Was ist Regenfäule?
Regenfäule ist der volkstümliche Name für eine bakterielle Hautinfektion, die in der Medizin als Dermatophilose bezeichnet wird. Der Erreger dieser Krankheit heißt Dermatophilus congolensis. Tierärzte kennen ihn seit über einem Jahrhundert, vor allem bei Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen. Die Bezeichnung „Regenfäule“ beschreibt den üblichen Infektionsvorgang: Anhaltende Feuchtigkeit schwächt die Hautbarriere der Tiere, sodass das Bakterium eindringen kann.
Bei Rindern führt der Erreger zu Krusten und verfilzten Haarbüscheln, bei Schafen zu klumpiger Wolle. Pferde entwickeln Hautveränderungen am Rücken, in schweren Fällen auch an den Beinen. Auch Hunde und Katzen erkranken gelegentlich, meist verläuft die Erkrankung jedoch mild. Eine Ansteckung von Menschen durch direkten Tierkontakt ist zwar möglich, kommt aber selten vor. Bislang waren vor allem Landwirte und Tierärzte betroffen, die eng mit erkrankten Tieren arbeiten.
Warum infizieren sich seit Kurzem Menschen mit Regenfäule?
Das Robert Koch-Institut meldet 17 bestätigte Fälle in Deutschland zwischen Dezember 2025 und Juni 2026, die in einem Berliner Labor festgestellt wurden. Betroffen waren Männer im Durchschnittsalter von 45 Jahren aus Berlin und Brandenburg. Die meisten von ihnen hatten zuvor erotische Saunen besucht. Auch in anderen europäischen Ländern wurden bei Sexualpartnern und bei Kampfsportlerinnen und Kampfsportlern, die regelmäßig engen Hautkontakt haben, genetisch verwandte Infektionen festgestellt.
Wie der Erreger ursprünglich in diese Umgebung gelangte, ist noch nicht restlos geklärt. Wahrscheinlich steckten sich einzelne Personen zunächst bei Tieren an. Aufgrund des milden Verlaufs wurden die Symptome zunächst nicht mit Regenfäule in Verbindung gebracht, sodass sich das Bakterium unbemerkt unter Menschen weiterverbreiten konnte.
Zudem registrierte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bis zum 20. August 2026 insgesamt 123 Fälle von Regenfäule in zehn europäischen Ländern. Ein Teil der Betroffenen hatte nachweislich keinen Kontakt zu Tieren.
Welche Symptome treten bei einer Regenfäule-Infektion beim Menschen auf?
Die Hautveränderungen ähneln auf den ersten Blick denen anderer Hauterkrankungen. Typisch sind entzündliche, pockenähnliche Pusteln, Juckreiz sowie krustige oder schuppige Beläge. Bei den aus Europa gemeldeten Fällen traten die Veränderungen vor allem im Genital- und Leistenbereich, am Rumpf, an den Oberschenkeln und im Gesicht auf.
Da das Erscheinungsbild der Regenfäule anderen Hautinfektionen gleicht, benötigen Ärztinnen und Ärzte für eine sichere Diagnose meistens eine mikrobiologische Untersuchung. Nehmen Sie daher ungewöhnliche, juckende oder verkrustete Hautstellen ernst und lassen Sie diese fachärztlich untersuchen – unabhängig von der vermuteten Ursache.
Welche Gefahr besteht wirklich?
Die Datenlage gibt für die breite Bevölkerung bislang Entwarnung. Das ECDC stuft das allgemeine Risiko als sehr niedrig ein. Für Menschen, die häufig sehr engen Körperkontakt haben – etwa in erotischen Saunen oder beim Kampfsport – gilt das Risiko hingegen als mäßig. Schwere Komplikationen wurden bei den bisherigen menschlichen Fällen jedoch noch nicht berichtet.
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Experten warnen vor Panikmache
Der Virologe Fabrizio Pregliasco von der Universität Mailand bewertet die Lage wie folgt: Das Bakterium sei seit Langem aus der Veterinärmedizin bekannt und Infektionen beim Menschen seien stets selten gewesen. Bemerkenswert an der aktuellen Situation sei in erster Linie eine mögliche neue Übertragungsweise zwischen Menschen. Eine große Gefahr für die Allgemeinheit bestehe jedoch nicht. Dennoch beobachten die Gesundheitsbehörden den Fall genau.
Die Behandlung von Regenfäule
In der Regel heilen die Hautveränderungen durch eine Antibiotikabehandlung vollständig ab. Gelegentlich verschwinden die Symptome auch ohne Behandlung von selbst. Wichtig ist jedoch eine frühzeitige ärztliche Untersuchung, um eine Verwechslung mit anderen Hautinfektionen auszuschließen.
Was Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit beachten können
Wenn bei Ihnen unbekannte Hautveränderungen auftreten, vermeiden Sie vorsichtshalber engen Hautkontakt. Dies gilt besonders, wenn die Stellen nässen, offen sind oder sich schnell ausbreiten. Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit erkrankten Tieren gründlich die Hände und tragen Sie bei der Versorgung von Tieren mit auffälligen Hautstellen Handschuhe. Diese einfachen Maßnahmen senken das Übertragungsrisiko deutlich.
Definitionen und Begriffserklärungen
Dermatophilose
Bakterielle Hautinfektion durch Dermatophilus congolensis. Sie betrifft klassischerweise Rinder, Pferde und Schafe und tritt beim Menschen bislang selten auf.
Zoonose
Eine Infektionskrankheit, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden kann. Regenfäule zählt zu dieser Gruppe von Krankheiten.
ECDC
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. Es bewertet europaweit das Risiko von Infektionskrankheiten und veröffentlicht dazu Risikoeinschätzungen.
Häufig gestellte Fragen zu Regenfäule
Können sich Menschen mit Regenfäule anstecken?
Aktuelle Fälle in Europa deuten darauf hin, dass eine Übertragung durch sehr engen Körperkontakt zwischen Menschen möglich ist.
Was sind die Symptome einer Infektion mit Regenfäule?
Typisch sind pockenähnliche, juckende Hautveränderungen mit krustigen oder schuppigen Belägen. Sie treten häufig am Rumpf, im Genitalbereich oder im Gesicht auf.
Wie viele Fälle gibt es aktuell in Deutschland?
Zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 wurden dem Robert Koch-Institut 17 bestätigte Fälle gemeldet, überwiegend bei Männern in Berlin und Brandenburg.
Muss ich bei Hautveränderungen sofort zum Arzt?
Lassen Sie ungewöhnliche, juckende oder verkrustete Hautstellen zeitnah ärztlich untersuchen. Für eine sichere Diagnose ist eine mikrobiologische Probe erforderlich.
Kann ich mich bei meinem Haustier anstecken?
Eine Übertragung durch Hunde oder Katzen ist zwar möglich, aber selten. Das Tragen von Handschuhen und gründliches Händewaschen nach dem Kontakt senken das Ansteckungsrisiko.