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Unterstützung auf vier Pfoten

Assistenzhunde: Clevere Helfer für Menschen mit Beeinträchtigung

Assistenzhunde: Clevere Helfer für Menschen mit Beeinträchtigung

Assistenzhund unterstützt Blinden.

Assistenzhunde führen beeinträchtigte Menschen sicher durch den Alltag. Durch ihre Hilfe ermöglichen die Vierbeiner vielen Behinderten oder Kranken ein eigenständigeres Leben.

Assistenzhund unterstützt Blinden.
Prostooleh / Envato

In Deutschland haben nur etwa ein bis zwei Prozent der anspruchsberechtigten Sehbehinderten einen Führhund.

Blinde Menschen die von einem Hund geführt werden, sind im Straßenbild keine Seltenheit. Beobachten wir ein solches Gespann wird schnell deutlich, mit welcher Umsicht und Gewissenhaftigkeit der Hund die Wege wählt und mit welch absolutem Vertrauen die geführte Person ihm folgt.

Blindenführhund, Servicehund oder Signalhund: Bedürfnisorientierte Ausbildung

Dass dies möglich ist, liegt an einer intensiven Ausbildung des Hundes. Neben den bekannten Blindenführhunden gibt es zwei weitere Typen von Assistenzhunden: Servicehunde und Signalhunde.

Servicehunde werden speziell zur Unterstützung von Menschen mit motorischen Einschränkungen ausgebildet. Die meisten Servicehunde können auf Zuruf und ortsunabhängig Gegenstände bringen sowie heruntergefallene Dinge aufheben. Sie öffnen Türen, Schränke oder Schubladen, schalten das Licht ein, räumen die Waschmaschine ein und aus, helfen beim An- und Ausziehen, holen im Laden Produkte aus dem Regal, tragen Taschen oder drücken Knöpfe.

Da die Serviceleistungen aber immer von der Art der Behinderung des Halters abhängen, können manche Hunde auch beim Ausziehen von Prothesen helfen, Pflaster von der Haut abmachen und Müll in öffentlichen Mülleimern entsorgen. Sie helfen beim Öffnen von Verpackungen, ziehen den Rollstuhl ein kurzes Stück, öffnen und schließen Rucksäcke und vieles mehr.

Signalhunde: Warnsystem auf vier Pfoten

Die Signalhunde leisten eine ganz wesentliche Aufgabe: Sie signalisieren etwas, das ihr Mensch nicht oder nicht zuverlässig wahrnehmen kann. Dies beginnt beim Überbringen akustischer Informationen an einen gehörlosen oder gehörgeschädigten Menschen und reicht bis zu Hunden, die ein Signal geben, wenn sie Symptome einer spezifischen Erkrankung erkennen.

Das umfasst Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Diabetes, sehr starke Allergien oder Kreislaufentgleisungen. Hier nimmt der Hund eine relevante Veränderung wahr und weist auf Gefahren hin.  Aber auch bei neurologischen Erkrankungen wie z.B. Epilepsie, Autismus, Narkolepsie oder psychische, wie die posttraumatische Belastungsstörung unterstützt ein Signalhund.

Neben dem Signalisieren von Symptomen wie Dissoziation oder Zusammenbrüche hat der Hund auch noch weitere Aufgaben wie Führen und Abschirmen.

Assistenzhunde müssen Entscheidungen treffen

Eine Besonderheit aller Assistenzhunde ist, dass sie keinen sturen Gehorsam zeigen dürfen, sondern eigene Entscheidungen über eine Situation treffen müssen. Ihnen obliegt es, Gefahren zu erkennen und etwa als Blindenführhund das Weitergehen zu verweigern, wenn der blinde Mensch droht, in eine Straßenbaustelle zu stolpern, die jüngst eingerichtet wurde.

Auch Signalhunde müssen eigenverantwortlich handeln, denn vielfach sind sie genau dann gefordert, wenn ihr Mensch die Kontrolle zu verlieren droht. Eine gute Ausbildung sorgt dafür, dass der Hund genau weiß, was im Ernstfall zu tun ist und dies auch zuverlässig umsetzt. So gibt er als ein Wachhund der besonderen Art seinem Menschen Sicherheit im Alltag.

Hunde als Helfer haben eine lange Geschichte

Hunde als Begleiter blinder Menschen gab es bereits in der Antike. Wandgemälde in Herculaneum zeigen Hunde als Gefährten und Beschützer, allerdings nicht als Führer im heutigen Sinne. Auch im späten Mittelalter fanden blinde Menschen in Hunden unterstützende Begleitung. In einer Bettelordnung aus Straßburg von 1464 heißt es: „[…] es soll kein Bettler einen Hund haben, es sei denn, er wäre blind und brauchte ihn.“

Die ersten dokumentierten systematischen Ausbildungen von Hunden für blinde Menschen finden wir im Paris der 1780er Jahre im Blindenhospital „Les Quinze-Vingts“. Wenig später trainierte der blinde Wiener Siebmacher Josef Reisinger einen kleinen Spitz innerhalb eines Jahres so gut für seine Zwecke, dass seine Blindheit oft angezweifelt wurde.

Gesetz soll Zugang für Assistenzhunde vereinfachen

Das Aufsuchen mancher Orte kann für Menschen mit Assistenzhund eine Herausforderung sein. Beispielsweise ist in vielen Arztpraxen das Mitbringen von Hunden nicht erwünscht und es bedarf teilweise langwieriger Abstimmungen, bis ein Signalhund eine Patientin oder einen Patienten bis ins Behandlungszimmer begleiten darf.

Ein wichtiger Schritt zu mehr Rechtssicherheit für den Einsatz von Assistenzhunden wurde kürzlich im Rahmen eines Teilhabestärkungsgesetzes gegangen. Im Gesetz werden die Rechte und Pflichten von Assistenzhundeteams verbindlich festgeschrieben.

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