Welt der Wunder

Nicht glauben, sondern wissen

Diverse Studien haben belegt: Wer Geduld hat, kommt auch bei einem Stau am schnellsten ans Ziel.

Foto: Imago / Schoening

So kommen wir bei Verkehrsstau am schnellsten vorwärts

Er scheint sich immer dann zusammenzubrauen, wenn wir es am wenigsten brauchen. Was können wir tun, wenn wir auf einen Stau zusteuern? Verkehrsforscher haben verschiedene Statistiken ausgewertet – mit überraschenden Ergebnissen. Nicht jede der bekannten Strategien, schneller durch einen Stau zu kommen, ist auch effektiv.

Staus können jedem die Fahrt vermiesen. Kaum kommen die nächsten Ferien, wälzen sich die Autoschlangen kilometerweit über die Straßen Richtung Süden. Im Jahr 2023 registrierte der ADAC insgesamt 521.000 Staustunden auf deutschen Straßen. Mal sind es Baustellen, verengte Fahrbahnen oder Unfälle, die den Verkehr nur schleppend vorankommen lassen. Mal sind auch schlicht zu viele Autos zur selben Zeit unterwegs – und in manchen Fällen scheint es nicht einmal einen Grund für das Verkehrschaos zu geben. Doch welche Strategien helfen, um einem Stau möglichst schnell zu entgehen?

Kann man wirklich einem Stau davonfahren?

Fast die Hälfte aller Menschen fährt von der Autobahn ab, wenn sie eine Staumeldung im Radio hört. Doch die Umfahrung lohnt sich nicht: Wer von der Autobahn abfährt und durch nah gelegene Ortschaften zuckelt, braucht deutlich länger, um ans Ziel zu kommen, verraten Statistiken.

Selbst ein Wechsel auf eine andere Autobahn bringt nichts. Auch wenn das Navigationsgerät eine andere Strecke vorschlägt – Studien haben gezeigt, dass stoische Autofahrer, die auf ihre altbewährten Strecke beharren, immer noch am besten vorwärts kommen. Einzige Ausnahme: Auf der Autobahn besteht eine Vollsperrung, die den Verkehr über Stunden lahmlegt.

Die Halbwertszeit von Verkehrsmeldungen ist kurz

Also möglichst oft Verkehrsfunk hören und auf Warnungen achten? Das ist nicht immer schlau: Zahlreiche Meldungen sind bereits veraltet, wenn sie vorgelesen werden. Die bessere Taktik ist: Unerschrocken auf das Stauende zufahren und darauf vertrauen, dass sich der Verkehr bis zum Erreichen wieder beruhigt hat. Solche Zocker kommen – zumindest statistisch gesehen – am schnellsten ans Ziel.

Ruhe bewahren und den Verkehrsfluss nicht behindern

Doch was tun, wenn man in der Blechlawine festsitzt? Auch hier gilt: Wer ungeduldig wird und ständig die Fahrbahn wechselt, kommt nicht schneller vorwärts. Stattdessen macht er den Stau sogar schlimmer: Da dann die nachfolgenden Autos bremsen müssen, verlängert sich das Verkehrschaos wellenartig nach hinten. 

Und auch wer andere nicht einscheren lässt, schadet dem Verkehrsfluss: Nur mit dem Reißverschlussprinzip kommt Bewegung in den Stau. Wer Drängler in die Schranken weisen will oder bei einer Fahrbahnverengung zu früh auf die zusammengeführte Spur wechselt, sorgt für mehr zäh fließenden Verkehr.

Bis sich das Verkehrschaos gelegt hat, hilft deshalb nur: Geduld haben und die Zeit zur Entspannung nutzen. Denn trotz Forschung und modernster Satellitentechnik lassen sich Staus derzeit noch nicht vermeiden.

Hätten Sie’s gewusst? Fünf Fakten zum Stau

  • Der stauträchtigste Tag ist laut ADAC der Mittwoch und nicht etwa der Montag. Über das Jahr betrachtet addieren sich die Staukilometer hier durchschnittlich auf 5900 Kilometer Länge.
  • Der staureichste Monat ist Statistiken zufolge der November. Hier sind am meisten Autos unterwegs, da kaum Arbeitnehmer Urlaub nehmen und noch bis zum Jahresende zahlreiche Projekte fertigstellen müssen.
  • Als staureichste Autobahn in Deutschland galt 2023 die A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe bei Pforzheim. Darauf folgte die berühmt-berüchtigte A3, primär zwischen dem Grenzübergang Passau/Suben und Passau.
  • Der bisher längste Stau ereignete sich 2010 in China auf der Autobahn zwischen Peking und Lhasa. Er dauerte zehn Tage und war ganze 100 km lang.
  • Unser Organismus interpretiert das unfreiwillige Stehen als Bedrohungssituation. Der Stau-Stress kann deshalb auf Dauer krank machen.
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