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Wie funktioniert eine Impfung gegen Krebs?

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Wie funktioniert eine Impfung gegen Krebs?

Impfungen gegen Krebs setzen auf das Immunsystem

Eine Krebsimpfung hat das Ziel, das Immunsystem so zu aktivieren, dass es Krebszellen als fremd erkennt und zerstört. Krebszellen entstehen, wenn gesunde Zellen mutieren und sich unkontrolliert teilen. Dies geschieht, weil Fehler (Mutationen) in unserer genetischen Information auftreten. Diese stören häufig wichtige Kontrollmechanismen für Zellwachstum und Zellteilung.

Solche Mutationen können durch Zufall bei der Zellteilung, durch Umweltfaktoren wie Strahlung oder Chemikalien oder durch ererbte genetische Veränderungen verursacht werden.

Das Immunsystem ist normalerweise dafür zuständig, abnormale Zellen – wie etwa Krebszellen – als fremd zu erkennen und gezielt zu entfernen, um den Körper zu schützen. Diese Funktion wird auch als Immunüberwachung bezeichnet.

Bei Krebs ist diese natürliche Abwehr jedoch häufig gestört: Krebszellen können Mechanismen entwickeln, um sich der Erkennung durch das Immunsystem zu entziehen, etwa durch das Verbergen ihrer Oberflächenproteine oder das Ausschütten von Signalstoffen, die Immunzellen behindern.

Wie kann eine Impfung das Immunsystem unterstützen?

Eine Impfung gegen Krebs zielt darauf ab, das Immunsystem so zu trainieren, dass es bestimmte Krebszellen trotz derer Tarnungstechniken erkennt und zerstört. Dafür werden dem Körper abgeschwächte Krebszellen, spezifische Proteine (Antigene) oder genetisches Material injiziert.

Diese Impfstoffe regen das Immunsystem an, Abwehrmechanismen gegen die injizierten oder im Körper vorhandenen Krebszellen aufzubauen – ähnlich wie bei einer Impfung gegen Infektionskrankheiten wie grippale Infekte. Das Immunsystem lernt dadurch, die vorliegenden Krebszellen als Bedrohung einzustufen, und bildet gezielt Abwehrstoffe (z. B. Antikörper oder T-Zellen), um sie zu bekämpfen.

Welche Arten von Krebsimpfungen gibt es?

Präventive Impfungen: Schutz vor Krebserkrankungen

Präventive Impfungen richten sich gegen Viren, die Krebs auslösen können. Ein bekanntes Beispiel ist die HPV-Impfung, die vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Das Humane Papillomvirus (HPV) wird durch Haut- und Schleimhautkontakt übertragen und ist für etwa fünf Prozent aller Krebsfälle weltweit verantwortlich. Die Impfung verhindert, dass das Virus Krebszellen entstehen lässt.

Therapeutische Impfungen: Bekämpfung bereits vorhandener Krebszellen

Therapeutische Impfungen sind darauf ausgelegt, bereits vorhandene Krebszellen im Körper zu bekämpfen, indem sie das Immunsystem gezielt aktivieren. Im Gegensatz dazu schützen präventive Impfungen vor einer Infektion oder Tumorentstehung. Therapeutische Impfstoffe hingegen richten sich direkt gegen bestehende Krebszellen.

Ein bekanntes Beispiel ist die Prostatakrebs-Impfung, bei der dem Körper spezifische Antigene oder genetisches Material von Krebszellen zugeführt werden. Dadurch lernt das Immunsystem, diese Zellen als fremd zu erkennen und sie mit Abwehrzellen (zum Beispiel T-Zellen) gezielt anzugreifen.

Solche Impfungen werden häufig in Kombination mit anderen Therapien, wie beispielsweise einer Chemotherapie oder Strahlentherapie, eingesetzt, um die Wirkung zu verstärken und Rückfälle zu verhindern.

Die Rolle von Antigenen

Antigene sind Moleküle, die vom Immunsystem als fremd erkannt werden. Bei Krebsimpfungen werden spezifische Antigene verwendet, die auf der Oberfläche von Krebszellen vorkommen. Diese Antigene werden dem Körper durch die Impfung zugeführt. Daraufhin bildet das Immunsystem Antikörper und T-Zellen, die gezielt spezifische Krebszellen angreifen.

Da jeder Krebs einzigartig ist, müssen Impfstoffe oft individuell an einen vorliegenden Tumor angepasst werden. Hierzu analysieren Forschende entwickeln einen Impfstoff, der genau zu dessen Antigenen passt. Solche personalisierten Impfstoffe gelten als vielversprechender Ansatz in der Krebsforschung.

Wie funktioniert die neue Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Eine neue Impfmethode gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs nutzt die mRNA-Technologie, bekannt von mehreren Impstoffen gegen das Coronavirus. Dabei wird Patientinnen und Patienten ein individuell angepasster Impfstoff verabreicht, der auf den spezifischen Mutationen ihres Tumors basiert. Dieser Impfstoff enthält genetische Informationen, die dem Immunsystem vermitteln, wie es die spezifischen Proteine auf den Krebszellen erkennen und angreifen kann.

Dadurch werden gezielt T-Zellen aktiviert, die die Krebszellen als Fremdkörper identifizieren und zerstören sollen. Die Impfung zielt darauf ab, nach einer Operation eine Rückkehr des Krebses zu verhindern und das Rückfallrisiko somit deutlich zu senken.

Die Therapie wird in mehreren Dosen verabreicht, oft in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie. Besonders vielversprechend ist, dass die mit der mRNA-Technologie erzeugten Immunzellen über Jahre hinweg funktionsfähig bleiben und somit eine langfristige Abwehr gegen den Krebs aufbauen können.

Diese Krebsimpfungen haben sich bereits bewährt

Die HPV-Impfung

Eine HPV-Impfung schützt vor Infektionen mit bestimmten HPV-Typen (HPV: Humane Papillomviren), die Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Studien zeigen, dass die Impfung das Risiko für diesen Krebs deutlich senkt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung ab dem 9. Lebensjahr.

Immuntherapie bei Hautkrebs

Bei Hautkrebs, insbesondere bei bösartigen Melanomen, kommen therapeutische Impfstoffe zum Einsatz. Diese regen das Immunsystem dazu an, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Klinische Studien zeigen, dass solche Impfstoffe die Überlebenschancen von Patienten erhöhen können. Ein Beispiel ist der Impfstoff T-VEC, der bei einem fortgeschrittenen bösartigen Melanom zum Einsatz kommt.

Warum gibt es Krebsimpfungen bisher nicht für alle Krebsarten?

Krebs ist eine extrem vielfältige und komplexe Krankheit, bei der jeder Tumor individuelle Eigenschaften – insbesondere einzigartige Antigene – aufweist. Diese große Vielfalt erschwert die Entwicklung eines universellen Impfstoffs, der gegen alle Krebsarten wirkt.

Zudem müssen Impfstoffe nicht nur zuverlässig wirken, sondern auch strenge Sicherheitsstandards erfüllen, bevor sie für die breite Anwendung zugelassen werden. Trotz dieser Herausforderungen forscht die Wissenschaft intensiv an neuen Ansätzen, um gezielte Impfungen für möglichst viele Krebsarten zu entwickeln.

Definitionen und Begriffserklärungen

Krebszellen

Gesunde Zellen, die durch Mutationen ihr Wachstum nicht mehr kontrollieren können und sich unkontrolliert teilen. Sie bilden Tumore und können zudem Metastasen bilden. Metastasen entstehen, wenn sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor lösen, in andere Organe wandern und dort neue Tumore bilden.

Antigene

Moleküle, die das Immunsystem als fremd erkennt und eine Immunantwort auslöst. Bei Krebsimpfungen werden spezifische Antigene verwendet, um Krebszellen zu markieren.

Immunsystem

Das körpereigene Abwehrsystem, das Krankheitserreger und abnormale Zellen wie Krebszellen bekämpft. Es besteht aus verschiedenen Zellen und Molekülen, die zusammenarbeiten, um den Körper zu schützen.

T-Zellen

Zellen des adaptiven Immunsystems. Sie erkennen über T-Zell-Rezeptoren (TCR) fremde Antigene. Sie aktivieren andere Immunzellen, zerstören infizierte oder Krebszellen, und kontrollieren die Immunantwort.

Häufig gestellte Fragen zu Krebsimpfungen

Wie funktioniert eine Krebsimpfung?

Eine Krebsimpfung trainiert das Immunsystem, Krebszellen als fremd zu erkennen und zu bekämpfen, indem es spezifische Antigene oder abgeschwächte Krebszellen injiziert.

Welche Krebsarten können durch Impfungen verhindert werden?

Aktuell können vor allem durch Viren ausgelöste Krebsarten wie Gebärmutterhalskrebs (HPV) durch präventive Impfungen verhindert werden.

Ist eine Krebsimpfung sicher?

Krebsimpfungen müssen strenge klinische Prüfungen durchlaufen, bevor sie zugelassen werden. Wie bei allen Impfungen können jedoch Nebenwirkungen auftreten, die in der Regel mild ausfallen.

Können Krebsimpfungen bestehende Tumore heilen?

Therapeutische Impfungen können das Immunsystem unterstützen, Krebszellen zu bekämpfen, sind aber meist Teil einer umfassenden Therapie. Sie heilen Krebs nicht allein, können aber das Überleben verlängern.

Warum gibt es noch keine Impfung gegen alle Krebsarten?

Jeder Tumor besitzt einzigartige Antigene, was die Entwicklung eines universellen Impfstoffs erschwert. Die Forschung arbeitet jedoch an personalisierten Lösungen.

Wie lange dauert es, bis ein Impfstoff gegen Krebs entwickelt ist?

Von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Erprobung können Jahre vergehen. Zudem sind aufwendige klinische Studien notwendig, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung zu belegen

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