Welt-Recycling-Tag

Gefahr durch Weltraumschrott – Mammutaufgabe im All

Nicht erst seit „Fridays for Future“ sind Nachhaltigkeit und Umweltverschmutzung Themen, an denen niemand vorbeikommt. Aber wussten Sie, dass der Mensch auch im Weltraum jede Menge „Schrott“ hinterlässt? Über unseren Köpfen ziehen rund 8.500 Tonnen ihre rasend schnelle Bahn. Der Direktor des Planetarium Hamburg, Prof. Thomas W. Kraupe, erklärt gemeinsam mit der Welt der Wunder Redaktion, was es mit den gefährlichen Geschossen auf sich hat und was die internationalen Weltraumorganisationen dafür tun, unsere „außerirdische Umwelt“ zu schützen.

© IRAS:TU_Braunschweig

Von ausgedienten Satelliten bis hin zu Sprengbolzen und Treibstoffresten
Egal ob ausgediente Raketenoberstufen vergangener Missionen oder durch Kollisionen und Explosionen entstandene Bruchstücke: „Selbst die kleinsten Splitterpartikel erreichen eine Geschwindigkeit von mehreren zehntausenden Kilometern pro Stunde und können sich je nach Bahnlage in gefährliche Geschosse verwandeln. Damit stellen sie ein Risiko für wichtige Satelliten dar und bedrohen die Zukunft der Raumfahrt“, sagt Prof. Kraupe. „Bei rund 23.000 größeren Teilen kennen wir die Position. Aber Experten gehen von fast einer Million nicht weniger gefährlichen kleineren Fragmenten aus, die nicht einmal einen Zentimeter messen.”

© ClearSpace

Künftige Müllvermeidung im Kosmos
Internationale Organisation wie die European Space Agency (ESA) arbeiten mit Nachdruck an der Vermeidung weiteren „Weltraumschrotts“ im Umfeld der Erde, aber auch dem unseres Mondes und der anderen Welten unseres Sonnensystems. „Entstanden ist ein ganzer Maßnahmenkatalog, der sowohl die sorgfältige Planung der Missionen als auch die entsprechende Konstruktion von Raketen und Weltraumfahrzeugen sowie deren Energieversorgung ins Visier nimmt“, sagt Prof. Kraupe. „In diesem Zuge werden die Entsorgungslösungen nach Missionsende zwar immer besser, aber es kommt dennoch nach wie vor zu gefährlichen Vorfällen.“ 

© ESA

Gefährliche Kettenreaktion
Aufgrund der schieren Anzahl von Trümmerstücken im All, steigt deren Anzahl selbst dann, wenn kein neuer Schrott durch künftige Missionen dazu käme. Dafür sorgt der sogenannte „Kessler-Effekt“. Denn zufällig stattfindende Kollisionen sorgen für einen kaskadenartigen Zuwachs an weiteren Partikeln.

© ESA

„Kosmische Müllabfuhr“ 
Wohin also mit dem vorhandenen „Weltraumschrott“? Weiter entfernte Bruchstücke könnten mitunter in einen „Friedhofsorbit“ etwa 300 Kilometer oberhalb der geostationären Bahn gebracht werden – was fast nach „kosmischer Müllabfuhr“ klingen mag, aber deutlich komplizierter sein dürfte. „Dem gegenüber sollen zum Beispiel beschädigte Satelliten entweder auf unseren Planeten zurückgebracht oder möglichst kontrolliert in der Erdatmosphäre zum Verglühen gebracht werden“, so Prof. Kraupe weiter. „Dies soll durch die Veränderung der Bahn der Schrottteile, etwa über das direkte Abbremsen mit Hilfe eines Service-Satelliten, ermöglicht werden.“ 
Mit „ClearSpace1“ planen die ESA und das Schweizer Unternehmen ClearSpace SA für 2025 ein entsprechendes Pilotprojekt. Dabei soll eine Sonde mit Greifarmen einen mehr als 100 Kilogramm schweren, funktionsunfähigen Satelliten in die Erdatmosphäre befördern, um dort zu verglühen. Ein Meilenstein für künftige Aktionen.

© ESA

Nachhaltiges Handeln – unsere Verantwortung
„Unsere Herkunft und unsere Zukunft liegt in den Weiten des Kosmos. Wir übersehen oft, wie sehr wir in globale, ja sogar kosmische Netzwerke und Lebenszyklen eingebunden sind. Unsere Verantwortung liegt somit nicht nur beim Schutz unseres unmittelbaren Lebensraums, der Erde, sondern auch unserer ‚außerirdischen Umwelt’ im Rahmen der nachhaltigen Planung und Umsetzung unserer Raumfahrtaktivitäten”, schließt Prof. Kraupe. „In diesem Zusammenhang müssen wir selbstredend auch an Lösungen dafür arbeiten, den von uns verursachten ‚Weltraumschrott‘ bestmöglich zu beseitigen und in Zukunft zu vermeiden.“ 

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