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Psychologie

Ständiges Aufschieben: Morgen, morgen, nur nicht heute

Ständiges Aufschieben: Morgen, morgen, nur nicht heute

Fast jeder Mensch schiebt unangenehme oder lästige Dinge manchmal auf die lange Bank. Doch das ewige Aufschieben, die so genannte Prokrastination, kann auch zu einer psychischen Störung werden.

Unangenehme Tätigkeiten aufzuschieben, das kennt fast jeder. Ob es die Steuererklärung ist, ein längst fälliger Besuch beim Zahnarzt oder eine Hausarbeit für die Uni, viele Menschen drücken sich, solange es irgendwie geht. Doch aus der harmlosen „Aufschieberitis“ kann auch ein ernsthaftes Problem werden – und aus einem verplanten Schussel jemand, der wichtige Dinge im Leben nicht auf die Reihe bekommt und sich und anderen schadet.

Forscher sind aufmerksam geworden

Wissenschaftler sprechen von „Prokrastination“, wenn das ständige Aufschieben krankhaft wird, wenn es zum Beispiel Ängste, Schlafstörungen und Depressionen nach sich zieht. Das Wort ist vom lateinischen „procrastinatio“ abgeleitet, was so viel wie „Vertagen“ bedeutet. Man spricht von „verzögertem Beginnen“, wenn man gar nicht erst mit einer Aufgabe anfängt, und „verzögerter Beendigung“, wenn man eine Tätigkeit ständig unterbricht. Prokrastination ist ein sehr komplexes Phänomen und kann sich unterschiedlich äußern: Viele Betroffenen machen sich Selbstvorwürfe, andere verstricken sich in Lügen oder leben mit einem dauerhaften Gefühl der Schuld. Und: Prokrastination kann chronisch werden und damit die Lebensqualität stark beeinflussen.

Mittlerweile haben erste Studien das Phänomen untersucht. Etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung, schätzt der US-amerikanische Forscher Joe Ferrari, sind von einer ausgeprägten Aufschieberitis betroffen. Viele Menschen aber nehmen das Problem nicht ernst. Gerade weil jeder schon mal etwas Unangenehmes aufgeschoben haben, halten sie ihr Verhalten für normal – oder eben schlicht für Faulheit. Manche stilisieren das ewige Aufschieben sogar zu einem Lebensstil, kokettieren mit ihrem Müßiggang und In-den-Tag-hineinleben. Deshalb erkennen viele Betroffenen erst viel zu spät, dass sie eigentlich Hilfe brauchen.

Individuelle Therapieansätze

Warum jemand an Prokrastination leidet, kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Der eine setzt sich selbst zu hohe Maßstäbe und scheitert an seinem eigenen Perfektionismus. Ein anderer hat das Gefühl, die Erwartungen seiner Umwelt an ihn nicht erfüllen zu können. Wieder andere haben Angst vor einer Bewertung. Und immer wieder haben Betroffene ein Problem damit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Sie finden jeden Tag hundert Dinge, die ihnen wichtiger erscheinen als das, was sie eigentlich erledigen sollen – zum Beispiel die Wohnung zu putzen statt die längst fällige Hausarbeit tippen.

Doch Sprüche wie „Fang doch einfach an“ bringen die Betroffenen nicht weiter. Sie brauchen Hilfe von außen, um Schritt für Schritt an ihre unerledigten Aufgaben herantreten zu können. Und es gilt für sie, die Ursachen ihrer Prokrastination herauszufinden. Nur dann lässt sich der Teufelskreis mit einer passenden Therapie durchbrechen.

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