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Partnerschaft

Treue: Leben wir alle monogam?

Monogamie gilt in den meisten Gesellschaften als normal. Dennoch hört man immer wieder: Wir sind eigentlich polygam veranlagt – daher kann die Beziehung zu nur einer Person auf Dauer nicht funktionieren. Was genau steckt dahinter?

© imago-Future-Image_20170419

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Erst kürzlich bezeichnete die Schauspielerin Scarlett Johansson (Bild oben) Monogamie als unnatürlich – sie sei harte Arbeit. Die Statistiken bestätigen ihre Aussage: Etwa 39 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer haben ihre Partner bereits einmal betrogen. Bei vielen bleibt es zudem nicht bei einem einmaligen Ausrutscher. Etwa 85 Prozent der Fremdgeher gaben an, dass sie eine Affäre hatten, die über mindestens einen Monat lief. 

Einige Partnerschaften sind sogar direkt von Anfang an auf Polygamie ausgelegt. So finden sich immer wieder offene Beziehungen oder spezielle Formen davon, wie etwa Friends with Benefits (Freunde mit gewissen Vorteilen) oder Mingles (eine Mischung aus mixed und single). All diesen Beziehungsformen ist gemein, dass sich die jeweilige Person nicht auf einen bestimmten Partner festlegen möchte.

Und wer sich in der Gesellschaft umblickt, wird eine Reihe Etablissements finden, die sexuelles Glück versprechen und dabei eine gewisse Anonymität gewährleisten. Bordelle, Swinger-Clubs, All-Inclusive-Saunaclubs verteilen sich querbeet durchs Land und bieten sich auch denjenigen an, die eigentlich in festen Händen sind. Auch im Internet gibt es jede Menge Dating-Portale, die helfen, aus dem Beziehungsalltag auszubrechen oder einen neuen Partner zu finden. Dabei sind die Partnerbörsen nicht nur auf Jüngere beschränkt und das Ausleben der eigenen Wünsche nicht nur auf eine Person begrenzt. 

Polygamie scheint somit weit verbreitet, obwohl die gesellschaftliche Norm Monogamie fordert. Aber es gibt auch die Menschen, die voll und ganz hinter ihrem Partner stehen. Die glücklich sind und sich ein ganzes Leben treu bleiben. Bei diesen treuen Menschen fällt auch oft das Stichwort Oxytocin.

© iStock-vladans

Das Kuschelhormon Oxytocin

Oxytocin wird häufig als Kuschelhormon oder Treuehormon bezeichnet. Es stärkt die zwischenmenschliche Bindung und das Vertrauen zueinander. Es wird hauptsächlich beim Kuscheln ausgeschüttet. Wer also einen treuen Partner möchte, könnte mit viel Kuscheln einiges für die monogame Beziehung tun.

Forschergruppen zeigten, dass Männer, denen über ein Nasenspray Oxytocin verabreicht wurde, die eigene Partnerin im Vergleich zu anderen Frauen attraktiver fanden. Ihr Flirtverhalten schränkte sich ein und sie hielten deutlich mehr Abstand zu anderen schönen Frauen. Dabei war das Hormon ursprünglich nur dafür bekannt, dass es beim weiblichen Geschlecht die Wehen auslöst. 

Dieses Hormon könnte tatsächlich erklären, warum es bei Menschen häufig zu monogamen Beziehungsformen kommt, während es bei nahen Verwandten aus dem Tierreich völlig anders aussieht. Bonobos, Gorillas, und Schimpansen haben durchaus verschiedene Sexualpartner. Und auch Löwen halten sich direkt ein ganzes Harem.

97 Prozent der Tierarten gehen fremd

Sogar bei Vögeln, die überwiegend monogame Beziehungen leben, konnte öfter ein Fremdgehen beobachtet werden. Anders wie bei vielen anderen Arten, die dieses Sexualverhalten öffentlich praktizieren, versuchen Vogelarten es meistens vor ihrem Partner zu verbergen. Bei Singvögeln haben Vogelmännchen, die besonders gut Singen, die besten Chancen vom Weibchen begehrt zu werden. 

Und ähnlich ist es auch bei anderen Tierarten. Gesunde, starke Männchen wirken auf Weibchen oft attraktiv. Evolutionsbiologisch hat dies auch einen großen Vorteil. Während die Keimdrüsen des Männchens viele kleine Spermien produzieren, produziert der weibliche Part nur einige wenige, große Eizellen. Diese sind damit um einiges kostbarer. Es wird viel mehr Energie in die Entwicklung einer Eizelle gesteckt. Weibchen achten daher tendenziell mehr auf die Auswahl ihres Partners, während Männchen sehr viel toleranter bei ihrer Partnerwahl sind.

Somit können durch Fremdgehen auch attraktive Partner gefunden werden, dessen Gene dann weitergegeben werden können. Gleichzeitig fördert dieses Verhalten auch die genetische Vielfalt. Bei Schwänen ist etwa jedes sechste Schwanenbaby ein Kuckuckskind. Und bei Seepferdchen soll es täglich zu Sexualkontakte mit etwa 25 Partnern pro Tag kommen.

© iStock-smontgom65

Gefahren der Polygamie

Doch die Polygamie hat auch einige wesentliche Nachteile. Dazu zählt nicht nur die geringere Stabilität einer Partnerschaft – gerade die Übertragungen von Geschlechtskrankheiten werden durch polygames Verhalten gefördert. Je größer dabei die gesellschaftliche Gruppe ist, desto größer ist auch die Gefahr, dass sich die Erkrankung ausbreitet. Diese wiederum kann sich auf die Fruchtbarkeit und damit auf die Entwicklung beziehungsweise dem Fortbestehen der Gesellschaft auswirken.

Einige Wissenschaftler vermuten, dass dies einer der wesentlichen Gründe war, sich auf eine monogame, gesellschaftliche Beziehungsform zu einigen. Doch wahrscheinlich spielten auch andere kulturelle Einflüsse, wie die Religion und der katholische Glaube, eine wichtige Rolle. Denn Polygamie würde auch den Glaubensgrundsätzen wiedersprechen und somit möglicherweise von der Kirche als Gefahr gesehen werden. In anderen Gesellschaftsformen mit anderen Religionen sind hingegen polygame Beziehungsformen offiziell zulässig und gängig.

Routine als Gefahr der Monogamie

Auch, wenn vieles dafür spricht, dass der Mensch polygame Tendenzen aufweist, sind monogame Beziehungsformen durchaus möglich. So lange die Beziehung erfüllend ist und beide Partner glücklich sind, gibt es keinen wirklichen Grund für einen Seitensprung. Oftmals kommt die Idee zum Seitensprung oder zum Partnerwechsel erst, wenn es in der Beziehung nicht mehr rund läuft. 

Dabei ist es die Alltagsroutine, die den Zauber einer Beziehung zerstört. Soll Monogamie erfolgreich sein, ist einiges mehr an Arbeit erforderlich. Die Partnerschaft muss immer wieder aufgefrischt werden. Aufmerksamkeit gegenüber dem Anderen, kleine Überraschungen und gemeinsame Unternehmungen, bei denen es Neues zu entdecken gibt, müssen die Routine immer wieder unterbrechen. Dann sind auch monogame Beziehungen, die dauerhaft halten, möglich.
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