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Das Fliegen und die Digitalisierung: der automatisierte Flughafen

Entspannter abheben dank Digitalisierung

Digitalisierung: der automatisierte Flughafen

Millionen Fluggäste sind genervt! Der Personalmangel an Flughäfen ärgert jeden Reisenden! Eine gute Gelegenheit, jetzt über die Digitalisierung nachzudenken, denn gerade an Flughäfen könnte sich noch mehr Automatisierung wirklich lohnen.

Von Katrin Zieren

Digitalisierung: der automatisierte Flughafen
Chalabala | Envato Elements

Auch auf Flughäfen kann die Digitalisierung zähe und mühsame Prozesse optimieren.

Hilfe, die Digitalisierung kommt!

Die Sorge war groß, als im Sommer 2019 verkündet wurde, dass am Flughafen Zürich 20 Self-Service-Gepäckautomaten installiert werden sollen. Was wird aus den Arbeitsplätzen, die wegfallen? Wird die Digitalisierung noch mehr Jobs kosten? 16 bemannte Check-In-Schalter sollten durch die neuen Automaten ersetzt werden. Der Flughafen-Sprecher konnte damals beruhigen, denn auch die neuen Gepäckautomaten würden nicht gänzlich ohne Personal auskommen können.

Heute, drei Jahre später, wünschen sich Flughafenbetreiber und Passagiere wahrscheinlich nichts mehr, als einen vollständig digitalisierten Airport. Wie soll man dem neuen Passagieraufkommen nach Corona noch Herr werden? Viele Mitarbeiter sind während der Pandemie entlassen worden und sind inzwischen einfach anderswo untergekommen, denn an vergleichbar guten Jobs mangelt es derzeit nirgendwo. An welchen Punkten der Flugreise ist der Passagier eigentlich noch vom Personal abhängig? Wie könnte man das in Zukunft optimieren?

Flughäfen könnten ungemein von mehr Digitalisierung profitieren

Vieles ist am Flughafen bereits digitalisiert. Neben dem Gepäck kann der Passagier auch sich selbst per Automat am Flughafen oder online von zu Hause einchecken. Beim Einsteigen scannt eine Maschine die Bordkarte und bei der Passkontrolle vergleicht eine künstliche Intelligenz Passbild mit Passagier.

Die Digitalisierung bringt den Flughäfen Zeit- und Geldersparnis und den Fluggästen weniger Wartezeit. Doch trotz bereits existierender digitaler Hilfsmittel gehen Flughäfen während der jetzigen Ferienzeit in die Knie. Dabei gibt es viele neue digitale Lösungen, allerdings nur mal hier und mal da.

Wie könnte man sich also den Flughafen von morgen vorstellen?

Mit der Parkplatzsuche beginnt der Reisestress

Auf den Namen Ray hört zum Beispiel ein vollautomatischer Parkroboter, der bereits seit 2014 am Düsseldorfer Flughafen im Einsatz ist.

Autofahrer lassen ihren Wagen auf einem Stellplatz am Parkhauseingang stehen. Dort übernimmt Ray. Er vermisst zunächst das Fahrzeug, hebt dann den Wagen wie ein Gabelstapler an und fährt ihn zum nächsten freien Stellplatz. Der Vorteil: Ray ist unglaublich wendig und kann sich auf der Stelle drehen. Er braucht deshalb viel weniger Platz zum Rangieren und schafft es, rund 40 Prozent mehr Autos in einem Parkhaus unterzubringen. Selbstverständlich ist Ray mit den Flugplänen vernetzt und schafft das Auto pünktlich wieder an einen zentralen Abholplatz. Man kann übrigens bestehende Parkhäuser mit Ray nachrüsten.

Digitalisierung: der automatisierte Flughafen und der Parkroboter Ray
Flughafen Düsseldorf

Der vollautomatische Parkroboter Ray eliminiert eine der größten Stressquellen vor dem Flug.

Der Check-in-Alptraum

Zum ersten Mal bekommt die Urlaubslaune einen Dämpfer, wenn man den Check-In-Schalter gefunden hat und feststellt, dass sich hunderte von Menschen zwischen den Absperrbändern mäandernd in Zentimeterschritten zum Schalter schieben.

An Flughäfen wie München oder Frankfurt gibt es jedoch schon Self-Bag-Drop-Automaten der Lufthansa. Auch das Gepäck selbst wird immer intelligenter. In einer Kooperation zwischen der Lufthansa und dem Gepäckhersteller Rimowa ersetzt ein kleines Display auf dem Koffer das Gepäck-Klebeband und kann mittels App mit den Gepäckdaten versehen werden. Eingecheckt wird vollständig ohne Bodenpersonal. Wenn jetzt auch noch die Koffer selbständig ihren Besitzern wie ein Hund auf Schritt und Tritt folgen, wird auch der Kofferwagen überflüssig.

Digitalisierung: der automatisierte Flughafen und smarte Koffer von Rimowa
Rimowa

Smarte Koffer erleichtern den Check-in erheblich.

„Elektronische Geräte und Flüssigkeiten bitte auspacken!“

Die nächste Hürde für den Passagier ist die Security. Insbesondere Reisende, die es wirklich eilig haben, kommen hier ins Schwitzen. Man ist gerade gescannt und abgetastet worden und plötzlich heißt es: „Bitte ziehen Sie die Schuhe aus!“ Nachdem schon die Hose mangels Gürtel rutscht, abgelegte Schmuckstücke und Accessoires das Styling ruiniert haben und man kaum noch weiß, auf wie viele Schalen man all sein Handgepäck verteilt hat, ist dies der Moment, an dem die Laune an den Tiefpunkt gerät.

Sollte sich Metall im Schuh befinden, ist dieser Check zwar notwendig, aber er führt dazu, dass viele Menschen den Security-Check zweimal durchlaufen müssen.

Am Flughafen Genf haben die Betreiber hierfür einen Scanner-Teppich entwickelt, der einem schon vorher sagt, ob man die Schuhe auf das Band legen sollte oder nicht. Schon wieder eine Menge Zeit gespart!

Digitalisierung: der automatisierte Flughafen und der praktische Scanner-Teppich in Genf
Flughafen Genf

Entspannte Security-Checks dank Scanner-Teppich.

Der tiefe Blick in die Augen

Die Passkontrolle ist ein mulmiger Moment jeder Reise. Tief und ernst schaut einem der Beamte der Zollbehörde in die Augen, während irgendwelche Daten auf seinem Bildschirm erscheinen und ganz automatisch fühlt man sich irgendwie schuldig und ertappt. Hat man nach erfolgreicher Kontrolle seinen Pass wieder sicher verstaut, braucht man ihn plötzlich noch mal an der Kasse des Duty-Free-Shops und meistens auch noch mal beim Einsteigen ins Flugzeug.

Abhilfe kann hier die sogenannte Single-Biometric-Token-Technologie schaffen. An einem Automaten gibt man alle wichtigen Daten ein, scannt die notwendigen Dokumente wie Pass und Bordkarte und unterzieht sich selbst ebenso einem Gesichtsscan. Passen alle Daten zusammen, wird ein einmaliges, digitales Reisedokument erstellt, welches weitere Kontrollen überflüssig macht.

Getestet wird diese Methode übrigens schon am Flughafen von Brisbane.

Digitalisierung: der automatisierte Flughafen und der praktische Scanner-Teppich in Genf
thananit_s | Envato

Ein Gesichtsscan könnte problemlos eine Passkontrolle ersetzen.

Ein Blick in die Zukunft

Was ist also nötig, damit sich Passagiere wieder sicher sein können, dass sie verlässlich und pünktlich ihren Zielort erreichen? Natürlich müssen Flughäfen und Fluggesellschaften unbedingt mehr Personal einstellen. Aber auch in die Digitalisierung muss weiter investiert werden, um noch mehr Abläufe automatisiert, schneller und unabhängig vom Menschen durchführen zu können.

Die Flughäfen werden noch mehr Check-In-Automaten für Mensch und Gepäck zur Verfügung stellen müssen. Vielleicht wird das Gepäck in ein paar Jahren aber auch vor der Reise von einem fahrenden Roboter zu Hause abgeholt und kann so besser planbar und von noch effektiveren Gepäck-Beförderungssystemen noch schneller zum Flugzeug gebracht werden. Roboter könnten auch die Packer beim Be- und Entladen entlasten. Die Bildanalyse-Systeme werden sicherer und verlässlicher werden, so dass die Sicherheits- und Passkontrolle schneller passiert werden können.

Revolution der Arbeitswelt

So wie das Fließband vor knapp 200 Jahren die Produktion revolutioniert hat, revolutioniert die Digitalisierung seit einigen Jahren Arbeitswelt und Alltag. Interessant daran ist, dass diese frühe Ära der Automatisierung nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen geführt hat, genau das Gegenteil war der Fall.

Plötzlich wurden Herstellungsprozesse möglich, die vorher undenkbar waren. Immer mehr Menschen wurden in den neu entstehenden Industrien gebraucht.

Auch die Digitalisierung wird zähe und mühsame Prozesse optimieren und wahrscheinlich ganz neue Arbeitswelten erschaffen.

Der Flughafen scheint eine optimale Spielwiese dafür zu sein, denn hier kommen unterschiedliche Lösungen und Ansätze an einem Ort zusammen und greifen ineinander.

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