Die Suche nach der Wahrheit

Tabus der Weltgeschichte: Die verlorenen Atombomben der USA

Im Lauf der Menschheitsgeschichte gab es immer wieder dunkle Geheimnisse und unsagbare Verbrechen, die nie öffentlich werden sollten. Gemeinsam mit Historikern ist Welt der Wunder Fakten nachgegangen, die lange Zeit verborgen wurden: Die USA vermissen elf Atombomben – mindestens.

© iStock-Andrey_Chuzhinov

Am Morgen des 17. Janu­ar 1966 geht über dem spanischen Dorf Paloma­res ein B-52-Bomber auf Rendezvouskurs mit einem KC-135-Tankflug­zeug. Zunächst läuft alles nach Plan – dann streift der Tankrüs­sel der KC-135 den Metallrücken des Bombers. Funken entzünden ausströ­menden Treibstoff, verwandeln das mit Kerosin gefüllte Flugzeug in einen Feuerball. Vier Soldaten sterben. Und: Neben Trümmerteilen regnen auch vier Bomben vom Himmel. Bei zweien öffnet sich der Fallschirm nicht, sodass sie auf dem Boden detonieren – und 180 Hektar mit radioaktivem Plutoni­um verseuchen. Eine weitere Bombe wird wenig später unbeschädigt ge­funden, die vierte stürzt ins Mittelmeer, bleibt monatelang verschwunden.
 
Das Erschreckende: Palomares ist kein Einzelfall – allein die USA vermis­sen bis heute offiziell elf voll explosi­onsfähige Bomben. Unabhängige Schätzungen gehen sogar von bis zu 700 Zwischenfällen aus, bei denen 1.250 Kernwaffen im Spiel waren. Mal verschwindet ein Flugzeug mit Kern­sprengsätzen über dem Atlantik, mal geht ein mit Atom-Torpedos bestück­tes U-Boot unter, mal rollt eine Bom­be von einem Flugzeugträger. Da solche „Zwischenfälle“ ein Tabu darstellen, das der Öffentlichkeit verschwiegen werden soll, wird bei jeder verlorenen Atomwaffe der Code „Broken Arrow“ ausgerufen – Nach­richtensperre inklusive.

Der Kalt Krieg und seine Folgen

Der Grund für die Häufung der Un­fälle liegt im Kalten Krieg: Von 1960 bis 1968 patrouilleren rund um die Uhr US-Bomberstaffeln nahe des sowjetischen Luftraumes. Ihre Mis­sion ist es, im Falle eines nuklearen Erstschlags innerhalb kürzester Zeit einen massiven Vergeltungsschlag zu fliegen. Jeder der US-Bomber trägt vier Wasserstoffbomben mit der 100-fachen Sprengkraft der Bomben von Hiroshima und Nagasaki. Erst nach einem weiteren Unglück in Grönland beendet die US Air Force die Operation – Interkontinentalrake­ten machen es möglich, auf die teuren Luftpatrouillen zu verzichten. 

Seit 1968 ist daher nach offiziellen Angaben keine US-Nuklearwaffe mehr verloren gegangen. Wie viele jedoch noch immer auf dem Globus verstreut liegen, weiß niemand: „Es wird an­genommen, dass weltweit bis zu 50 Nuklearwaffen während des Kalten Krieges verlorengegangen sind“, sagt Otfried Nassauer, Experte für Nukle­arrüstung. 

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