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Umweltschädliches Pflanzenfett

Palmöl: Rohstoff aus Pflanzenfett schadet der Umwelt und dem Klima

Die andere Ölkrise: Das Problem mit Palmöl

Luftaufnahme zeigt die Weiten einer Palmöl-Plantage sowie gerodete Urwaldfläche im Hintergrund .

Palmöl, Palmkernöl und Palmschrot umgeben uns: Beinahe jedes zweite Supermarktprodukt enthält das Pflanzenöl. Der wichtige Rohstoff ist jedoch sehr umstritten: Für Ölpalmen-Plantagen wird Regenwald abgeholzt. Außerdem soll das Pflanzenfett ungesund sein.

Luftaufnahme zeigt die Weiten einer Palmöl-Plantage sowie gerodete Urwaldfläche im Hintergrund .
twenty20Photos / Envato

Die Nachfrage für Palmöl nimmt zu: Urwälder weichen Ölpalmen-Plantagen, um den weltweiten Bedarf an dem Rohstoff bedienen zu können. Symbolfoto

Bestanteile der Ölpalme gestalten unsere Umwelt. Wer einmal darauf achtet, entdeckt es überall: In Lebensmitteln und Kosmetika wie Duschgel steckt Palmöl oder Palmkern-Öl. Das gilt auch für Reinigungsmittel oder den Biokraftstoff fürs Auto: Der Rohstoff aus der Ölpalme bringt für unterschiedliche Industriezweige hervorragende Eigenschaften mit. Außerdem ist er günstig.

Das Geschäft mit Palmöl in Zahlen

Nach Angaben des Datenanalysten Statista wurden 347.380 Tonnen Palmöl im Jahr 2020 nach Deutschland importiert. Die Statistiken zu Palmöl zeigen außerdem diese Zahlen:

Damit würde der Inselstaat im indischen Ozean zum globalen Hauptproduzenten des Rohstoffs. Ende April 2022 verkündete die Regierung in Jakarta aber ein Ausfuhrverbot für gebleichte und raffinierte Palmöl-Produkte. Das entspricht etwa der Hälfte des Exports – eine Menge, die sich durch andere Produktionsländer wie Malaysia nicht kompensieren lässt.

Palmöl: Pflanzenöl mit schlechter Umweltbilanz

Die Rohstoffe aus der Ölpalme sind begehrt und stehen dennoch massiv in der Kritik. Regenwälder werden für den Anbau abgeholzt und gerodet. Die naturgewachsenen Jahrhunderte alten Ökosysteme sind essenziell im Kampf gegen die Klimakatastrophe. Neben der CO₂-Kompensation sind Urwälder ein wichtiger Lebensraum für indigene Völkergruppen sowie für seltene und bedrohte Tierarten. Insbesondere der Orang-Utan, Elefanten und Tiger sind durch die Vernichtung ihrer Lebensräume stark gefährdet.

Die Insel Borneo teilen sich die Staaten Indonesien, Malaysia und Brunai. Dort wachsen mit den Gebieten auf Sumatra die größten Regenwälder Südostasiens. Die Umweltstiftung WWF (World Wide Fond For Nature) gibt an, dass auf der drittgrößten Insel der Welt 222 Säugetier-, 622 Vogel-, 400 Amphibien- und 394 Fischarten beheimatet sind. Durch die Rodung für Palmölplantagen verlieren die Tiere an Land ihren Lebensraum. Außerdem leiden indigene Völker unter dem Verlust ihrer Lebensumwelt, der Verschmutzung von Böden und Trinkwasser. Entstehen Flächen für den Anbau durch Brandrodung, wird klimaschädliches CO₂ zusätzlich freigesetzt.

Die Umweltbilanz von Palmöl verschlechtert sich weiter nach der Ernte. Verarbeitungsschritte und Transporte verursachen weitere Klimaschäden. Hinzu kommen gesundheitsgefährdende Substanzen, die beim Raffinieren entstehen: Der Fettschadstoff 3-MCPD-Fettsäureester (3-MCPD) steht laut Verbrauchzentrale im Verdacht, krebserregend zu sein.

Pflanzenöle: Zusätzliche Verknappung?

Der Export-Stopp von indonesischem Palmöl wird die Umweltbilanz des Rohstoffes nicht verbessern. Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein. Wie das ARD-Studio aus Singapur berichtet, befürchten Ölbauern eine Pleite. Die Mengen für den globalen Markt sind bereits angebaut und teilweise geerntet. Rohes Palmöl kann aber nicht allzu lange gelagert werden. Bleiben die Abnahmen durch andere Länder aus, müssen große Mengen ungenutzt entsorgt werden. Außerdem fehlen den Produzenten die Einnahmen. Es wird befürchtet, dass sich der Wegfall der Export-Einnahmen negativ auf die Wirtschaft des Landes auswirkt.

Weil die Nachfrage nach dem Rohstoff weltweit groß ist, exportierten Palmölproduzenten in Indonesien immer größere Mengen. Damit stiegen auch die Preise in Indonesien selbst, denn es gab vor Ort vergleichsweise nur noch wenig Öl. Die Bevölkerung ging Ende April 2022 vermehrt auf die Straße, um gegen die steigenden Lebensmittelpreise zu protestieren – mit Erfolg. Der Export wurde von der Regierung stark eingeschränkt. Es gibt Zweifel, dass diese Maßnahme die Versorgung langfristig verbessert.

Palmöl ist schlecht: nur die halbe Wahrheit

Palmöl durch andere Pflanzenöle wie Olive, Kokos, Sonnenblume oder Soja zu ersetzen, ist keine langfristige Lösung. Im Vergleich beansprucht die Ölpalme am wenigsten Platz für den höchsten Ertrag. Vergleichbare Mengen von anderen Pflanzenölen anzubauen, würde also noch mehr Platz benötigen und die Probleme zunächst nur verlagern und langfristig vermutlich verschlimmern. Die Ursache des Problems ist der hohe Verbrauch einer Ressource, die nur in bestimmten Klimazonen wächst. Es sind dieselben Gebiete, in denen einzigartige Urwälder existieren.

Das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) setzt sich aus 51 Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Verbänden und Ministerien in Deutschland zusammen. Sie nennen als gemeinsames Ziel, den Anteil von nachhaltig gewonnenem Palmöl in den Märkten von Deutschland, Österreich und der Schweiz entscheidend zu erhöhen. Außerdem wollen sie Standards und Zertifizierungen verbessern.

Der WWF sieht darin nur einen Teil der Lösung: Neben dem Anbau von Palmöl muss sich auch der Konsum nachhaltiger gestalten. Durch bewussten Einkauf und weniger Fertigprodukte können Konsumenten einen Beitrag leisten.