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Was steckt eigentlich hinter Palantir?

Foto: Envato / kportfolio24

Was steckt eigentlich hinter Palantir?

Technologieunternehmen sind moralisch verpflichtet, aktiv zur nationalen Sicherheit beizutragen – auch mit KI-Waffen. Mit dieser Theorie hat Alex Karp, CEO von Palantir Technologies, in den sozialen Medien für Bestürzung gesorgt. Darum ist Palantir so umstritten:

Was ist Palantir?

Palantir Technologies wurde 2003 von Peter Thiel und weiteren Gründern ins Leben gerufen. Die Firma wirbt mit dem Versprechen, aus extrem großen Datenmengen klare Informationen abzuleiten. Ursprünglich als Werkzeug für US-Geheimdienste entwickelt, nutzt das Unternehmen seine Technologie heute in zahlreichen Bereichen, in denen Daten verarbeitet werden: von der Polizei über Banken bis hin zu staatlichen Behörden.

Kritiker warnen vor einer schleichenden Überwachung, der mangelnden Transparenz der Software sowie der Gefahr, dass Palantirs Technologie autoritäre Strukturen unterstützt. Besonders problematisch ist die Zusammenarbeit Palantirs mit umstrittenen Behörden wie der US-Einwanderungsbehörde ICE oder mit Sicherheitskräften in Ländern mit fragwürdiger Menschenrechtsbilanz wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ob Palantirs Software tatsächlich dem Gemeinwohl dient, ist stark umstritten.

Palantir konzentriert sich auf folgende Software-Angebote:

Gotham

„Gotham“ ist eine speziell für Geheimdienste, Sicherheitsbehörden und das Militär entwickelte Softwareplattform. Sie soll dabei helfen, Kommunikationsdaten, Finanztransaktionen oder Bewegungsprofile systematisch zu durchsuchen. Ihre Aufgabe besteht darin, verborgene Zusammenhänge und Muster zu identifizieren, die die Aufklärung von Straftaten sowie die Terrorismusbekämpfung erlauben können.

Die Plattform kombiniert Daten aus verschiedenen Quellen und visualisiert sie. Gotham arbeitet in Echtzeit und soll es ermöglichen, schnell verdächtige Aktivitäten oder auffällige Netzwerke zu erkennen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass solche umfassenden Analysefähigkeiten zahlreiche Risiken bergen.

Foundry

„Foundry“ ist eine Plattform, die Unternehmen dabei unterstützen soll, ihre Daten zentral zu verwalten und auszuwerten. Anstatt Daten in verschiedenen Abteilungen oder Systemen zu verteilen, soll „Foundry“ sie an einem zentralen Ort sammeln und für alle Firmenbereiche zugänglich machen. So soll etwa die Finanzabteilung Risiken bewerten, die Logistik Lieferketten optimieren und die Personalabteilung Mitarbeiterdaten sinnvoll nutzen können.

Durch die Integration von Daten aus verschiedenen Quellen – wie Unternehmenssoftware, Datenbanken oder externen Quellen – soll „Foundry“ eine einheitliche Datenbasis schaffen. Analysten sollen dadurch Zusammenhänge erkennen, Entwicklungen vorhersagen und fundierte Entscheidungen treffen können. Laut der Website von Palantir Foundry unterstützt Foundry auch Arbeitsabläufe bei der Waldbrandprävention, bei Notfallmaßnahmen und bei meteorologischen Analysen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass eine zentrale Datenspeicherung im großen Stil auch problematisch sein kann, etwa in Bezug auf Datenschutz und möglichen Missbrauch.

AIP

Die Artificial Intelligence Platform (AIP) von Palantir nutzt KI-Technologien, um Daten in Echtzeit zu analysieren und daraus in kurzer Zeit verwertbare Informationen zu gewinnen. Sie nutzt große Sprachmodelle – KI-Modelle, die anhand riesiger Textmengen trainiert wurden, um menschliche Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und selbstständig zu erzeugen – zur Verwertung von Unternehmensdaten. Hierdurch soll sie Nutzerinnen und Nutzer dabei unterstützen, komplexe Zusammenhänge nachzuvollziehen, etwa in den Bereichen Marktanalyse und Lieferkettenmanagement.

Die Artificial Intelligence Platform (AIP) soll besonders für Profis nützlich sein, die täglich große Mengen an Informationen verarbeiten müssen. Sie soll sowohl menschliche Analysten als auch autonome Systeme durch Prognosen und Handlungsempfehlungen unterstützen. Autonome Systeme sind Programme, die eigenständig Entscheidungen treffen und Aufgaben ausführen können, ohne dass ein Mensch jeden Schritt vorgibt. Gleichzeitig wirft die Technologie Fragen auf: Wer kontrolliert die KI-Entscheidungen und wie gewährleistet Palantir, dass die gesammelten Daten tatsächlich die Wirklichkeit abbilden und nicht verzerrt sind?

Ermöglicht Palantir dir Herstellung eines Überwachungsstaats?

Palantir steht seit Jahren im Zentrum einer heftigen Debatte über Datenschutz und Überwachung, da das Unternehmen seine Analyse-Software an Geheimdienste, Militärs und Sicherheitsbehörden liefert. Hierzu gehören auch umstrittene Einrichtungen wie die US-Einwanderungsbehörde ICE.

Kritiker werfen Palantir vor, durch solche Kooperationen an Menschenrechtsverletzungen wie willkürlichen Festnahmen oder der Überwachung von Minderheiten mitzuwirken. In der Schweiz lehnte das Militär eine Zusammenarbeit sogar ab, da ein unkontrollierter Datenabfluss in die USA und andere kooperierende Länder nicht ausgeschlossen werden kann. Ebenso besteht die Sorge, dass Palantirs Technologie in die Hände von Überwachungsstaaten fallen und Bürgerrechte untergraben könnte.

Hinzu kommt die Problematik der Konzentration von Macht: Palantir sammelt und analysiert riesige Datenmengen. Während Befürworter die Effizienzsteigerung in der Kriminalitätsbekämpfung und Krisenbewältigung betonen, fürchten Gegner eine unkontrollierbare Überwachungsmaschinerie. Palantir selbst argumentiert, dass das Unternehmen sich an Menschenrechtsstandards hält und durch seine Technologie sogar für besseren Datenschutz sorgt.

Quelle: YouTube / Studio_Einfach

Die kontroverse Nutzung von Palantir durch die deutsche Polizei

In den USA nutzen das FBI und das Verteidigungsministerium Palantirs „Gotham“-Software, um Terrorismus und organisierte Kriminalität zu bekämpfen. In Deutschland setzen mehrere Bundesländer, darunter Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen, Palantir-Software für polizeiliche Analysen ein.

In Bayern wird die Software unter dem Namen „VeRA“ für digitale Ermittlungen genutzt, in NRW und Hessen dient sie zur automatisierten Durchsuchung und Verknüpfung von Polizeidatenbanken. Die Polizei in diesen Bundesländern argumentiert, dass die Software die Ermittlungsarbeit beschleunigt und die Aufklärung schwerer Straftaten unterstützt – etwa bei Terrorgefahren oder organisierter Kriminalität.

Die Nutzung ist dabei bundesweit einheitlich: Schleswig-Holstein lehnt den Einsatz entschieden ab. Der Bund hat sich bisher gegen eine bundesweite Einführung ausgesprochen. Befürworter verteidigen die Software als wichtiges Werkzeug zur modernen Polizeiarbeit. Kritische Stimmen warnen dagegen vor einer schrankenlosen Überwachung und der Abhängigkeit von einem US-Konzern mit engen Verbindungen zu Geheimdiensten.

Trotz der Kritik hält die Mehrheit der Bundesländer, die Palantir nutzen, daran fest. Allerdings werden die Verträge teilweise neu ausgeschrieben – etwa in Nordrhein-Westfalen, wo der aktuelle Vertrag 2026 ausläuft.

Palantirs kontroverse Einstellung zu KI-Waffen

Palantir-CEO Alex Karp hat sich wiederholt klar als Befürworter von KI-Waffensystemen positioniert, neben in Social Media auch in seinem Buch „The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief and the Future of the West“.

Palantir setzt Karps Haltung in die Praxis um, indem das Unternehmen bereits KI-gestützte Software für Militär und Geheimdienste entwickelt. Dazu gehören Systeme zur Datenintegration, Lageanalyse und Zielunterstützung, die Entscheidungsprozesse beschleunigen und militärische Operationen effizienter gestalten sollen.

Auch im umstrittenen „Project Maven“ liefert Palantir KI-Systeme zur Datenanalyse und Zielerkennung, die militärische Entscheidungen unterstützen. „Project Maven“ ist ein 2017 gestartetes KI-Programm des US-Verteidigungsministeriums. Es nutzt maschinelles Lernen, um große Mengen an Bild- und Sensordaten (z. B. von Drohnen und Satelliten) automatisch auszuwerten und potenzielle militärische Ziele zu erkennen.

In Karps Thesen wird KI als Schlüsseltechnologie für „Hard Power“, also für moderne militärische Stärke, verstanden. In früheren Epochen waren hingegen Atomwaffen oder industrielle Kapazitäten entscheidend.

Kritiker werfen Palantir vor, die Militarisierung von KI aktiv voranzutreiben und die damit verbundenen ethischen Risiken – etwa Fehlentscheidungen durch automatisierte Systeme – zu unterschätzen. Befürworter hingegen argumentieren, dass gerade demokratische Staaten solche Technologien entwickeln müssten, um gegenüber weniger regulierten Akteuren nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Definitionen und Begriffserklärungen

Palantir Technologies 

Die Palantir Technologies Inc. ist ein 2003 gegründetes US-amerikanisches Softwareunternehmen. Das Unternehmen hat sich auf die Analyse großer Datenmengen spezialisiert. Es bietet Plattformen wie „Gotham“, „Foundry“ und „AIP“ an, die sowohl von Firmen als auch von Regierungen genutzt werden.

Gotham (Palantir) 

„Gotham“ ist eine Analyseplattform von Palantir, die vor allem von Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden genutzt wird. Sie soll dabei helfen, verborgene Muster in großen Datenmengen zu erkennen und auf diese Weise Bedrohungen frühzeitig zu identifizieren.

Datenschutz bei Palantir

Palantir steht in der Kritik, da seine Software die Herstellung von Überwachungsstaaten erleichtern kann. Kritiker befürchten, dass diese Technologie zu einer unkontrollierten Sammlung und Nutzung persönlicher Daten führen könnte, ohne ausreichende Transparenz oder Schutzmechanismen zu bieten.

Häufig gestellte Fragen zu Palantir

Was macht Palantir?

Palantir verspricht, große Datenmengen übersichtlich aufzubereiten, und unterstützt damit Regierungen und Unternehmen bei ihrer Entscheidungsfindung.

Warum gibt es Kritik an Palantir?

Zu den Kritikpunkten zählen die Möglichkeit zur Schaffung KI-gestützter Überwachungsstaaten und die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen.

Ist Palantir DSGVO-konform?

Palantir gilt in seiner jetzigen Form als nicht DSGVO-konform, da es sich um ein geschlossenes System handelt, das Daten in die USA übermittelt. Aktuell kann Palantir nur durch individuelle Anpassungen die strengen Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung erfüllen.

Wer sind die Gründer von Palantir?

Die Gründer von Palantir sind Peter Thiel, Nathan Gettings, Joe Lonsdale, Stephen Cohen und Alex Karp.

In welchen Ländern wird Palantir genutzt? 

Palantir wird in den USA, Deutschland und weiteren Ländern eingesetzt, unter anderem von Sicherheitsbehörden.

Wie funktioniert die KI von Palantir? 

Die KI-Systeme von Palantir nutzen Sprachmodelle, um Daten in Echtzeit zu analysieren und daraus wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen.

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