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Die Prepper-Bewegung: auf alle Katastrophen vorbereitet

So ticken Prepper

Die Prepper-Bewegung

Prepper bereiten sich aufs Schlimmste vor: Sie rüsten sich mit Nahrungsvorräten und diversen Hilfsmitteln für verschiedene Katastrophen-Szenarien. Ist eine solche Vorbereitung übertrieben oder sinnvoll?

Die Prepper-Bewegung
Motghnit/Envato

Prepper erheben das Horten von Vorräten zur hohen Kunst.

Ende März 2022 stürzte sich laut Medienberichten eine in der Schweiz lebende Familie aus Frankreich in den Tod. Die Familienmitglieder stiegen über die Brüstung ihres Balkons. Der 15-jährige Sohn überlebte knapp. Kurz darauf wurde bekannt, dass die Eltern der Familie der Prepper-Szene angehörten. Doch was bedeutet das?

Was sind Prepper?

Die Prepper-Szene stammt aus den USA und wächst seit Jahren auch in Deutschland. Das englische Verb „prep“ ist eine verkürzte Form von „prepare“, zu deutsch: vorbereiten.

Prepper sind dafür bekannt, sich teils auf extreme Art für Notfälle und schwere Zeiten vorzubereiten. Unmengen an haltbaren Vorräten zählen unter anderem dazu. In der Prepper-Szene bekannte Influencer wie The Angry Prepper auf Youtube geben stolz an, genügend Vorräte für 1,5 Jahre Selbstversorgung angehäuft zu haben.

Viele Prepper sorgen durch das Horten von Generatoren, Batterien und Ladegeräten für einen längeren Stromausfall vor. Auch selbstgefertigte Luftschutzbunker sind in Prepper-Haushalten nichts Außergewöhnliches.

Die Geschichte der Prepper: der Millennium-Bug und Co.

Unterschiedlichen Quellen zufolge tauchte der Begriff „Prepper“ erstmals um 1999 im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Millennium auf. Selbst anerkannte Experten und Expertinnen befürchteten fatale Auswirkungen des Datums 01.01.2000 auf zentrale Computersysteme. Die Jahrtausendwende würde die Gesellschaft  dadurch ins Chaos stürzen. Letztendlich kam es zu Beginn des neuen Jahrtausends nur zu wenigen Störungen.

Die Fast-Katastrophe hinterließ jedoch einen bleibenden Eindruck bei vorsichtigen Menschen mit starkem Beschützerinstinkt. Während Anhänger eines Weltuntergangskults immer wieder das angebliche Ende der Welt prophezeien, bereiten sich Prepper auf die nächste weltweite Katastrophe vor.

Die 1970er Jahre und der Kalte Krieg als prägender Zeitraum

Experten und Expertinnen sehen die Wurzeln der Prepper allerdings in der Survivalist-Bewegung während 1970er-Jahre. Die Drohkulisse einer möglichen atomaren Katastrophe zu Zeiten des kalten Kriegs war prägend. Auch Survivalists (übersetzt: Überlebenskünstler) glauben an das Ideal der Selbstversorgung, legen jedoch mehr Augenmerk auf das Überleben in freier Natur.

Einer der medialen Höhepunkte des neuen Survival-Trends der 1970er-Jahre war die Sendung „Four Corners: Survival“ des amerikanischen TV-Senders ABC. Sechs Teilnehmende mussten zwei Wochen auf einer einsamen Insel in Australien überleben. Ihre Ausrüstung: ein Messer, eine Axt, eine Taschenlampe, ein Kanister, eine Schnur, ein Stück Draht und eine Schachtel wasserfeste Streichhölzer.

Der Stromausfall in New York infolge des Hurrikans Sandy im Jahr 2012 gilt ebenso als wichtiger Eckpunkt bei der stets wachsenden Prepper-Bewegung.

Prepper und Homeschooling

Prepper machen sich weitestgehend unabhägig von üblichen Versorgungseinrichtungen. Dasselbe gilt für gängige Bildungseinrichtungen. Die Prepper- und die Homeschooling-Bewegung gehen oft Hand in Hand. Homeschooling meint für Prepper Hausunterricht. Nur so könne man Kindern eine Konstante in einer sich ständig ändernden Welt gewährleisten, argumentieren viele Prepper auf ihren Blogs.

Inzwischen stellte sich heraus, dass auch der achtjährige Sohn und die 15-jährige Tochter der eingangs erwähnten Prepper-Familie in der Schweiz zu Hause unterrichtet wurden. Die Eltern wollten laut Medienberichten vor einer polizeilichen Untersuchung fliehen, in der die Schulbildung des Sohns kontrolliert werden sollte. Ob der Sturz vom Balkon der Familie ein Unfall oder ein Sprung war, bleibt zunächst unklar.

Prepper und Corona-Leugner

Es liegt nahe, dass die weltweite Corona-Pandemie die Prepper-Szene in ihrem Handeln bestätigte. Tatsächlich ist das nur bedingt der Fall. Wie ihre Entstehungsgeschichte vermuten lässt, gilt die Szene als sehr empfänglich für Verschwörungstheorien. 

Es gibt eine große Schnittmenge mit der Impfgegner-Szene. Die Logik dahinter: Prepper misstrauen häufig der Regierung und ihren Institutionen. Daher machen sie sich so unabhängig wie möglich und verweigern Angebote von Staatsseite. Auch den Einflüssen der Survivalist-Szene und deren Fixierung auf natürliche Heilmittel kann die hohe Impfskepsis in der Prepper-Szene zugeschrieben werden.

Die Prepper-Szene in Deutschland

Über das Internet schaffte es der Prepper-Trend nach Deutschland. Genaue Zählungen gibt es bisher kaum. Medienberichten zufolge sollen in Deutschland inzwischen 100.000 bis 200.000 Prepper leben.

Neben den üblichen Blogs, Foren und Facebook-Gruppen fällt vor allem die Vielzahl an Survival-Shops auf. Dort erhalten Prepper Notfall-Rationen,  Survival-Rucksäcke, Nottoiletten und mehr. On die Nachfrage das Angebot bestimmt oder umgekehrt, bleibt die Frage. 

In Interviews mit Medien weisen Betreiber von Prepper-Shops Anschuldigungen der Panikmache entschieden von sich. Stattdessen berufen sie sich auf die Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Auf dessen Website finden sich zahlreiche Broschüren wie „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ sowie Werbung für das im Handel erhältliche Buch „Kochen ohne Strom“. 

Seriös preppen: sinnvolle Vorräte für den Ernstfall

Das BBK empfiehlt pro Person einen Vorrat für zehn Tage anzulegen. Dieser sollte jeweils 2200 Kilokalorien liefern und folgende Bestandteile haben:

  • 20 Liter Getränke (2 Liter pro Tag).
  • 3,5 kg Vorrat bestehend aus Getreide, Getreideprodukten, Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis.
  • 4,0 kg Vorrat bestehend aus Gemüse und Hülsenfrüchten, optimalerweise bereits gekocht und konserviert.
  • 2,5 kg Vorrat bestehend aus Obst und Nüssen, das Obst optimalerweise in Dosen oder lange lagerfähig.
  • 0,357 kg Vorrat bestehend aus Fetten und Ölen.
  • 2,6 kg Milch oder Milchprodukte.

Ferner gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Tipps für Sauberkeit in Notzeiten und empfiehlt folgenden Vorrat:

  • Genügend Wasser für die Körperwäsche, gesammelt in Badewannen, Töpfen, Wasserkanistern etc., optimalerweise länger haltbar gemacht durch Entkeimungsmittel.
  • Ausreichend Haushaltshandschuhe und Händedesinfektionsmittel.
  • Genügend Seife, Waschmittel, Zahncreme, Feuchttücher und Toilettenpapier.
  • Eine Haushaltsapotheke inklusive Fieberthermometer, Wunddesinfektionsmittel, Splitterpinzette, Verbandsmaterial, Erkältungsmittel sowie Medikamente gegen Fieber, Insektenstiche und Sonnenbrand.

Kommt es zum Energieausfall, empfiehlt die Behörde den Einsatz von Kerzen, Solarleuchten, Campingkochern, solarbetriebenen Batterieladegeräten sowie eines batteriebetriebenen Radios.

Die Formulierungen in der zum Download angebotenen Broschüre klingen oft dramatisch, was dem Thema geschuldet ist: Slogans wie „Sicher sein trotz Katastrophe“, „Deutschland ist gut vorbereitet wenn jeder vorbereitet ist“ und „Sorgen Sie vor!“ wirken auf manche Menschen beunruhigend. Nach einer solchen Lektüre scheinen allerdings Endzeitszenarien auch greifbarer und realistischer, sodass die Prepper-Philosophie nachvollziehbarer wird.

Sich theoretisch mit Ernstfällen auseinanderzusetzen und praktisch auf bestimmte, realistische Szenarien vorzubereiten, kann zwar beruhigend wirken. In ständiger Erwartung einer bevorstehenden Katastrophe zu leben, belastet auf Dauer jedoch die mentale Gesundheit und kann Depressionen verursachen. 

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