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Alternativen zur Globalisierung

Globalisierung: Birnen in Argentinien angebaut, in Thailand abgepackt

Globalisieren wir uns um Kopf und Kragen?

Globalisierung: Birnen in Argentinien angebaut, in Thailand abgepackt

Seit einigen Jahren kursiert im Internet ein Meme, welches die absurden Auswüchse der Globalisierung in einer – wie für ein Meme üblich – den Kern der Sache treffenden Essenz anschaulich macht.

Von Felix Geiser
Globalisierung: Birnen in Argentinien angebaut, in Thailand abgepackt

Der Deglobalisierungsansatz stellt die Nachhaltigkeit kapitalistischen Wirtschaften infrage.

Der problematische Aspekt der Umweltgefährdung wird hier sehr treffend zusammenfasst: Zu sehen ist eine Plastikverpackung, die geschälte und mundgerecht geschnittene Birnenstücke enthält. Auf der Packung ist Folgendes aufgedruckt: „Birnen in Argentinien angebaut, in Thailand abgepackt“.

Globalisierung: Birnen in Argentinien angebaut, in Thailand abgepackt, das Meme über Globalisierung

Das beliebte Meme, das auf die absurden Auswüchse der Globalisierung hinweist

Spätestens die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie fragil und anfällig unsere global aufgestellten Lieferketten und Produktionsprozesse sind. Kommt es in einem Land wie China zu einem Ausfall (beispielsweise durch einen landesweiten Lockdown), kann dies zur Folge haben, dass es schlagartig in vielen Teilen der Welt an Bausteinen für alle möglichen anderen Produkte mangelt, oder schlimmer noch, dass es zu Engpässen mit der Versorgung an Medikamenten und anderen lebenswichtigen Gebrauchsgütern kommt.

Was muss sich ändern?

Der Prozess hin zu einer globalisierten Welt hat sich über die letzten Jahrzehnte erstreckt und lässt sich nicht einfach und schnell verändern oder gar rückgängig machen. Aber eine derartige Spezialisierung und Konzentration einerseits und eine derart komplexe globale Vernetzung in quasi allen Bereichen der heutigen Produktionsprozesse sollte unbedingt überdacht und auf den Prüfstand gestellt werden.

Zudem spielt die große Umweltbelastung durch exponentiell gestiegene Transportaktivitäten eine entscheidende Rolle. Die Herausforderung ist es, einen produktiven und sinnvollen Kompromiss aus den Vor- und Nachteilen des Freihandels zu schaffen, der nicht derart desaströse Folgen für das Ökosystem hat, wie das momentan herrschende System.

Wohlstand für einige, Elend für viele

Die Globalisierung hat vor allem den Ländern des globalen Nordens eine ungeheure Steigerung des Lebensstandards ermöglicht. Doch auch einige Länder und Regionen in Asien und Lateinamerika profitierten von den plötzlich riesig gewordenen Absatzmärkten.

Doch neben dem wirtschaftlichen Wachstum in einigen Regionen hat die Globalisierung an anderer Stelle auch weitreichende und verheerende Konsequenzen. Nicht zuletzt deshalb wird die Globalisierung immer wieder kritisiert. Diese Kritik kommt häufig aus dem linken politischen Spektrum, doch auch von Rechts gibt es immer wieder Kritik. Donald Trumps verzerrter Protektionismus und der englische Brexit sind nur zwei der prominentesten Symptome dessen.

Die Wachstumsgeschwindigkeit des weltweiten Warenhandels hat sich etwas beruhigt, dafür gibt es immer noch eine hohe (oder gar zunehmende) Dynamik im Bereich der Dienstleistungen. Die sogenannte Neue Globalisierung bedarf derweil nicht mehr unbedingt freier Grenzen, denn sie spielt sich größtenteils im digitalen Raum ab. Über das Internet werden enorme Mengen an Daten und Dienstleistungen ausgetauscht.

Während das umweltfreundlicher als der energieintensive Warentransport ist (wobei die Datenübertragung auch immer größere Energiemengen benötigt), birgt auch die digitale Globalisierung das Potenzial, Märkte oder ganze Berufsfelder in einzelnen Ländern zu kompromittieren, allein schon dadurch, dass Unternehmen anderswo nur deutlich geringere Löhne zahlen müssen.

Globalisierung: Birnen in Argentinien angebaut, in Thailand abgepackt, Größere Schere zwischen Arm und Reich durch Globalisierung?
Artikhun | Pixabay

Der Globalisierung wird häufig zugeschrieben, die Schere zwischen Arm und Reich zu fördern.

Alternativen zur Globalisierung

Seit es das Internet gibt, scheint die Globalisierung – oder eben zumindest jene der Daten –, ohnehin nicht mehr wegzudenken zu sein. Dennoch gibt es viele Initiativen, Politiker und prominente Wissenschaftler, die Alternativen zur Globalisierung bis hin zu einer Abkehr fordern. Beispiele sind etwa die Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Vindana Shiva, oder der jüngst verstorbene Star-Anthropologe David Graeber.

Im deutschsprachigen Raum ist vor allem der Ökonom Niko Paech zu nennen, der das wachstumskritische Konzept der Postwachstumsökonomie geprägt hat. Laut Paech sind die Konsequenzen der globalisierten Wirtschaftsdoktrin deshalb so folgenschwer, „weil sich die sozialen und ökologischen Wirkungen ökonomischer Handlungen nicht mehr kontrollieren lassen“. Die extreme Ausformung der Arbeitsteilung in einer globalisierten Welt führt das Phänomen der Entfremdung von der eigenen Arbeit ad absurdum.

Aus diesen verschiedenen Kritiken haben sich zwei Hauptströmungen entwickelt. 

Global Governance

Der Global-Governance-Ansatz geht davon aus, dass globale Probleme stets auch globaler Lösungen bedürfen. Deshalb sieht er internationale Organisationen, Richtlinien und Regime als zentrale Akteure für eine nachhaltigere Gestaltung des weltweiten Wirtschaftens an. Im Prinzip gibt es allerdings schon heute ein System der Global Governance. Organisationen wie etwa die Weltbank, der Internationale Währungsfonds oder die United Nations sind Akteure dieses Modells.

Kritiker bemängeln allerdings, dass dieses System uns ja bereits an den Punkt gebracht hat, wo wir uns nun befinden, der ja Teil der ganzen Misere ist. Innerhalb dieses Ansatzes gibt es viele verschiedene Strömungen, die Maßnahmen unterschiedlicher Intensität fordern. Beispielsweise gibt es die Gruppe von Lissabon, welche die Verantwortung für die Lösung der dringendsten globalen Probleme bei der Elite sieht, also bei den entwickeltsten und mächtigsten Ländern. Selbstverständlich ist das schon beinahe zynisch, wenn man bedenkt, dass es größtenteils jene Staaten sind, die sich für den Status quo und seine charakteristischen Probleme verantwortlich zeichnen.

Deglobalisierung – ein realistischer Ansatz?

Weitaus radikaler als der Global-Governance-Ansatz sind Forderungen nach einer Deglobalisierung. Diese fußen auf der Grundannahme, dass die Globalisierung langfristig nicht zu einem nachhaltigen Gleichgewicht finden kann und deshalb komplett abgeschafft werden muss. Dieser Ansatz weist zudem darauf hin, dass momentan viele versteckte Kosten nicht in die Berechnung von Kalkulationen über die Effizienz bestimmter Produktionsstandorte einbezogen werden.

Die Konsequenz daraus ist, dass negative Begleiterscheinungen wie Umwelt- oder Gesundheitsschäden nicht in das Handeln von international agierenden Konzernen einbezogen werden. Die Effizienz, nach welcher derzeit alles wirtschaftliches Handeln ausgerichtet wird, entpuppt sich damit als eine ziemlich relative Größe. Denn ein Verhalten, das lediglich in einem Bereich effizient ist, kann anderswo katastrophale Folgen haben. 

Der Deglobalisierungsansatz stellt die Nachhaltigkeit kapitalistischen Wirtschaften als solches infrage und fordert nichts weniger als eine Abkehr vom bisherigen Streben nach maximalem Profit. In den Vordergrund sollen sinnige und ökologisch wertvolle wirtschaftliche Binnenbeziehungen treten. Eine globale Verschränkung von Produktionsprozessen soll vermieden werden, sofern sie nicht unbedingt notwendig ist.

Wie realistisch ist eine solche Abkehr von der Globalisierung, wie wir sie kennen? Es gibt Stimmen, die behaupten, nicht weniger als der Fortbestand der menschlichen Spezies hinge davon ab. Wie bereits erwähnt, ist eine Welt ohne die Vernetzung durch das Internet kaum mehr denkbar.

Zwar versuchen hier und da Autokraten das Internet und damit den globalen Austausch zu beschränken, jedoch stets mit mäßigem Erfolg. Von daher muss die Frage vielleicht eher lauten, ob es möglich ist, die Vorteile der informationstechnischen globalen Vernetzung beizubehalten, während toxische und umweltschädliche Wirtschaftspraktiken aufgegeben und Binnenökonomien gestärkt werden.

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