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Wie funktionieren faltbare Smartphones?

Foto: Envato / lenade

Wie funktionieren faltbare Smartphones?

Ein Bildschirm, der sich in der Mitte falten lässt, ohne zu brechen – wie soll das funktionieren? Apple hat nach jahrelangen Gerüchten sein erstes faltbares iPhone vorgestellt. Der Technikriese hat und damit gezeigt, wie weit die Technik bereits fortgeschritten ist, aber auch, wo sie noch immer an ihre Grenzen stößt.

Ein faltbarer Bildschirm – wie soll das funktionieren?

Die ersten faltbaren Smartphones kamen im Jahr 2019 auf den Markt. Sie galten eher als technische Experimente, die im täglichen Gebrauch sichtbare Schwächen aufwiesen. Die Displays zeigten sichtbare Knickstellen, die Scharniere wirkten grob und die Geräte waren deutlich dicker als klassische Smartphones. Seither haben Hersteller wie Samsung, Huawei und Honor die Foldable-Technik über mehrere Gerätegenerationen hinweg verbessert und verfeinert.

Dieser technologische Fortschritt wurde durch zwei Entwicklungen ermöglicht: ultradünnes Glas als Ersatz für reine Kunststofffolien und ausgereiftere Scharniersysteme aus Metalllegierungen. Laut dem Glashersteller Schott lässt sich ultradünnes Glas mit einem Biegeradius von unter einem Millimeter fertigen, ohne dass es an Festigkeit verliert. Dadurch erscheint ein modernes Faltdisplay deutlich näher an der Nutzererfahrung eines herkömmlichen Bildschirms als frühere Foldable-Modelle.

Welche Bauteile stecken in einem faltbaren Display?

Ein faltbares Display besteht aus mehreren Schichten, von denen jede eine bestimmte Aufgabe übernimmt. Im Zentrum befindet sich ein flexibles OLED-Panel auf einem Kunststoffträger, das Licht direkt aus organischen Leuchtdioden erzeugt. Darüber liegt eine Schutzschicht aus ultradünnem Glas oder speziellem Polyimid, die den Bildschirm vor Kratzern bewahrt. Polyimide sind hitze- und chemikalienbeständige Kunststoffe, die vor allem durch ihre hohe Temperaturfestigkeit, elektrische Isolierfähigkeit und Langlebigkeit überzeugen.

Zwischen diesen Schichten befinden sich flexible Klebeverbindungen, die sich beim Falten gegeneinander verschieben können. Diese Beweglichkeit verhindert, dass sich die einzelnen Lagen voneinander lösen. Fachleute betrachten die Entwicklung solcher Geräte deshalb nicht primär als Frage des Displays, sondern vielmehr als komplexes Zusammenspiel aller Schichten. Die Haltbarkeit eines faltbaren Smartphones hängt nämlich davon ab, wie gut die Materialverbindung dem wiederholten Biegen standhält.

Das Scharnier trägt die eigentliche Last

Das Scharnier verbindet Display und Gehäuse miteinander und ist dafür verantwortlich, wie sauber sich ein Gerät falten lässt. Moderne Scharniere bestehen aus vielen kleinen Metallteilen, die beim Öffnen und Schließen eine tropfenförmige Kurve erzeugen. Dadurch wird die Belastung auf eine größere Fläche verteilt, statt sich an einer einzelnen Knickstelle zu konzentrieren.

Was macht Apple mit dem Phone Duo anders?

Das iPhone Duo besitzt außen ein 5,4 Zoll großes Display und innen ein aufklappbares 7,6-Zoll-Display mit gleichem Seitenverhältnis. Dies soll gewährleisten, dass beim Öffnen Apps und Inhalte weiterhin mit den korrekten Proportionen dargestellt werden. Für das Gehäuse verwendet Apple Titan der Güteklasse 5. Eine Nanotextur-Oberfläche soll Reflexionen mindern und die Faltstelle optisch weniger sichtbar machen.

Das Scharnier setzt sich aus mehr als 100 Einzelteilen zusammen und ist mit einer Titanplatte sowie speziell abgestimmten Klebeschichten im Inneren ergänzt, um die Belastung des Displays zu reduzieren.

Damit setzt Apple auf ein bereits bewährtes Grundprinzip. Neu ist vor allem die Kombination aus Nanotextur-Glas, einem Titangehäuse und einem eigens für zwei Displays angepassten Betriebssystem.

Warum brauchen faltbare Smartphones spezielle Software?

Ein faltbares Display allein ist erst die halbe Miete. iOS und die darauf laufenden Apps müssen erkennen können, ob das Gerät geöffnet, geschlossen oder im Zeltmodus aufgestellt ist. Beim iPhone Duo beispielsweise verschiebt die Software Inhalte automatisch von der Faltkante weg, sobald das Gerät wie ein halb geöffnetes Buch gehalten wird.

Diese Anpassung betrifft nicht nur Apples eigene Programme. Auch Drittanbieter müssen ihre Apps für das größere Innendisplay überarbeiten, damit die zusätzliche Fläche im Alltag tatsächlich nutzbar wird. Wie gut ihnen dies gelingt, wird sich erst im täglichen Einsatz nach dem Verkaufsstart zeigen.

Wo liegen die Schwachstellen von faltbaren Smartphones?

Trotz aller Fortschritte gibt es mehrere technische Kompromisse, über die sich Interessenten vorab informieren sollten. Diese Schwächen betreffen sowohl die Mechanik als auch die Alltagstauglichkeit. Sie lassen sich aktuell selbst durch die Verwendung von Titan und Nanotextur-Glas nicht vollständig beheben.

Der Knick bleibt sichtbar und spürbar

Auch bei aktuellen Foldable-Modellen zeichnet sich in der Mitte des Displays eine leichte Vertiefung ab. Diese Knickfalte entsteht durch die wiederholte Biegung der Displayschichten im Laufe der Zeit und ist in der Mitte des biegsamen Displays erkennbar. Besonders bei ungünstigem Lichteinfall fällt diese Stelle auf.

Staub und Sand gefährden das Scharnier

Der Spalt zwischen den Gehäusehälften fungiert als Eintrittsstelle für Staub und feinen Sand. Ein Langzeittest eines dreifach faltbaren Geräts zeigte bereits nach rund 144.000 Faltungen Ermüdungserscheinungen am Scharnier. Das Display selbst hielt länger durch. Dies zeigt, dass mehr Faltstellen auch mehr verschleißanfällige Mechanik bedeuten. Dabei richten feine Partikel im Mechanismus oft mehr Schaden an als die reine Anzahl der Faltvorgänge.

Der Preis ist deutlich höher als bei klassischen Smartphones

Faltbare Smartphones sind deutlich teurer als vergleichbare klassische Modelle. Aktuelle Foldables liegen in Deutschland zwischen 1000 und 2200 Euro. Damit zählt das iPhone Duo zu den teuersten Modellen in diesem Marktsegment. Für den Aufpreis erhalten Käufer vor allem ein größeres Display, während viele andere Funktionen mit denen klassischer Modelle vergleichbar bleiben.

Der Marktanteil für faltbare Smartphones bleibt gering

Faltbare Geräte machen bislang nur einen kleinen Teil des gesamten Smartphone-Marktes aus. Marktbeobachter beziffern diesen Anteil weltweit auf unter fünf Prozent, selbst unter Berücksichtigung der erwarteten Nachfrage nach dem iPhone Duo. Dies zeigt, dass sich die Technik derzeit eher an zahlungskräftige Technikfans als an die breite Käuferschaft richtet.

Zusatzgewicht und Doppelakku

Zwei Displays und ein aufwendiges Scharnier benötigen mehr Bauraum als ein einzelner Bildschirm. Hersteller lösen dieses Problem häufig, indem sie zwei kleinere Akkus statt eines großen verwenden. Dadurch erhöht sich das Gewicht und die Dicke im geschlossenen Zustand. Wer ein besonders leichtes und schlankes Gerät sucht, wird daher weiterhin nur bei klassischen Smartphones fündig.

Lohnt sich der Umstieg auf ein faltbares Smartphone?

Die Technik hinter faltbaren Smartphones hat sich seit 2019 spürbar weiterentwickelt. Dank ultradünner Glasschichten, verbesserter Scharniere und angepasster Software wurden etliche Kinderkrankheiten der Technik ausgemerzt. Auch das iPhone Duo macht einen guten Eindruck, ist allerdings entsprechend teuer.

Für Vielnutzer von Multitasking, Videokonferenzen oder Vielleser bietet ein Smartphone mit einem größeren Innendisplay einen echten Mehrwert im Alltag. Wer dagegen vor allem ein robustes, leichtes und günstiges Gerät sucht, wird eher bei klassischen Smartphones ohne Scharnier fündig.

Das iPhone Duo ist ab dem 23. Oktober 2026 erhältlich, Vorbestellungen sind ab dem 16. Oktober möglich. Die Preise beginnen bei rund 2000 US-Dollar bzw. 2299 Euro für die Version mit 256 GB Speicher.

Definitionen und Begriffserklärungen

Flexibles OLED-Display

Ein Bildschirm, dessen Leuchtdioden auf einem biegsamen Kunststoffträger statt auf starrem Glas sitzen. Dadurch lässt sich das Panel wiederholt falten, ohne dass die Bildqualität beeinträchtigt wird.

Ultradünnes Glas (UTG)

Eine nur wenige Mikrometer dünne Glasschicht, die als kratzfeste Schutzschicht über dem flexiblen Display liegt. Sie ersetzt die früher üblichen reinen Kunststofffolien in modernen Geräten.

Scharniermechanismus

Die mechanische Konstruktion aus vielen kleinen Metallteilen ermöglicht das Auf- und Zuklappen und hält das Display beim Falten in einer sanften Kurve statt in einem scharfen Knick.

Häufig gestellte Fragen zu faltbaren Smartphones

Seit wann gibt es faltbare Smartphones?

Die ersten Serienmodelle erschienen im Jahr 2019. Seitdem haben mehrere Hersteller die Technik über zahlreiche Gerätegenerationen hinweg weiterentwickelt.

Wie lange hält das Display eines faltbaren Smartphones?

Aktuelle Scharniere sind für mehrere Jahre und viele hunderttausend Faltvorgänge ausgelegt. Staub und Verschleiß setzen dabei häufig die eigentliche Grenze, nicht das Display selbst.

Ist das iPhone Duo wasserdicht?

Laut Apple ist das iPhone Duo nach dem Standard IP68 gegen Staub und Wasser geschützt.

Wann startet der Verkauf des iPhone Duo?

Vorbestellungen sind ab 16. Oktober 2026 möglich, der reguläre Verkaufsstart ist für den 23. Oktober 2026 geplant.

Sind faltbare Smartphones ihren Preis wert?

Nutzerinnen und Nutzer, die oft zwischen vielen Apps hin- und herschalten, große Displays bevorzugen oder am Smartphone arbeiten, profitieren stärker von den (teuren) Features als Nutzer, die hauptsächlich telefonieren und nur wenige einfache Apps benötigen.

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