Welt der Wunder

Nicht glauben, sondern wissen

Wenn die Hautfarbe deinen Wert bestimmt

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Wenn die Hautfarbe deinen Wert bestimmt

Rassentrennung in den USA seit 1964 per Gesetz abgeschafft. Dennoch werden Menschen weiter aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Aussehens ungleich behandelt.
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Wahrnehmung und Vorurteile können bereits im Kleinkindalter geprägt werden. Ein Beispiel zeigt die Dokumentation „Dark Girls“: Ein kleines Mädchen mit dunkler Hautfarbe soll zeigen, welche Zeichentrickfigur sie schön findet. Sie wählt die weiße Zeichnung. Den sogenannten Puppentest entwickelte ein Psychologenpaar bereits in den 1940er-Jahren. Sie ließen Kinder mit dunkler Haut zwischen Spielzeugpuppen wählen. Die meisten entschieden sich für Spielzeug, das heller Haut nachempfunden war. Der spielerische Test zeigt, dass sich vermeintliche Ideale und damit auch Vorurteile auf Kinder und ihre Wahrnehmung auswirken.

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Washington 1963: 200.000 US-Bürger demonstrieren während der Bürgerrechtsbewegung für eine fortschrittliche Gesetzgebung für schwarze Amerikaner. Am 2. Juli 1964 ist es soweit: US-Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet das Gesetz zur Gleichberechtigung der Rassen – den sogenannten „Civil Rights Act“. Der Vater der Bewegung Martin Luther King wurde am 4. April 1968 auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis, Tennessee erschossen.

Foto: Imago / UPI Photo

Schönheitsideale werden seit einigen Jahren vermehrt hinterfragt und angepasst. 2008 sah das noch anders aus. Einer großen Kosmetikfirmer wurde unterstellt, sie hätten auf Fotos für eine Werbekampagne mit Sängerin Beyoncé Knowles, die Haut aufgehellt. Beyoncé selbst äußerte sich nicht dazu, der Hersteller für Haarfärbemittel und andere Kosmetika dementierte die Vorwürfe.

Foto: Imago / African Media Online

Nelson Rolihlahla Mandela war Südafrikas erster schwarzer Präsident. Zuvor setzte er sich Jahrzehnte lang als Aktivist gegen die andauernde Apartheid in Südafrika ein. Die staatliche festgelegte und organisierte Rassentrennung dauerte dort bis 1994 – dem Jahr, als Mandela Präsident wurde. Nach seiner Präsidentschaft setzte ers ich weiter gegen Rassismus und für Gleichbehandlung aller Menschen ein. Er verstarb am 5. Dezember 2013 in Johannesburg.

Foto: Imago / UPI Photo

Der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten war Barack Obama. 2009, im Jahr seiner ersten Wahl, bekam er außerdem den Friedensnobelpreis verliehen. De Auszeichnung wurde sehr kritisch diskutiert. Das Foto zeigt Obama (2. v. li.) bei der Wiederwahl 2012 mit seiner Frau Michelle (li.) sowie seinem damaligen Vizepräsidenten Joe Biden (2. v. re.) und dessen Frau Jill (re.). Nach einer kurzen Ruhepause nach dem Ende der Präsidentschaft, setzen sich Barack und Michelle Obama nach wie vor für soziale, gesellschaftliche Themen ein.

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Am 9. August 2014 töten sechs Kugeln den Teenager Michael Brown auf offener Straße in der Kleinstadt Ferguson, Missouri. Der 18-Jährige war unbewaffnet und dunkelhäutig, die Schüsse setzte ein weißer Polizist ab. Es folgte eine Welle von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den überwiegend afroamerikanischen Bewohnern und weißen Polizisten. Die Situation beruhigte sich nach etwa zehn Tagen. Gewalt erleben Menschen mit dunkler Hautfarbe weiterhin weltweit.

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Dass die Hautfarbe noch immer zu ungleicher Behandlung führt, zeigt sich täglich. 2020 starb der US-Amerikaner George Floyd bei einer Polizeikontrolle. Video-Aufnahmen von Passanten zeigen, wie ein Polizist auf dem Hals von Floyd kniet, um diesen ruhigzustellen. Die Worte „I can’t breathe“ – ich kann nicht atmen – sind aus dem Mund des Afroamerikaners zu hören. Die Tötung des damals 46-Jährigen durch den Polizisten führt weltweit zu Protesten und Anti-Rassismus-Demonstrationen. Unter dem Hastag #BlackLivesMatter solidarisieren sich zahlreiche Menschen mit Personen, die rassistisch behandelt werden.

Das kleine Mädchen ist sichtlich nervös: Vor ihr auf dem Tisch liegt ein Papier, das fünf lachende Zeichentrickfiguren zeigt. Alle sehen  gleich aus – bis auf ihre Hautfarben. Sie reichen von sehr hell bis sehr dunkel. „Zeig‘ mir das hübsche Mädchen“, hört man eine Frauenstimme sagen.

Die kleine Hand wandert schnell zu dem hellsten Mädchen. „Und warum ist sie das hübsche Mädchen?“ – „Weil sie weiß ist.“ „OK. Jetzt zeig‘ mir das hässliche Mädchen.“ Ohne lange zu Zögern huscht der Finger zum Bild des dunkelsten Mädchens. „Und warum ist sie das hässliche Mädchen?“ – „Weil sie schwarz ist.“ Die Fünfjährige selbst ist eine POC – eine Person of Color.

Rassismus beeinflusst die Selbstwahrnehmung von POC

Die beschriebene Szene stammt aus dem 2011 erschienen Film „Dark Girls“. In der Dokumentation erzählen Afro-Amerikanerinnen von ihren Erfahrungen in einer weißen Welt. Sie berichten von Ablehnung – auch aus den eigenen Reihen:„Heirate jemanden mit einem hellen Hautton, um die Rasse voran zu bringen.“ Was nach einem längst überholten Satz vergangener Tage klingt, zeigt der Dokumentarfilm als ein Mantra, das viele Frauen verinnerlicht haben. 

Da ist das Mädchen, das dachte, seine Haut sei deshalb so dunkel, weil sie dreckig ist. Da ist die Frau, die als Kind ihre Mutter bittet, Aufheller in die Badewanne zu schütten, damit die Haut heller wird. Da ist die junge Mutter, die unter bebender Stimme sagt, sie hätte sich während ihrer Schwangerschaft nichts sehnlicher gewünscht, als dass ihr Baby nicht mit demselben dunklen Hautton wie sie zur Welt kommt.

Die Zahlen der amerikanischen Einkommensstatistik zeigen die Rassenungleichheit auf andere Weise. 2020 verdienten laut Statista afroamerikanische Haushalte im Schnitt knapp unter 46.000 US-Dollar im Jahr. Haushalte mit weiß gelesenen Menschen lagen durchschnittlich bei knapp unter 75.000 US-Dollar Jahreseinkommen. Die Armutsrate ist bei der afroamerikanischen Bevölkerung zudem um 13 Prozent höher. 

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