Welt der Wunder

Nicht glauben, sondern wissen

Mining scheint viel umweltfreundlicher zu sein, als oft behauptet.

Foto: Envato / ArtRachen

Bitcoin-Mining ist viel grüner als oft behauptet

Je höher der Bitcoin-Preis, desto höher die Hashrate von Bitcoin. Überall auf der Welt ächzen und stöhnen Mining-Computer. Sie produzieren Unmengen von Abfall in Form von überschüssiger Wärme in nie dagewesenem Ausmaß.

Je höher der Bitcoin-Preis, desto höher die Hashrate von Bitcoin. Überall auf der Welt ächzen und stöhnen Mining-Computer. Sie produzieren Unmengen von Abfall in Form von überschüssiger Wärme in nie dagewesenem Ausmaß.

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Produzierte Wärme an Brauerei verkauft

Die Universität von Cambridge hat errechnet, dass das globale Bitcoin-Netzwerk zwischen 8 und 15 Gigawatt Strom verbraucht – je nach aktuellem Bitcoin-Preis. Zur Einordnung: New York City verbraucht 6 Gigawatt, unser Nachbarland Belgien 10 Gigawatt. Um einen einzigen Bitcoin zu minen (gewinnen) braucht ein Computer rund 150.000 kW/h. Diese Energie reicht aus, um 170 Haushalte in den USA einen Monat lang zu versorgen. Andere Kryptowährungen wie Ethereum oder Stellar benötigen weniger Strom. Sie stehen aber auch nicht so hoch im Kurs.

Immer häufiger werden mit Wärmerückgewinnungsprojekten Win-Win-Geschäfte gemacht. Auch im fernen Kanada. Unternehmerische Miner wie MintGreen mit Sitz in der 250.000-Einwohner-Stadt Burnaby sind dort führend bei der Wiederverwendung von Abfällen: Sie verkaufen ihre produzierte Wärme an eine örtliche Brauerei und eine Meersalzbrennerei. Andere Minenbetreiber nutzen die überschüssige Wärme für den Betrieb von Gewächshäusern (für den Anbau von Blumen und Gemüse), für die Heizung von Häusern und für Schwimmbäder.

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Reduzierung von Treibhausgasen

MintGreen hat jetzt einen 12-Jahres-Vertrag über die Lieferung von Wärme mit seinen neuen „Digital Boilers“ an das Fernwärmesystem von North Vancouver zur Beheizung von Geschäfts- und Wohngebäuden abgeschlossen. Die „Digital Boilers“ gewinnen gut 96 Prozent des für den Bergbau verwendeten Stroms zurück. Für MintGreen sind Wärmerückgewinnungsprojekte eine Win-Win-Situation, da sie die ursprüngliche Wasserkraft für den Abbau und den Verkauf wiederverwenden können.

Der Stadtrat von North Vancouver hatte sich der Problematik des Klimawandels angenommen. In einer Mitteilung heißt es: „2019 hat der Stadtrat einen Antrag verabschiedet, wonach die Stadt ihre Ziele für die Reduzierung von Treibhausgasen erhöhen soll, um bis 2050 netto null zu erreichen und die Emissionen bis 2040 um 80 Prozent unter das Niveau von 2007 zu senken.“

Während der Laufzeit des Vertrags mit der Stadt sollen die digitalen Heizkessel von MintGreen im Vergleich zu Erdgas 20.000 Tonnen Treibhausgase pro MW vermeiden.

Durch die Nutzung von Wasserkraft gilt MintGreen bereits als umweltfreundlich. Die Wiederverwendung der gleichen Energie für den Verkauf von Wärme macht es noch umweltfreundlicher.

Berechnungen stoppen, wenn mehr Strom benötigt wird

Noch einen Schritt weiter scheinen Unternehmen in Texas. Dort sind für 2022 Projekte angedacht, die Wind- und Solarenergie im Umfang von 16 Gigawatt erzeugen sollen. Bitcoin-Miner kaufen die überschüssige Energie mit einem Rabatt auf, müssen im Gegenzug aber ihre Berechnungen komplett stoppen, sobald in Frost- oder Hitzeperioden mehr Strom benötigt wird.

„West Texas wird den Markt dominieren, alle werden hierherkommen“, prophezeit Jesse Peltan, der 24-jährige CTO von Autonomous, im Gespräch mit Forbes US.

Auch das größte Bitcoin-Mining-Unternehmen in den USA befindet sich in Texas: Riot Blockchain hat einen Börsenwert von mehr als drei Milliarden US-Dollar. 120.000 Hochleistungsrechner stehen in der Bitcoin-Mining-Anlage. Dort kann die Temperatur wegen der Lüfter schnell mal 55 Grad betragen.

Schürfen mit 250 Millionen Dollar Risikokapital

Noch stärker auf grüne Technologie setzt Crusoe Energy Systems. Mit 250 Millionen Dollar Risikokapital werden Bitcoin in entlegenen Öl- und Gasfeldern in New Mexico, Texas und Nord Dakota geschürft. Crusoe hat bereits 45 Container­ voller Bitcoin-Mining-Computer aufgestellt. Dabei werden die Rechner mit Erdgas betrieben, das andernfalls verbrannt werden würde.

Vielleicht gelingt es doch in den nächsten Jahren, dass das Mining von Bitcoin die umweltfreundlichste Nutzung von Energie auf der Erde wird.