Warum war es bisher so warm?
Bis Anfang Oktober bestimmte ein Hochdruckgebiet das Wetter über Deutschland. Es lenkte milde Luft herbei und hielt Tiefdruckgebiete fern. Am Mittwoch, dem 7. Oktober, wurden laut Deutschem Wetterdienst (DWD) an zahlreichen Stationen noch mehr als 25 Grad erreicht. Dies entspricht der Definition eines üblichen Sommertags.
Wie ein Hoch Wärme festhalten kann
Ein Hoch wirkt wie ein Wetterdeckel: Absinkende Luft löst Wolken auf, die Sonne heizt den Boden auf und Tiefs ziehen im Bogen daran vorbei. Solange diese Lage besteht, bleibt es mild. Wie der Diplom-Meteorologe Dominik Jung gegenüber t-online erklärte, weicht das Hoch nun auf den Atlantik aus. Damit öffnet sich der Weg für Luft aus dem Norden.
Polarluft aus dem Westen schiebt sich unter die milde Luft
Über Skandinavien liegt derzeit ein kräftiges Tief. In die Lücke zwischen diesem Tief und dem abziehenden Hoch strömt Luft aus Nordwesten, die polare Kaltluft bis an die Alpen transportiert. Der Deutsche Wetterdienst spricht von maritimer Polarluft, die von Westen her über das Land zieht und damit der spätsommerlichen Wärme ein Ende setzt.
Kalte Luft ist dichter als warme. Sie schiebt sich wie ein Keil unter die Spätsommerluft und hebt diese an. Die aufsteigende Luft kühlt ab, es bilden sich Wolken, Schauer und Gewitter. Der DWD warnte deshalb ab Mittwochabend vor Starkregen von bis zu 20 Litern pro Quadratmeter und Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 65 Kilometern pro Stunde. Laut t-online fielen am Donnerstag im Schwarzwald bis zu 25 Liter und am Alpenrand bis zu 50 Liter. An der Küste gab es Sturmböen bis 80 Kilometer pro Stunde.
Wie tief fallen die Temperaturen?
Der DWD nennt für Freitag Höchstwerte zwischen 12 und 17 Grad. In den Nächten sind etwa 3 Grad möglich. Jung rechnet am Freitag regional sogar nur mit 8 bis 12 Grad. Da sich die Prognosen von Quelle zu Quelle unterscheiden, ist es ratsam, mehrere Vorhersagen zu vergleichen.
Zwischen Mittwoch und Freitag liegen mehr als 13 Grad
Der starke Nordwestwind verstärkt diesen Effekt, da er die Luft kälter wirken lässt, als es das Thermometer anzeigt. Jung beschreibt die Lage als Aprilwetter im Oktober: Sonne, Wolken, kräftige Schauer und vereinzelt Graupelgewitter.
Wo fällt tatsächlich Schnee?
Etliche Schlagzeilen versprechen den ersten Schnee. Die Prognosen schränken dies jedoch deutlich ein. In der Nacht zum Freitag sinkt die Schneefallgrenze und laut DWD bildet sich oberhalb von 1500 Metern eine dünne Neuschneeauflage von wenigen Zentimetern.
Die Berge bekommen Neuschnee, das Flachland Graupel
Bis zum Wochenende sinkt die Schneefallgrenze am Alpenrand auf etwa 1000 Meter. Im Allgäu, im Berchtesgadener Land und rund um die Zugspitze erwartet Jung eine geschlossene Schneedecke von 10 bis 20 Zentimetern. Auch die Gipfel des Feldbergs im Schwarzwald, des Großen Arbers im Bayerischen Wald und des Fichtelbergs im Erzgebirge können kurz weiß werden. In den Städten und im Flachland fallen kalter Regen und Graupel.
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Warum folgt ab Sonntag Frost?
Laut Jung schiebt sich ab Sonntag ein Hochdruckgebiet heran. Der Wind lässt nach und der Himmel klart auf. Solche klaren Nächte kühlen den Boden aus, da er seine Wärme ungehindert in die Atmosphäre abgeben kann. Dann sind verbreitet Temperaturen zwischen minus 1 und minus 4 Grad möglich. Ab Mitte der kommenden Woche dreht die Strömung wieder auf West, sodass tagsüber Temperaturen zwischen 14 und 17 Grad möglich sind. Für diesen Zeitraum gilt die übliche Unsicherheit einer mehrtägigen Vorhersage.
Erwartet uns wirklich ein verfrühter Winter?
Während die Kaltfront vor allem in den Alpen und auf den höchsten Mittelgebirgsgipfeln für Schneefall sorgt, fallen in den Städten und im Flachland kalter Regen und Graupel. Für Meteorologe Dominik Jung ist eine solche Lage für Anfang Oktober keine Sensation, nur der Kontrast zu den warmen Tagen wirkt enorm.
Nach dem Wochenende mit Nachtfrost soll sich ab Mitte der kommenden Woche die großräumige Windrichtung in der Atmosphäre wieder auf West drehen und tagsüber Temperaturen von 14 bis 17 Grad bringen.
Was sagt die aktuelle Wetterwende über das Klima aus?
Nach jedem Kälteeinbruch füllen sich die sozialen Netzwerke mit Kommentaren und Beiträgen, die den Klimawandel infrage stellen. Diese vermischen jedoch oft Klima und Wetter: Eine Wetterlage beschreibt das Geschehen über einige Tage, das Klima hingegen den Durchschnitt über Jahrzehnte. Der Herbst 2026 lieferte bisher etliche Beispiele für eine ungewöhnliche Wetterlage mit für die aktuelle Jahreszeit zu hohen Temperaturen. So meldete t-online etwa Wassertemperaturen im Bodensee, wie sie seit 45 Jahren nicht mehr gemessen wurden, sowie einen Pegelstand unter 2,50 Metern.
Drei Definitionen und Begriffserklärungen zur aktuellen Wetterwende mit Schnee
Kaltfront
Eine Kaltfront bezeichnet die Grenze, an der kältere Luft vorrückt und wärmere Luft verdrängt. Beim Durchzug sinkt die Temperatur, und es entstehen Schauer, Gewitter oder Sturmböen.
Schneefallgrenze
Die Schneefallgrenze nennt die Höhe, ab der Niederschlag überwiegend als Schnee fällt. Sie liegt meist einige hundert Meter über der Nullgradgrenze, weil Flocken beim Fallen erst nach einer gewissen Strecke schmelzen.
Bodenfrost
Bodenfrost liegt vor, wenn die Temperatur in fünf Zentimetern Höhe unter 0 Grad fällt. Die Lufttemperatur in zwei Metern Höhe kann dabei noch im Plusbereich liegen.
Drei Kurzantworten zur aktuellen Wetterwende mit Schnee
Warum wird es so plötzlich kalt?
Ein Hoch zog auf den Atlantik ab, ein Tief über Skandinavien lenkte polare Kaltluft nach Deutschland, und eine Kaltfront verdrängte die milde Spätsommerluft.
Schneit es im Flachland?
Die Prognosen sehen Schnee vor allem in den Alpen und auf hohen Mittelgebirgsgipfeln. In den Städten und im Flachland fallen kalter Regen und Graupel.
Wie lange hält die Kälte an?
Der DWD erwartet bis Freitag Höchstwerte von 12 bis 17 Grad, am Wochenende Nachtfrost, und ab Mitte der Woche laut Jung wieder 14 bis 17 Grad.
Häufig gestellte Fragen zur aktuellen Wetterwende mit Schnee
Wie kam es zu dem aktuellen Wetterwandel?
Mit der Kaltfront, die am Mittwochabend, dem 7. Oktober 2026, von Westen nach Deutschland zog, kam es zu einem Wetterwandel. Für Donnerstag und Freitag wurden die Höchstwerte nur noch bei 12 bis 21 Grad prognostiziert.
Wie viel Neuschnee ist zu erwarten?
Bis Freitagmorgen fielen bisher oberhalb von 1500 Metern wenige Zentimeter Schnee. Meteorologe Dominik Jung rechnet bis zum Wochenende im Allgäu, im Berchtesgadener Land und an der Zugspitze mit 10 bis 20 Zentimetern.
Wann kommt der erste Frost?
Ab Sonntag lässt Hochdruck den Himmel aufklaren. Dann sind minus 1 bis minus 4 Grad Celsius möglich.
Bleibt es jetzt dauerhaft kalt?
Nach heutigem Stand nicht. Ab Mitte der kommenden Woche kommt der Wind wieder überwiegend aus Westen und es sind wieder Temperaturen von 14 bis 17 Grad tagsüber möglich.