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Stubenfliegen: Was das summende Insekt alles kann

Quälgeister mit erfolgreicher Überlebensstrategie

Gemeine Stubenfliege.

Sie ist ein kleines Meisterwerk der Natur: die Stubenfliege. Seit 200 Millionen Jahren machen raffinierte Spezialwerkzeuge das Insekt zu einem erstaunlichen Überlebenskünstler.

Gemeine Stubenfliege.
Lifeonwhite/ Envato

Erwachsene Stubenfliegen werden etwa sechs bis acht Millimeter lang und ihr Körper ist ganz mit Haaren bedeckt.

Sie ist wehr- und waffenlos und hat viele natürliche Fressfeinde. Kälte und Frost sind tödlich für sie. Trotzdem existiert die Stubenfliege bereits seit der Zeit der Dinosaurier als eines der weit verbreitetsten Insekten. Ihre ursprüngliche Heimat ist die warme Savanne Afrikas. Den Winter überlebt sie heute auf dem Land: beispielsweise in Ställen und Misthaufen auf Bauernhöfen. Im Sommer fliegt sie auch in die Stadt – und legt dabei Strecken von bis zu 20 Kilometern zurück. Die Reise lohnt sich, denn die Wohnung des Menschen ist eine einzigartige ökologische Nische. Doch das sind noch längst nicht alle Erfolgsgeheimnisse des kleinen Flugakrobaten.

Die Augen der Fliege

Die überdimensionalen Facettenaugen der Stubenfliege bestehen aus je 3000 sechseckigen Linsen. Damit sieht sie zwar nicht besonders scharf, aber fast 360 Grad rundum. Zusätzlich hat sie zwischen den Facettenaugen drei kleine Einzel-Augen auf der Stirn. Sie sind auf Feinderkennung spezialisiert.

Warum die kleinen Insekten so schwer zu erwischen sind

Das Nervensystem der Stubenfliege verarbeitet Reize zehnmal schneller als der Mensch. Ihre Augen können 300 Einzelbilder pro Sekunde unterscheiden, unsere dagegen nur 30. Einen Kinofilm sähe die Fliege als eine Folge aneinandergereihter Standbilder – vergleichbar mit Bildern, die in Stroboskop-Blitzen beispielsweise in einer Diskothek erscheinen. Will der Mensch die Fliege erschlagen, so sieht sie seine Hand demnach als Stroboskop-Einzelbilder auf sich zukommen: und zwar in Zeitlupe. Da ihre Reaktionszeit fünfmal kürzer ist als die des Menschen, entkommt sie ihm meistens mit Leichtigkeit. Sie springt mit dem mittleren Beinpaar in die Luft – sozusagen ein Kickstart – und wirft dann den Flügelmotor an.

Warum Fliegen an der Decke landen können

Ein Rückwärtssalto mit Landung kopfüber an der Zimmerdecke? Für die Stubenfliege kein Problem! Denn der kleine Flugakrobat ist äußerst wendig und kann blitzschnell die Richtung ändern. Das liegt vor allem an den weißen Schwingkölbchen, zwei winzigen Pendeln unterhalb der beiden Flügel. Sie dienen als eine Art Gleichgewichtsorgan und schlagen mit der gleichen Frequenz wie die Flügel, nämlich 200 Mal pro Minute, jedoch gegenläufig zu diesen. Mit ihnen kann die Fliege jederzeit ihre Lage im Raum bestimmen und so sicher durch die Wohnung fliegen. Übrigens: Die meisten fliegenden Insekten haben vier Flügel. Die Schwingkölbchen der Fliege haben sich im Lauf der Evolution aus dem zweiten Flügelpaar gebildet.

Selbst über spiegelglatte Flächen läuft die Stubenfliege mühelos. Ihr Klebe-Trick: Am Ende ihrer sechs Beine sitzen Krallen zum Festhalten. Dazwischen befinden sich zudem noch Haftläppchen, überzogen von einer feinen Schicht Hafthärchen. Diese tragen an der Haarspitze einen Mini-Saugnapf. Eine Flüssigkeit an den Härchen verstärkt zusätzlich die Haftung zwischen Fliegenfuß und Untergrund.

Warum Fliegen sich ständig auf unser Essen setzen

Die Füße dienen der Fliege nicht nur zum Festhalten – das Tier schmeckt auch mit ihnen. Sie sind dicht mit Geschmackshärchen besetzt. Diese spezialisierten Sinneszellen nehmen chemische Moleküle wahr, etwa das Aroma von süßen Speisen. Tritt die Fliege auf ein Brot mit Erdbeermarmelade, fährt sie sofort den Saugrüssel zur Futtersuche aus. Dies nennt man auch Rüssel-Streck-Reflex.

Nahrungsaufnahme mit Gesundheitsrisiko

Der Fliegenrüssel ist einzigartig im Insektenreich. Am Rüsselende hat sich die Unterlippe zu einem polsterförmigen Saugkissen umgebildet – einer Art runder Schwamm. Er ist mit feinsten Kanälchen durchzogen. Beim Betupfen der Marmelade verteilt das Insekt seinen Speichel gleichmäßig anhand der winzigen Kanäle. So wird die Marmelade angedaut und verflüssigt, bis sie von der Fliege eingesaugt werden kann. Um den Nahrungsbrei vollständig zu verdauen, muss das Tier ihn in seinem Schlund mehrfach vor und zurück befördern – vergleichbar mit einem Wiederkäuer, etwa einer Kuh. Manchmal verliert die Fliege ein solches „Nahrungströpfchen“. Dadurch kann sie Keime auf das Essen übertragen.

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