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IPCC-Klimabericht 2022:

Klimabericht 2022: Weltklimarat IPCC warnt vor Umweltkatastrophen

Zu wenig Erde für zu viele Menschen

Die vertrocknete Wüste zeigt, wohin die Klimakatastrophe und Umweltzerstörung laut IPCC Klimabericht in vielen Teilen der Erden führen wird.

Der Weltklimarat veröffentlichte Ende Februar 2022 einen Bericht zur Klimakatastrophe: Die Umweltzerstörung schreitet voran – der Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen verringert sich.

Die vertrocknete Wüste zeigt, wohin die Klimakatastrophe und Umweltzerstörung laut IPCC Klimabericht in vielen Teilen der Erden führen wird.
twenty20photos / Envato

Der Weltklimarat IPCC warnt in seinem Bericht erneut und eindringlich vor den Folgen der globalen Erwärmung.

Die Klimakatastrophe ist jetzt. Worauf die Fridays for Future-Bewegung seit 2016 durch Proteste aufmerksam macht, haben führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erneut bestätigt. Der Weltklimarat, offiziell IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), ist eine Institution der Vereinten Nationen (UN). Das Gremium trägt regelmäßig die aktuellen Erkenntnisse zur Klimaforschung zusammen, wertet diese aus und fasst sie zusammen. Die Berichte sollen die Politik darin unterstützen, ihre Entscheidungen mit wissenschaftsbasierten Erkenntnissen abzuwägen. Allerdings enthalten sie keine Handlungsempfehlungen, sondern bilden lediglich die Sachverhalte ab und zeigen verschiedene Szenarien. 

Klimabericht 2022: IPCC warnt vor Untätigkeit

Ob das 1,5 Grad-Celsius-Ziel noch erreicht wird, darf angesichts des jüngsten Berichts des Weltklimarats bezweifelt werden. „Dieser Bericht ist eine eindringliche Warnung vor den Folgen der Untätigkeit“, sagte Hoesung Lee, Vorsitzender des IPCC. „Er zeigt, dass der Klimawandel eine ernsthafte und zunehmende Bedrohung für unser Wohlergehen und einen gesunden Planeten darstellt. Unser heutiges Handeln wird prägen, wie sich Menschen anpassen und die Natur auf zunehmende Klimarisiken reagiert.“

Im Jahr 2015 einigten sich 196 Staaten im Pariser Klimaabkommen darauf, die globale Erwärmung zu stoppen. Bis zum Jahr 2050 darf die Temperatur der Erde nicht um mehr als 1,5 Grad C steigen. 189 Staaten – darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz – haben das Abkommen rechtskräftig bestätigt. Mit welchen Maßnahmen zu dem gemeinsamen Ziel beigetragen wird, blieb den einzelnen Staaten selbst überlassen.

Extreme Naturereignisse werden zunehmen

Sieben Jahre nach Paris scheint das gemeinsame Ziel in weite Ferner gerückt. Die Bemühungen reichen nicht aus, die Emissionen sind deutlich zu hoch. „Wir haben wider besseren Wissens viel Zeit verloren, unsere klimaschädlichen Emissionen auf Netto Null zu reduzieren. Wir werden das 1,5-Grad-Ziel reißen – und das hat schwerwiegende Folgen für Ökosysteme und Gesellschaften. Nicht in 10, 50 oder 100 Jahren, sondern bereits heute.“, sagt Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zu den Ergebnissen des Berichts. Die extremen Naturereignisse der jüngsten Vergangenheit sind die ersten Konsequenzen der globalen Erwärmung. Über das Ausmaß künftiger Katastrophen informiert der Bericht des Weltklimarats.

Immer mehr Wetterextreme werden gleichzeitig auftreten: Dürren, Hitzewellen und Brände einerseits, Fluten und Überschwemmungen andererseits. Die Toleranzschwelle für einige Tiere und Pflanzen wird dadurch überschritten, das Artensterben nimmt weiter zu. Das wird weitere Bäume und Korallen treffen, wodurch wichtige Ökosysteme zerstört werden. Das Ungleichgewicht bringt weitere Extreme hervor, die ein weiteres Sterben verursachen, das weiteren Lebensraum zerstört.

Klimakatastrophe: Zu wenig Erde für zu viele Menschen

Dieser abstrakte Kreislauf bedeutet konkret: Millionen Menschen fehlt dann die Lebensgrundlage in ihren Heimatländern. Laut IPCC werden insbesondere Länder in Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sowie kleinere Inseln und die Arktis von akuter Ernährungs- und Wasserunsicherheit betroffen sein. Viele Menschen werden aufgrund dessen aus ihrer Heimat flüchten – in Länder, denen die globale Erwärmung dann noch nicht so zugesetzt haben wird. Es bleibt aufgrund der globalen Erwärmung zu wenig Erde für zu viele Menschen.

Neben Maßnahmen, die globale Erwärmung aufzuhalten, braucht es daher Pläne, wie wir in dieser veränderten Umwelt überleben und leben können. Dazu stellt der Bericht fest, dass es zunehmende Lücken zwischen notwendigen und tatsächlichen Handlungen gibt. Bei Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen seien die Lücken am größten. „Dieser Bericht erkennt die wechselseitige Abhängigkeit von Klima, Biodiversität und Menschen an. Er integriert Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften stärker als frühere IPCC-Bewertungen“, sagte der Vorsitzende des Weltklimarates Hoesung Lee. „Sie betont die Dringlichkeit sofortiger und ehrgeizigerer Maßnahmen zur Bekämpfung von Klimarisiken. Halbe Sachen sind keine Option mehr.“

Der IPCC zeigt in seinem Bericht auch das hohe Potenzial der Natur im Kampf gegen die Erderwärmung. Gesunde Ökosysteme versorgen die Umwelt mit Wasser und Nahrung. Sie sind zudem widerstandsfähiger und können sich Veränderungen besser anpassen. Klimaforscher und Co-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe II Hans-Otto Pörtner erklärt dazu: „Durch die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und die effektive und gerechte Erhaltung von 30 bis 50 Prozent der Land-, Süßwasser- und Meereslebensräume der Erde, kann die Gesellschaft von der Fähigkeit der Natur profitieren, Kohlenstoff zu absorbieren und zu speichern. Wir können den Fortschritt hin zu einer nachhaltigen Entwicklung beschleunigen. Dafür sind angemessene Finanzen und Politik Unterstützung unerlässlich.“

Es ist demnach höchste Zeit, zu handeln. Politik und Wirtschaft weltweit müssen umdenken, damit jede Entscheidung und jedes Handeln dem Klimaziel, dem Umweltschutz und damit auch dem eigenen Fortbestehen zugutekommen. Gleichzeitig müssen sich besonders gefährdete Regionen auf neue Umstände einstellen.

Umweltschutz beginnt bei Konsumenten

Auf ein Umdenken zu hoffen, reicht aber nicht aus. Wenn jede und jeder einzelne beginnt, den Lebensstil umweltverträglicher zu gestalten, kann ebenfalls viel erreicht werden. Kaufentscheidungen für oder gegen bestimmte Produkte und Hersteller signalisieren, auf welche Werte es der Gesellschaft ankommt. Einkauf-Apps wie Codecheck beispielsweise klären über die Umweltaspekte zahlreicher Produkte auf. Saisonale und regionale Lebensmittel sind weniger schädlich für das Klima als weitgereiste Spezialitäten.

Begonnen beim Fleischkonsum und dem Tierwohl über Flugreisen bis hin zur Energie: Wer sein Lebensstil nach und nach überdenkt und hinterfragt, findet immer mehr Aspekte. Wichtig ist: Anfangen und weitermachen.

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