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Wie Hersteller das Verfallsdatum technischer Geräte beeinflussen

Foto: Envato / LightFieldStudios

Wie Hersteller das Verfallsdatum technischer Geräte beeinflussen

Dass nur wenige Zeit nach Ablauf der Garantie die Waschmaschine oder das Handy kaputt geht, ist kein unglücklicher Zufall, sondern oft von Herstellern geplant. Die beabsichtigte Verringerung der Produktlebensdauer ist ein ökologisches Problem.

In unserer hochtechnisierten Industriegesellschaft sinkt die Lebens- und Nutzungszeit vieler Produkte und Geräte.

Der Begriff Obsoleszenz stammt von dem lateinischen Wort obsolescere ab. Es bedeutet alt werden, sich abnutzen, an Wert und/ oder Ansehen verlieren und umfasst das gesamte Phänomen der Alterung von Produkten. Einem Hersteller die geplante Selbstzerstörung seiner Geräte nachzuweisen, ist schwierig. Obsoleszenz ist auch Teil der heutigen Produkt- und Konsumpolitik.

Heimliches Haltbarkeitsdatum technischer Geräte: Mythos oder Wahrheit?

Einen handfesten Hinweis auf ein gewolltes Verfallsdatum bietet der Nylonstrumpf. Er bekam zunächst keine Laufmaschen. Am 15. Mai 1940 verkaufte DuPont an nur einem Tag fünf Millionen Paar Strümpfe, binnen kürzester Zeit war die hochwertige Ware restlos ausverkauft. Jede Frau durfte damals nur ein einziges Paar erwerben.

Da das Unternehmen keinen Umsatz, geschweige denn Gewinn mit einem unkaputtbaren Produkt machen konnte, verkürzte DuPont durch chemische Prozesse die Haltbarkeit der Nylons immer stärker, um mehr Geld damit zu verdienen. So wurden sie mit der Zeit zum Wegwerfprodukt.

Nicht mehr kompatibel: Warum passen Alt und Neu oft nicht zusammen?

Es ist bekannt: Eine neue App ist mit dem älteren Handy nicht kompatibel, ein neues Betriebssystem wird installiert, und plötzlich lassen sich alte Dateien nicht mehr öffnen, auf die neue Kamera passt das alte Objektiv nicht mehr und so weiter.

Die Konsequenz: Wenn wir uns ein neues Gerät zulegen, müssen wir häufig noch eine ganze Reihe von Zusatzprodukten neu kaufen.  Bislang sieht kaum ein Unternehmen die Notwendigkeit, umzudenken. Obwohl der geplante Produktverfall viele Gefahren birgt: Im Straßenverkehr ist der Batterieausfall eine häufige Pannenursache, wir produzieren mehr Elektroschrott sowie Giftmüll und verbrauchen dabei wertvolle Rohstoffe.

Ketchup und Zahnpasta: Verschwendung sorgt für Mehrkauf

132 Millionen Tuben Zahncreme bleiben umgerechnet pro Jahr in Deutschland unausgedrückt. Viele Produkte des täglichen Gebrauchs verschleißen zwar nicht, doch die besondere Art der Verpackung verhindert, dass man sie restlos leeren kann. Auch hier haben die Verpackungsdesigner tief in die Trickkiste gegriffen: Eine Million Tonnen Ketchup gehen jährlich weltweit verloren, weil bis zu 30 Prozent in der Flasche hängenbleiben.

Bei der Speicherkapazität von Festplatten gibt es ein ähnliches Problem. Sie ist nämlich oftmals größer als angegeben. Vom Hersteller wurde sie jedoch gedrosselt, zum Beispiel von 500 auf 250 Gigabyte, um die Kundschaft zum Kauf eines größeren und dementsprechend natürlich teureren Modells anzuregen. Anleitungen zum Freischalten auf höhere Kapazitäten gibt es in Computerforen im Internet.

Technik mit Ablaufdatum: Ein ökologisches Problem

Die Hersteller elektronischer Geräte und Verpackungsdesigner von Alltagsgegenständen greifen tief in die Trickkiste, um uns täglich zu manipulieren. Das Ergebnis: Wir produzieren mehr Elektroschrott sowie Giftmüll und verbrauchen dabei wertvolle Rohstoffe. Tritt die Obsoleszenz von Produkten immer früher ein, was Analysen des Öko-Instituts bestätigen, stehen wir vor einem Problem. Unser Wohlstand beruht auf Wachstum und Konsum. So überschreiten wir täglich die ökologischen Grenzen unseres Planeten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für angewandte Ökologie forschten in verschiedenen Studien im Auftrag des Umweltbundesamtes in Zusammenarbeit mit diversen wissenschaftlichen Partnerinstitutionen an Strategien, um die Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten zu verlängern. Zentraler Baustein der Ergebnisse ist eine „Mindestanforderung an die Qualität und Haltbarkeit von Produkten sowie ihrer kritischen Bauteile und Komponenten. Damit diese Anforderungen in der Praxis auch geprüft und verglichen werden können, muss zudem die Entwicklung von Messnormen und Standards für Bauteile und Geräte vorangetrieben werden“, so das Öko-Institut.

Defektes Gerät: Neukauf oder reparieren lassen?

Doch woran können sich Verbraucherinnen und Verbraucher orientieren? Aus ökologischer Sicht lohnt es mit wenigen Ausnahmen immer, defekte Haushaltsgeräte reparieren zu lassen und sie so lange wie möglich zu nutzen.

Strategien gegen das vorzeitige Austauschen von Technik ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nur dann erfolgreich sein, wenn Politik, Wirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher gemeinsam aktiv werden.

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