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Die Geschichte des Iran

Foto: Pexels / Micha Hofer

Die Geschichte des Iran

Der Iran blickt auf eine über 5000 Jahre alte Geschichte zurück. Von mächtigen Reichen bis zu modernen politischen Umbrüchen hat sich das Land sich immer wieder neu erfunden. Doch wie kam es zu den Spannungen, die zu einem Angriffskrieg der USA und Israels geführt haben?

Die alten Hochkulturen des Iran

Der Iran war in der Antike das Zentrum mächtiger Zivilisationen. Hier befand sich das Achämenidenreich unter Kyros dem Großen (6. Jahrhundert v. Chr.). Dieses gilt als eines der ersten großen Weltreiche. Es schuf ein administratives System mit Provinzen und einer effizienten Steuererhebung – ein Vorbild für spätere Imperien.

Die Perser entwickelten zudem Straßennetze wie die „Königsstraße“. Diese reichte von Susa bis nach Sardes – zwei bedeutende antike Städte – und beschleunigte den Handel sowie die Kommunikation. Auch die Religion des Zoroastrismus mit Ahura Mazda als höchstem Gott prägte das Reich und verbreitete sich über seine Grenzen hinaus.

Die Sassaniden-Dynastie (3. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) brachte weitere kulturelle und wissenschaftliche Höhepunkte hervor. In dieser Zeit entstanden meisterhafte Bauwerke wie die Palastanlagen von Persepolis.

Die Sassaniden förderten zudem die Wissenschaft und Medizin, etwa durch die Weiterentwicklung der Ayurveda-Medizin. Zudem blühte die persische Literatur und Philosophie auf. Die persische Sprache wurde zur Lingua franca (eine verbreitete Fremdsprache für Handel, Diplomatie und Wissenschaft) des Nahen Ostens.

Das Vermächtnis des alten Persien

Auch der kulturelle Einfluss des alten Persien auf die westliche Welt ist enorm. Die Perser prägten durch ihre Kunst, Architektur und Verwaltung nicht nur das antike Griechenland, sondern auch das Römische Reich. Unter anderem die persische Garten- und Teppichwebkunst gelten bis heute als Meisterleistungen des Handwerks.

Politische und kulturelle Veränderungen vom 8. bis ins 15. Jahrhundert

Nach der Eroberung durch die Araber im 7. Jahrhundert wurde der Iran in das Kalifat der Umayyaden und später der Abbasiden eingegliedert, was zur Islamisierung des Landes führte. Ab dem 9. Jahrhundert entstanden jedoch lokale und regionale Dynastien, die die persische Identität bewahrten.

Im 11. Jahrhundert eroberten die Seldschuken aus Zentralasien den Iran und gründeten ein Reich, das bis ins 12. Jahrhundert bestand. Im 13. Jahrhundert fiel der Iran unter die Herrschaft der Mongolen unter Dschingis Khan und Hulagu, die Städte wie Bagdad zerstörten, aber auch den kulturellen Austausch zwischen Persien, China und Europa förderten.

Ab dem 15. Jahrhundert erlebte der Iran unter der Timuriden-Dynastie eine Renaissance, in der Kunst und Wissenschaft gefördert wurden. Unter Schāh Ruch erlebten die persische Miniaturmalerei und Architektur eine Blütezeit.

Im 16. Jahrhundert etablierten die Safawiden mit Ismail I. eine schiitische Dynastie, die den Iran bis ins 18. Jahrhundert prägte. Trotz innerer Konflikte und externer Bedrohungen durch die Osmanen und Usbeken blieb Persien eine kulturelle und politische Großmacht des Orients.

Was führte zur Gründung des modernen Iran?

Ende des 18. Jahrhunderts entstand die Kadscharen-Dynastie, die den Iran bis 1925 regierte. 1925 übernahm Reza Schah Pahlavi die Macht und modernisierte das Land. 1979 stürzte die islamische Revolution den Schah und führte zur Gründung der Islamischen Republik Iran unter Ajatollah Khomeini.

Wie funktioniert das politische System des Iran?

Die Islamische Republik Iran ist eine theokratische Republik – ein Staat, in dem zwar gewählte Organe regieren, die wichtigsten Grundsätze aber stark von religiösen Gesetzen bestimmt werden.

Der oberste Führer hat die höchste Autorität, gefolgt vom Präsidenten und dem Parlament. Das System basiert auf der schiitischen Auslegung des Islam. Seit 1979 wird das Land von dieser Ordnung geprägt.

Warum gibt es Konflikte zwischen Iran und Westen?

Nach der iranischen Revolution brach der Iran mit seiner bisherigen, stark westlich ausgerichteten Außenpolitik unter dem Schah und positionierte sich offen gegen den Einfluss der Vereinigten Staaten. Ein entscheidender Wendepunkt war die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran, bei der iranische Studenten 52 amerikanische Diplomaten über ein Jahr lang festhielten.

Das iranische Atomprogramm, das offiziell der zivilen Energiegewinnung dienen soll, ist besonders umstritten. Westliche Staaten sehen es jedoch als potenziellen Schritt zur Entwicklung von Atomwaffen.

Die USA und ihre Verbündeten befürchten, dass ein nuklear bewaffneter Iran das Machtgleichgewicht im Nahen Osten destabilisieren und ein Wettrüsten auslösen könnte. Abkommen wie der „Joint Comprehensive Plan of Action“ (JCPOA) sollten diese Risiken durch Kontrollen und Einschränkungen mindern. Sie wurden jedoch politisch infrage gestellt und teilweise aufgekündigt, wodurch die Unsicherheit erneut zunahm.

Was führte zum aktuellen Krieg?

Im Jahr 2015 unterzeichnete der Iran den „Joint Comprehensive Plan of Action” (JCPOA). Er verpflichtete sich hiermit, sein Atomprogramm stark einzuschränken und insbesondere die Urananreicherung zu reduzieren sowie internationale Kontrollen zuzulassen.

Im Gegenzug wurden wirtschaftliche Sanktionen aufgehoben, was zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen dem Iran und dem Westen führte. Das Abkommen sollte verhindern, dass der Iran Atomwaffen entwickelt, und galt zunächst als wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Region.

Im Jahr 2018 zogen sich die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump jedoch einseitig aus dem Abkommen zurück und verhängten erneut harte Sanktionen gegen den Iran. Als Reaktion darauf begann der Iran, sich schrittweise nicht mehr an zentrale Auflagen zu halten, etwa durch eine verstärkte Urananreicherung.

Diese gegenseitige Eskalation führte zu wachsendem Misstrauen und zunehmenden Spannungen, die letztlich den Boden für die heutigen Konflikte und militärischen Auseinandersetzungen bereiteten.

Ein weiterer wichtiger Faktor war der Angriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023, der sich durch Angriffe iranisch unterstützter Gruppen sowie direkte Gegenschläge zwischen Israel und dem Iran zu einem regionalen Konflikt ausweitete. Ab 2024/25 kam es zu gegenseitigen Luft- und Raketenangriffen sowie Cyberoperationen, bis die USA schließlich im Jahr 2026 militärisch eingriffen, um nach eigener Darstellung das iranische Atomprogramm zu stoppen.

Der Iran gegen Israel

Zudem unterstützt der Iran die Hisbollah im Libanon – eine schiitische politische und militante Organisation – und die Hamas – eine islamistische Bewegung – in Gaza. Diese Gruppen kämpfen gegen Israel. Der Iran wird beschuldigt, diese Gruppen zu finanzieren und zu bewaffnen. Die USA und Israel sehen darin eine direkte Bedrohung und reagierten mit militärischer Präsenz im Nahen Osten.

Suniten gegen Schiiten

Der Iran ist seit der Safawiden-Dynastie im 16. Jahrhundert ein zentraler schiitischer Staat. Im Gegensatz dazu sind zahlreiche andere Länder im Nahen Osten sunnitisch geprägt, darunter Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar, Oman sowie die Türkei. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten hat seinen Ursprung in der Frage der Nachfolge des Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert.

Die Schiiten erkennen nur Ali ibn Abi Talib, den Cousin und Schwiegersohn Mohammeds, als rechtmäßigen Nachfolger an. Die Sunniten hingegen akzeptieren die ersten vier Kalifen. Diese Spaltung prägt bis heute Unterschiede in Glaubenspraxis, Recht und Politik.

Der Iran nutzt seine schiitische Identität, um seine regionale und internationale Rolle zu stärken, beispielsweise durch die Unterstützung schiitischer Gruppen wie der Hisbollah. Viele sunnitische Staaten, insbesondere Saudi-Arabien, betrachten dies als Bedrohung. Das führt zu konfessionell geprägten Spannungen und Stellvertreterkonflikten, beispielsweise in Syrien oder im Jemen.

Definitionen und Begriffserklärungen

Die islamische Revolution im Jahr 1979

Die Islamische Revolution von 1979 führte zum Sturz des Schahs und zur Gründung der Islamischen Republik Iran. Ajatollah Khomeini wurde daraufhin zum obersten Führer des Landes und prägte das politische System nach schiitisch-islamischen Prinzipien.

Das Atomabkommen (JCPOA)

Das „Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA)” aus dem Jahr 2015 begrenzte das iranische Atomprogramm im Austausch gegen die Aufhebung von Sanktionen. Die USA traten jedoch 2018 unter Präsident Trump aus dem Abkommen aus, was die Spannungen verschärfte.

Hisbollah und Hamas

Die Hisbollah ist eine vom Iran unterstützte, schiitische Miliz im Libanon. Die Hamas ist eine palästinensische Gruppierung im Gazastreifen. Sowohl die Hisbollah als auch die Hamas werden vom Iran finanziell und militärisch unterstützt und kämpfen gegen Israel.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Islamische Revolution von 1979?

Die Islamische Revolution von 1979 stürzte den Schah und führte zur Gründung der Islamischen Republik Iran unter Ajatollah Khomeini.

Warum zog sich die USA 2018 aus dem Atomabkommen zurück?

Die USA traten aus dem JCPOA aus, da sie das iranische Atomprogramm als Bedrohung betrachteten und die Sanktionen verschärfen wollten.

Welche Gruppen unterstützt der Iran im Nahen Osten?

Der Iran unterstützt die im Libanon ansässige Hisbollah sowie die in Gaza aktive Hamas, die beide gegen Israel kämpfen.

Warum hat der Iran so eine wichtige Position im Nahen Osten?

Der Iran nutzt seine strategisch günstige Lage und seine religiösen Verbindungen, um seinen Einfluss in der Region zu stärken. Durch die Unterstützung von Milizen wie der Hisbollah oder der Hamas stellt er Verbündete gegen Israel und den Westen sicher.

Was ist der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten?

Sunniten und Schiiten sind die beiden größten Strömungen im Islam. Während der Iran mehrheitlich schiitisch geprägt ist, sind die meisten arabischen Staaten sunnitisch. Diese religiösen Unterschiede beeinflussen die politischen Allianzen in der Region.

Wie wirkt sich der Konflikt auf die iranische Bevölkerung aus?

Die Lebensbedingungen im Iran haben sich durch Sanktionen und wirtschaftliche Isolation verschlechtert. Hohe Arbeitslosigkeit und Inflation belasten die Bevölkerung, während die Regierung gleichzeitig weiterhin in regionale Konflikte investiert.

Gibt es Lösungen für den aktuellen Konflikt?

Diplomatische Verhandlungen und internationale Vermittlung sind nach wie vor die einzige Möglichkeit, eine weitere Eskalation zu verhindern. Ohne Kompromissbereitschaft aller Beteiligten bleibt die Lage jedoch angespannt.

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