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Atomkraft

Tschernobyl: Wie ein Super-GAU das Bild der Kernenergie veränderte

Der Tag, an dem die Kernenergie starb

Die Katastrophe von Tschernobyl: Ein Schild, das vor radioaktiver Strahlung warnt

Anfang Mai 1986 durfte in Deutschland keine Milch getrunken werden. Die Bevölkerung sollte kein frisches Obst und Gemüse essen, sich nicht unnötig im Freien aufhalten – und sollte unbedingt den Regen meiden. Der Grund lag mehr als 1000 Kilometer entfernt: ein Super-GAU im Kernkraftwerk von Tschernobyl in der Ukraine, die damals noch zur ehemaligen Sowjetunion gehörte. Am 26. April 2022 jährt sich der Tag der Katastrophe zum 36. Mal.

Tschernobyl: Vorsicht, Strahlung!
Foto: Imagebroker/Imago

Tschernobyl: Vorsicht, Strahlung!

Der Name Tschernobyl gilt heute als Inbegriff des Schreckens, den ein Super-GAU bringen kann. Die Bedeutung der ukrainischen Schreibweise „Tschornobyl“ ist jedoch harmlos. Sie steht für ein Gewürzkraut, das auf Deutsch Beifuß heißt. Dieses kommt in der Region häufig vor.
Das Kernkraftwerk von Tschernobyl von außen
Foto: ITAR-TASS/Imago

Das Kernkraftwerk von Tschernobyl von außen

Das „Lenin-Kernkraftwerk" in Tschernobyl war der ganze Stolz der sowjetischen Atomindustrie. Vor dem Unfall wurden hier 4000 Megawatt elektrische Leistung in insgesamt vier Reaktoren erzeugt. Ursprünglich war geplant, die Anlage um einen fünften und einen sechsten Block zu erweitern. Durch die starke radioaktive Belastung des Geländes nach dem Atomunfall von 1986 wurden diese Pläne jedoch verworfen.
Ein Test mit desaströsen Folgen
Foto: ITAR-TASS/Imago

Ein Test mit desaströsen Folgen

Ironischerweise war es ein Sicherheitstest, der zu dem Reaktorunfall von Tschernobyl führte. Dabei sollte überprüft werden, wie weit sich das Kraftwerk eigenständig mit Energie versorgen könnte, wenn der Kernreaktor in einem Notfall abgeschaltet werden müsste. Aufgrund eines Konstruktionsfehlers sowie mehrerer Bedienungsfehler geriet der Versuch aber außer Kontrolle. Statt zu sinken, stieg die Leistung im Reaktor immer weiter an.. Gegen 1:30 Uhr am frühen Morgen des 26. April 1986 geschah dann das, was niemals hätte passieren dürfen.
Der Reaktor geht in Flammen auf
Foto: United Archives/Imago

Der Reaktor geht in Flammen auf

Eine Wasserstoffexplosion zerriss Block 4 des Kraftwerks. Dabei wurden nicht nur der Reaktor und seine Schutzhülle zerstört, sondern die halbe Anlage vernichtet. Der Reaktor-Kern, in dem nun ein atomares Höllenfeuer wütete, lag komplett offen und konnte seinen unheilbringenden Inhalt in die Atmosphäre befördern.
Die Stadt Prypjat vor der Katastrophe
Foto: Eastnews/Russia/Imago

Die Stadt Prypjat vor der Katastrophe

In unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks von Tschernobyl liegt die Stadt Prypjat. Sie wurde zuerst von der radioaktiven Wolke getroffen, die nach der Explosion aus Block 4 des Kraftwerks entwich. Doch vorerst wurden die Bewohner der Stadt nicht informiert. Es gab nur Gerüchte über einen Brand im Kraftwerk – in welcher unmittelbaren Lebensgefahr sich die Menschen hier befanden, erfuhren sie erst viel später . . . viele vermutlich zu spät.
Prypjat wurde erst tags darauf evakuiert
Foto: ITAR-TASS/Imago

Prypjat wurde erst tags darauf evakuiert

Am 27. April entschied die sowjetische Führung, die Stadt Prypjat mit ihren fast 50.000 Einwohnern zu evakuieren. Und das, nachdem die Bewohner mehr als 24 Stunden lang der hohen radioaktiven Strahlung in der Stadt ausgesetzt waren. Sämtliche Fahrzeuge, die die extrem stark belastete Zone von mehreren Dutzend Kilometern um das Kraftwerk verließen, mussten zuerst dekontaminiert werden.
Brandbekämpfung von oben
Foto: ITAR-TASS/Imago

Brandbekämpfung von oben

Aufgrund der großen Hitze im brennenden Reaktor war die Bekämpfung des Brandes eine kaum zu lösende Aufgabe – dennoch musste sie angegangen werden. Dazu wurden unter anderem Hubschrauber eingesetzt, die mit dem gezielten Abwurf von Sand und Bor versuchten, das Feuer zu ersticken. Die Piloten wurden dabei zwangsläufig radioaktiven Strahlendosen ausgesetzt, die für sie den sicheren Tod bedeuteten.
Die Liquidatoren auf dem Weg in den sicheren Tod
Foto: Artranq/Envato

Die Liquidatoren auf dem Weg in den sicheren Tod

Der Super-GAU blies radioaktiven Staub um die Erde
Foto: Dieter Bauer/Imago

Der Super-GAU blies radioaktiven Staub um die Erde

Einer der Hauptgründe, weshalb Tschernobyl bis heute als das Synonym für die Gefahren der Atomkraft ist, liegt in den Auswirkungen des Unfalls. Durch die Explosion des Reaktors und das nachfolgende Feuer gelangte eine große Menge radioaktiver Substanzen in die Atmosphäre – und verteilte sich in der Folge um die ganze Welt. Den Großteil des radioaktiven Niederschlags außerhalb der Sowjetunion bekam Europa ab.
Gesperrte Spielplätze, Freibäder, Sportplätze
Foto: Jürgen Ritter/Imago

Gesperrte Spielplätze, Freibäder, Sportplätze

Eine der ersten Folgen des radioaktiven Niederschlags in Deutschland war die Sorge um die Gesundheit der Menschen. Spiel- und Sportplätze, Freibäder, Wiesen und andere öffentlich zugängliche Freizeitgelände wurden gesperrt. Der Grund: Radioaktiver Niederschlag lagerte sich ab, und es bestand die Gefahr der Verstrahlung.
Vor allem der Südosten Deutschlands war betroffen
Foto: Werner Otto/Imago

Vor allem der Südosten Deutschlands war betroffen

Nicht ganz Deutschland war gleich stark von dem radioaktiven Niederschlag aus Tschernobyl betroffen. Während der Norden und Westen der Bundesrepublik weitgehend von Niederschlägen mit radioaktiven Cäsium 137 verschont blieb, ließ sich diese Substanz vor allem im Südosten der BRD in teilweise sehr hohen Mengen nachweisen. Der Westen der Bundesrepublik hatte nach dem Fallout aus Tschernobyl mit anderen Gefahren zu kämpfen: Hier lagerte sich radioaktives Jod auf den Feldern von Landwirten ab, was dazu führte, dass manche von ihnen ihre komplette Ernte vernichten oder unterpflügen mussten.
Stopp, Kontrolle!
Foto: Imagebroker/Imago

Stopp, Kontrolle!

Auch Fahrzeuge, die aus dem deutlich stärker als Deutschland betroffenen Osten Europas in die Bundesrepublik einreisten, mussten sich strikten Kontrollen unterziehen. Wenn sie zu stark belastet waren, wurden sie zunächst dekontaminiert. Übrigens finden sich bis heute im Südosten Bayerns Gebiete, in denen sich eine erhöhte Radioaktivität nachweisen lässt – vor allem in Pilzen reichern sich die radioaktiven Stoffe jahrzehntelang an.
Tschernobyl ist weiterhin eine tickende Zeitbombe
Russian Look/Imago

Tschernobyl ist weiterhin eine tickende Zeitbombe

Heute ist es ruhig geworden um das Kernkraftwerk in Tschernobyl. Der zerstörte Reaktor wird von einem sogenannten Sarkophag aus Beton und Stahl umgeben. Diese Schutzhülle muss allerdings permanent gewartet werden, da die Strahlung aus dem Inneren die Materialien schnell spröde werden lässt. Eine neue Schutzhülle ist in Bau.
Dieser Autofriedhof ist lebensgefährlich
Foto: Eastnews Russia/Imago

Dieser Autofriedhof ist lebensgefährlich

Im Umkreis des heute stillgelegten Kraftwerks finden sich aber nach wie vor stumme Zeugen des Unfalls von 1986. So mussten sämtliche Fahrzeuge, die zur Bekämpfung des Atomunfalls verwendet wurden, nach dem Ende des Einsatzes aufgegeben werden. Sie sind für hunderttausende von Jahren verstrahlt.
Die Geisterstadt bei Tschernobyl
Foto: UPI-Photo/Imago

Die Geisterstadt bei Tschernobyl

Die dem Kraftwerk nahegelegene Stadt Prypjat ist ein bis heute verlassener Ort. Ob hier jemals wieder Menschen leben können, ist mehr als fraglich. Bei Streifzügen durch die Stadt lassen sich so manche bedrückende Bilder einfangen.
Der Jahrmarkt bei Prypjat ist wie aus der Zeit gefallen
Foto: Thomas Leble/Imago

Der Jahrmarkt bei Prypjat ist wie aus der Zeit gefallen

Auch der zum damals anstehenden 1. Mai 1986 errichtete Jahrmarkt lässt sich noch heute in Prypjat besichtigen. Auf seinen Karussells und Riesenrädern werden aber wohl nie wieder Kinder spielen können.

Die Schattenseiten der Kernkraft führten zu einer Jahrhundertkatastrophe

Am 26.4.1986 kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl zum Super-GAU. Ein kompletter Kraftwerksblock explodierte, große Teile der Ukraine und Polens sind seither stark verstrahlt. Die Folgen der Reaktorkatastrophe werden noch über Jahrtausende zu spüren sein. Seit 2010 wird an einer neuen Schutzhülle (Sarkophag) gebaut, da die alte brüchig war – abgeschlossen ist das Projekt bisher nicht. Die Kosten belaufen sich auf mehr als zwei Milliarden Euro.

Tschernobyl schürt die Angst vor einem weiteren Super-GAU

Auch angesichts der Atomkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 wurde wieder deutlich, wie viel Angst und Emotionen mit Unfällen in Kernkraftwerken verbunden sind. Das war nicht immer so. Bis in die 1970er Jahre wurde das Thema Atomenergie relativ wohlwollend in der deutschen Öffentlichkeit betrachtet. Aber dann explodierte am 26. April 1986 im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl, nahe der ukrainischen Stadt Prypjat, ein kompletter Kraftwerksblock.

Große Gebiete in der heutigen Ukraine wurden radioaktiv verstrahlt. Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen und verloren ihre Heimat. Die Sperrzone beträgt heute über 4.000 Quadratkilometer. Und auch in Deutschland spürte man die Auswirkungen sehr deutlich: Viele Landwirte mussten ihre Felder umpflügen, Wiesen, Freibäder und Spielplätze wurden gesperrt – und plötzlich hatten die Deutschen Angst davor, in den Regen zu geraten. In dieser Galerie werfen wir einen Blick zurück auf eine Nuklearkatastrophe, die das Bild der Kernenergie für immer verändert hat.