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Wie gefährlich sind SUVs wirklich?

Foto: Envato / wirestock

Wie gefährlich sind SUVs wirklich?

Ein Vater fährt auf einem Campingplatz in Frankreich rückwärts aus seiner Parklücke. Er sieht sein 18 Monate altes Kind nicht, das sich jetzt hinter dem Fahrzeug aufhält. Berichte über solche und ähnliche Unfälle häufen sich in den Medien. Ein Fahrzeugtyp taucht dabei auffällig oft auf: der SUV.

Was ist ein SUV?

Die Abkürzung SUV steht für „Sport Utility Vehicle“. Die Bezeichnung steht für Fahrzeuge mit einer Sitzposition, die deutlich über der von klassischen Pkw liegt. Diese Bauform soll Fahrern eine besonders gute Übersicht im Straßenverkehr bieten.

Die Beliebtheit von SUVs wächst seit Jahren

Mittlerweile gehört in Deutschland fast jeder zweite neu zugelassene Pkw zur Kategorie SUV oder Geländewagen. Mit der Verbreitung dieser Fahrzeugkategorien werden auch die Motorhauben höher: Laut der Mobilitätsorganisation VCÖ lag die durchschnittliche Fronthöhe von Neuwagen in Österreich im Jahr 2024 bei 83 Zentimetern; zehn Jahre zuvor waren es noch 78 Zentimeter. Der Anteil der Neuwagen mit einer Motorhaubenhöhe von mehr als 90 Zentimetern stieg im selben Zeitraum von elf auf 18 Prozent.

Diese Entwicklung betrifft ganz Europa, wie eine Studie der Organisation „Transport & Environment“ zeigt, die sich für einen nachhaltigen Verkehr einsetzt.

SUV-Fahrer sitzen höher, sehen aber weniger – warum?

Eine erhöhte Sitzposition verbessert zwar die Sicht auf den fließenden Verkehr, verschlechtert jedoch die Sicht auf den Nahbereich rund um das Fahrzeug. Gerade dieser Bereich ist beim Umparken, Einparken und Rückwärtsfahren jedoch von entscheidender Bedeutung. Dabei geraten Kinder besonders leicht aus dem Sichtfeld.

Der Touring Club Schweiz (TCS) hat die Rundumsicht verschiedener Fahrzeugklassen gemessen. Ein 50 Zentimeter hohes Hindernis erkennen Fahrerinnen und Fahrer im Kleinwagen Smart Fortwo beim Rückwärtsfahren bereits aus 1,9 Metern Entfernung. Im SUV Ford Edge wird dasselbe Hindernis erst ab einer Entfernung von 12,5 Metern sichtbar.

Beim Parken zeigt sich dasselbe Phänomen. Beim SUV Peugeot 3008 GT bleibt dem Fahrer beim Vorwärtseinparken ein Bereich von 2,7 Metern vor dem Auto verborgen. Im Fall des Mittelklasse-Kombis Škoda Octavia sind es lediglich 92 Zentimeter. Der tote Winkel wächst also mit der Fahrzeughöhe deutlich an.

Zudem trifft ein SUV Kollisionsopfer höher am Körper. Ein niedriges Fahrzeug trifft einen erwachsenen Fußgänger typischerweise am Knie. Ein hohes Fahrzeug trifft denselben Fußgänger am Becken oder am Oberkörper.

Kinder werden bei einem Aufprall mit einem SUV am Kopf getroffen

Der VCÖ verweist auf eine internationale Studie mit rund 300.000 Verkehrsunfällen: Steigt die Fronthöhe von 80 auf 90 Zentimeter, erhöht sich das Todesrisiko für Fußgänger und Radfahrende um 27 Prozent. Die US-Versicherungsforschung IIHS kommt bei einer Fronthöhe ab einem Meter sogar auf ein um 45 Prozent höheres Risiko tödlicher Verletzungen, verglichen mit einer Limousine.

Wie groß ist das Risiko für Kinder generell?

Eine aktuelle Analyse von 26 internationalen Studien gibt darauf eine klare Antwort. Demnach sterben Fußgänger und Radfahrer nach einem Zusammenstoß mit einem SUV oder einem leichten Nutzfahrzeug um 44 Prozent häufiger als nach einem Zusammenstoß mit einem normalen Pkw.

Laut derselben Analyse tragen Kinder ein um 82 Prozent höheres Sterberisiko. Bei Kindern unter zehn Jahren steigt dieser Wert sogar auf 130 Prozent. Die Forschenden berechneten zudem, dass die Zahl getöteter Kinder in Europa um 14 Prozent sinken würde, wenn sämtliche SUVs durch kleinere Fahrzeuge ersetzt würden.

Versagte im vorliegenden Fall der Näherungssensor?

Es wurden keine Informationen dazu veröffentlicht, ob das Fahrzeug, das das 18 Monate alte Kind überfuhr, Näherungssensoren besaß. Ein mögliches Sensorversagen lässt sich in dieser Situation jedoch durch eine Studie aus Japan erklären.

Diese belegt, dass Näherungssensoren Kinder 50 bis 84 Prozent später erkennen als Gegenstände. Dies liegt daran, dass solche Sensoren tief sitzen und nur einen schmalen Bereich abdecken. Zudem näherten sich laut dem Bericht mehrere Kinder erst dem Auto, nachdem der Vater begonnen hatte, das Fahrzeug umzuparken.

Was können Hersteller und Gesetzgeber ändern?

Die Fronthöhe vieler Neuwagen wächst dennoch weiter, während sich der Fußgängerschutz nur schrittweise verbessert. Unter anderem die European Federation for Transport and Environment fordern von der EU-Kommission eine gesetzliche Obergrenze für die Höhe von Motorhauben.

Was können Sie beim Kauf eines SUVs beachten?

Prüfen Sie, wie gut Ihr Wunschmodell bei den Euro-NCAP-Tests zum Fußgängerschutz abschneidet. Diese Werte variieren je nach Modell erheblich. Relevant sind dabei unter anderem die Höhe und Form der Fahrzeugfront, energieabsorbierende Materialien an Motorhaube und Stoßstange sowie aktive Systeme wie automatische Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung.

Definitionen und Begriffserklärungen

SUV

Ein SUV ist ein Fahrzeug mit hoher Bodenfreiheit, erhöhter Sitzposition und meist massiver Karosserie. Die Bezeichnung steht für „Sport Utility Vehicle“.

Toter Winkel

Der tote Winkel bezeichnet den Bereich rund um ein Fahrzeug, den der Fahrer weder direkt noch über die Spiegel einsehen kann. Bei hohen Fahrzeugen fällt dieser Bereich besonders groß aus.

Frontover-Unfall

Ein Frontover-Unfall entsteht, wenn ein Fahrer beim Vorwärtsfahren ein Kind übersieht, das sich unmittelbar vor dem Fahrzeug aufhält. Der Begriff wird oft gemeinsam mit dem Ausdruck „Backover“ für die entsprechende Situation beim Rückwärtsfahren genannt.

Häufig gestellte Fragen zu den Gefahren von SUVs für Fußgänger

Sind alle SUVs gleich gefährlich?

Die Sicherheitswerte unterscheiden sich je nach Modell stark voneinander. In Sicherheitstests schneiden Fahrzeuge mit abgerundeter Front und aktiven Assistenzsystemen deutlich besser ab als Modelle mit senkrechtem Kühlergrill.

Hilft eine Rückfahrkamera gegen den toten Winkel?

Eine Rückfahrkamera verringert den toten Winkel hinter dem Fahrzeug deutlich und macht kleine Hindernisse sichtbar, die im Spiegel nicht zu erkennen sind. Sie setzt jedoch weiterhin Aufmerksamkeit beim Anfahren voraus.

Warum sind SUVs dennoch so beliebt?

Befürworter von SUVs schätzen die erhöhte Sitzposition, das Platzangebot und das subjektive Sicherheitsgefühl. Zudem bewerben Autohersteller SUVs momentan stark.

Gibt es gesetzliche Vorgaben zur maximalen Höhe von Motorhauben?

In der EU existiert aktuell keine verbindliche Obergrenze. Einige Verkehrsorganisationen fordern deshalb eine solche Regelung von der EU-Kommission.

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