haben die Wahl. Nicht nur, wie wir unseren Aufenthalt im Internet strukturieren, sondern auch, wie wir neue Inhalte entdecken, wird sich somit entscheidend verändern.

Viele Kritiker bezeichnen das aktuelle Internet als wahre Reizüberflutung. Das Metaverse hat mit seiner neuen, dezentralen Struktur das Potenzial, das zu ändern.

Tech-Riesen werden ihre Dienste ins Metaverse integrieren

Auch die Art und Weise, wie wir mit Global Playern interagieren – und wie sie sich in unsere digitale Welt einfügen –, wird sich entscheidend ändern. Statt sich wie bisher auf ihre eigenen digitalen Ökosysteme zu beschränken, werden sich Amazon und Co. in die Metaverse-Infrastruktur einfügen und mit den Nutzern interagieren.

Die Metaverse-Pläne von Mark Zuckerberg scheinen derzeit noch gegenteilige Pläne zu verfolgen: Was Facebook der Öffentlichkeit bisher gezeigt hat, erweckt noch einen sehr auf das eigene Facebook-Universum ausgerichteten Eindruck. Doch angesichts von Zuckerbergs Gespür für entscheidende Strömungen und Trends könnte sich auch dies in Zukunft ändern.

Man könnte sich zudem die Frage stellen, welche Rolle Google im Metaverse spielen könnte. Womöglich würde eine Suchmaschine dort überhaupt nicht mehr gebraucht. Vielleicht ist das der Grund, weshalb der Technologoriese aus Mountain View, Kalifornien bisher noch keine Metaverse-Pläne vorgestellt hat.

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