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Wie erkenne ich eigentlich Desinformation?

Foto: Envato / GoldenDayz

Wie erkenne ich eigentlich Desinformation?

Desinformation begegnet uns im Internet fast überall. Sie ist so erfolgreich, weil sie an starke Emotionen, Sorgen oder Vorurteile anknüpft und diese instrumentalisiert. Wie Sie Falschinformationen erkennen:

Was ist Desinformation?

Desinformation sind absichtlich verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Das Ziel von Desinformation ist es, zu täuschen, zu verunsichern und zu manipulieren. Desinformation wird besonders häufig eingesetzt, um politische Ziele zu erreichen. Sie kann Meinungen verändern, Vertrauen untergraben und Konflikte verschärfen.

Zu den bekanntesten Beispielen für Desinformation gehören:

  • die zahlreichen falschen Behauptungen über Nebenwirkungen von Impfstoffen gegen das Coronavirus.
  • Donald Trumps Behauptung, dass bei der US-Präsidentenwahl im Jahr 2020 massiver Wahlbetrug stattgefunden habe.
  • Putins Behauptung, dass Russland die Ukraine von einem Nazi-Regime befreien wolle.

Oberflächliche Hinweise auf gezielte Desinformation

Social Media lebt von interessanten Überschriften und spannenden Aufmachern. Facebook, Instagram und Co. eignen sich somit besonders gut für das Verbreiten von Desinformation. Achten Sie auf reißerische Überschriften und Beiträge, die starke Emotionen erzeugen. Auch die Strategie, Dringlichkeit zu suggerieren – durch Aufforderungen, jetzt zu handeln oder den veröffentlichten Inhalt sofort zu teilen – ist eine häufige Taktik von Desinformationskanälen.

Die Psychologie hinter Desinformation

Gängige Desinformationsstrategien sind so effektiv, weil unser Gehirn auf schnelle und effiziente Entscheidungen ausgelegt ist. Dabei nehmen wir jedoch auch Denkfehler in Kauf. Ein wichtiger Faktor ist der Confirmation Bias: Wir glauben eher Informationen, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen. Gleichzeitig vermeiden wir es, komplexe Daten gründlich zu prüfen, da dies mit einem hohen Aufwand verbunden ist. Die Wiederholung von Informationen verstärkt diesen Effekt zusätzlich, sodass vertraute Aussagen glaubwürdiger erscheinen – selbst wenn sie falsch sind.

Hinzu kommen soziale und emotionale Faktoren: Wenn viele Menschen einer Meinung sind, wirkt diese überzeugender, und starke Emotionen wie Angst oder Wut überlagern rationales Denken. Außerdem vermeiden wir unangenehme Widersprüche zu unseren Überzeugungen (kognitive Dissonanz) und sind durch die tägliche Flut an Informationen oft überfordert. All diese Mechanismen führen dazu, dass selbst fehlerhafte oder manipulierte Informationen glaubwürdig wirken und sich leicht verbreiten.

Welche Formulierungen verraten Desinformation?

Oft spielt Desinformation mit starken Emotionen wie Angst, Wut oder Empörung. Sind Sie in den sozialen Medien auf einen besonders aufwühlenden Beitrag über einen schweren Skandal gestoßen? Gerade dann ist es empfehlenswert, diesen zuerst genau zu prüfen, bevor Sie ihn weiterverbreiten.

Typisch für Desinformation sind Formulierungen, die suggerieren, dass Ihnen andere Quellen wichtige Informationen vorenthalten, wie etwa

  • „Was Ihnen die Medien verschweigen …“
  • „Die Medien wollen nicht, dass Sie das wissen.“
  • „Die Mainstream-Medien berichten nicht darüber.“
  • „Teilen Sie diesen Post, bevor die Regierung ihn löscht.“

Desinformation verspricht klare Gegner und einfache Lösungen

Zudem bedient sich Desinformation häufig Techniken wie der Verwendung von verkürzten Zitaten oder der Herstellung falscher Zusammenhänge. Zu den bekanntesten Beispielen zählt Angela Merkels Zitat „Wir schaffen das“. Dieses stammt aus einer längeren Rede und wurde anschließend häufig als pauschale Aussage zur unbegrenzten Aufnahme von Geflüchteten dargestellt.

Hinzu kommen manipulierte Bilder, die Etablierung klarer Gegner sowie das Anbieten scheinbar einfacher Lösungen für komplexe Probleme. Wer diese Muster kennt, kann Inhalte mit hoher Zuverlässigkeit als Desinformation identifizieren.

Wer ist der Absender?

Prüfen Sie den Absender verdächtiger Nachrichten genau, bevor Sie den Inhalt verbreiten. Prüfen Sie das Profil des Absenders genau. Wirkt dieses seriös und sind detaillierte Angaben zum Betreiber enthalten? Besitzt der Absender der Nachricht eine Website, enthält diese ein Impressum mit einer Kontaktadresse? Führen vorhandene Links auf der Website zu bekannten Medien und Institutionen?

Lautet die Antwort auf diese Fragen überwiegend Nein, könnte ein Desinformations-Account vorliegen. Seriöse Quellen nennen ihre Herkunft offen und setzen auf Nachvollziehbarkeit und Transparenz.

Überprüfen Sie auch die weiteren Beiträge, die der Account gepostet hat. Kontrollieren Sie, ob diese seriös sind und eine klare Linie aufweisen. Achten Sie auch auf das Umfeld des Accounts und die weiteren Accounts, denen dieser folgt. Überwiegen hier seriöse Profile? Falls nicht, könnte eine gezielte Desinformation vorliegen.

Seriöse Quellen und Faktenchecks helfen weiter

Überprüfen Sie, ob andere seriöse Medien denselben Sachverhalt melden und ob die Darstellung des Ereignisses übereinstimmt. Auch Faktenchecks von unabhängigen Organisationen wie Correctiv und Mimikama sowie von öffentlich-rechtlichen Medien sind hilfreich. Enthält der Beitrag Bilder, laden Sie diese in die Google-Bildersuche hoch. Sie erhalten dann eine Auswertung darüber, ob und wo die Bilder bereits im Netz veröffentlicht wurden.

Zahlen und Statistiken als Desinformationstaktik

Zahlen und Statistiken wirken oft besonders glaubwürdig und haben einen hohen Überzeugungseffekt. Das gilt weiterhin, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen oder einseitig dargestellt werden. Ohne ausreichende Hintergrundinformationen können Zahlen jedoch auch täuschen. Dies wird nicht nur von Desinformationsquellen, sondern auch von weniger seriösen News-Plattformen für reißerische Berichterstattung missbraucht.

Oft werden besonders große Zahlen genannt, die beeindrucken sollen – allerdings ohne Vergleichsmöglichkeit, um die Zahlen tatsächlich einzuordnen. So hat Deutschland im Jahr 2025 etwa 640 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen. Das klingt nach viel, ist aber gemessen am weltweiten CO₂‑Ausstoß von 38,1 Milliarden Tonnen mit 1,68 Prozent eher wenig.

Hinter manchen Statistiken steckt auch eine komplexe Ausgangssituation, die verschwiegen wird. So sorgten Ende 2025 Berichte für Erstaunen, denen zufolge der kleine Ort Eppenberg-Wöschnau in der Schweiz die höchste Einbruchsrate des Landes haben soll. Einerseits ergibt die Statistik eine extrem hohe Einbruchrate von 45,2 Einbrüchen pro 1000 Einwohner. Andererseits liegt dies vor allem an der sehr geringen Bevölkerungszahl von nur 340.

Hinzu kommt, dass viele Einbrüche in Gewerbebetrieben stattfinden, die in der Statistik nicht von privaten Haushalten getrennt ausgewiesen werden. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Statistiken ohne Kontext ein verzerrtes Bild der Realität vermitteln.

Definitionen und Begriffserklärungen

Desinformation

Als Desinformation werden absichtlich verbreitete falsche oder irreführende Informationen bezeichnet. Ihr Ziel ist es, zu täuschen, zu manipulieren und zu beeinflussen.

Faktencheck

Bei einem Faktencheck wird eine Behauptung anhand zuverlässiger Quellen überprüft. Das Ziel besteht darin, den Wahrheitsgehalt einer Meldung transparent einzuordnen.

Quellenprüfung

Bei einer Quellenprüfung werden die Herkunft, der Autor, das Datum und die Belege einer Information kontrolliert. So lassen sich Einordnung und Vertrauenswürdigkeit besser beurteilen.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkennen Sie Desinformation?

Achten Sie auf emotionale Sprache, vermittelte Dringlichkeit, unklare oder fehlende Quellenangaben und fehlenden Kontext. Vergleichen Sie die Meldung außerdem mit weiteren seriösen Quellen.

Wie prüfen Sie eine potenzielle Desinformation in den sozialen Medien?

Überprüfen Sie Absender, Datum, Impressum und Berichte über dasselbe Ereignis aus anderen Quellen. Nutzen Sie Faktenchecks und die Google-Bildersuche.

Ist jede falsche Information schon Desinformation?

Desinformationen bestehen aus absichtlich verbreiteten falschen Informationen. Falschen Informationen, die durch einen Irrtum oder ein Versehen entstanden sind, fehlt die Täuschungsabsicht.

Warum wirkt Desinformation oft so überzeugend?

Das liegt daran, dass sie häufig mit Emotionen, Zuspitzung und einfachen Erklärungen arbeitet. Das macht sie ideal für das unreflektierte Teilen und Weiterverbreiten in sozialen Netzwerken.

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