Welt der Wunder

Nicht glauben, sondern wissen

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Foto: Studio Roosegaarde

Smog Free Tower: Die Luft ist rein!

schwarzer Staub
Foto: Studio Roosegaarde

schwarzer Staub

Der Dreck aus der Luft wird mit Hilfe von feinen Filtern gebunden und anschließend gepresst. Der dabei entstehende, schwarze Staub …

schicker Schmuck
Foto: Studio Roosegaarde

schicker Schmuck

… wird in durchsichtige Würfel gegossen und so zu Manschettenknöpfen oder Ringen weiterverarbeitet.

saubere Luft
Foto: Studio Roosegaarde

saubere Luft

Mit dem Kauf eines Würfels (via mail@studioroosegaarde.net) spendet der Besitzer 1.000 Kubikmeter saubere Luft.

Einsatz weltweit
Foto: Studio Roosegaarde

Einsatz weltweit

Der erste Smog Free Tower steht in der Vierhaavensstraat 52 in Rotterdam und soll um die ganze Welt reisen. Zukünftige Standorte könnten Peking, Mexiko City, Paris und Los Angeles sein.

Feinstaub
Foto: Imago/Mint Images

Feinstaub

Doch was ist eigentlich Feinstaub? Er besteht aus kleinen Partikeln in der Luft, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine Zeit lang in der Atmosphäre schweben.

Industrie und Autos
Foto: Imago/Bernd Friedel

Industrie und Autos

Der größte Teil der von Menschen gemachten Feinstaubausstöße stammt von Produktionsprozessen sowie von Verbrennungsvorgängen wie sie im Straßenverkehr oder bei der Gebäudeheizung entstehen. Besonders in asiatischen Ländern gelten heimische Kleinfeuer – beim Kochen und Heizen – als Hauptverursacher für Smog. Einen kleineren Teil bilden beispielsweise Emissionen von Feuerwerk und Zigaretten.

Gesundheitsrisiko
Foto: Imago/Science Photo Library

Gesundheitsrisiko

Auch wenn sich die Luftqualität an vielen Städten, besonders in Europa, verbessert hat, bleibt dreckige Luft auch in Zukunft vielerorts ein gesundheitliches Risiko. Dabei gilt: Je kleiner der Partikel ist, desto tiefer dringt er in die Lunge ein.

Millionen Tote
Foto: Imago/EQ Images

Millionen Tote

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben im Jahr 2012 etwa sieben Millionen Menschen an Erkrankungen, die mit verschmutzter Luft im Zusammenhang stehen – jedoch nicht alleinig drauf zurück zu führen sind.

Krebs und Co.
Foto: Imago/Xinhua

Krebs und Co.

Vor allem Schlaganfälle, Erkrankungen der Herzkranzgefäße sowie chronische Lungenerkrankungen und Krebs seien häufige Todesursachen, so die WHO. Die meisten davon verzeichnet Asien: insgesamt 5,9 Millionen Todesfälle in Ländern wie Indonesien, Indien, Südkorea, Japan, China und den Philippinen. Zum Vergleich: In Deutschlands weist die Stadt Dresden mit 31 Mikrometer pro Kubikmeter die höchste Feinstaubbelastung auf – in Peking (Bild) liegt der Wert bei 121.

Lebenserwartung sinkt
Foto: Imago/China Foto Press

Lebenserwartung sinkt

Im Jahr 2013 ergab eine internationale Langzeitstudie, dass der Smog – eine Wortschöpfung aus „Smoke“ (= Rauch) und „Fog“ (=Nebel) – die Lebenserwartung im Norden Chinas um fünf Jahre verkürzt, verglichen mit dem Süden des Landes. Das Bild zeigt die nördliche Stadt Zhengzhou, Hauptstadt der Provinz Henan.

Risikofaktoren
Foto: Imago/blickwinkel

Risikofaktoren

Die WHO betont allerdings, dass es oftmals schwierig ist, die gesundheitlichen Folgen belasteter Luft von anderen Risikofaktoren – wie etwa Essen, Rauchen, Sport, genetische Prädisposition – für die zuvor genannten Erkrankungen abzugrenzen.

Innenluft
Foto: Imago/Rainer Weisflog

Innenluft

Nicht nur die Außenluft, auch die Innenluft ist oftmals belastet – ebenfalls wieder vor allem in Asien, wo häufig noch mit Holz und Kohle geheizt und gekocht wird. Frauen, die in diesen Ländern die meiste Zeit zu Hause bei den Kindern verbringen, sind konstant gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.

Diesen Zustand nahm der niederländliche Künstler und Erfinder Daan Roosegaarde zum Anlass für eine bahnbrechende Erfindung. Eigentlich ist Roosegaarde eher bekannt für spektakuläre Lichtinstallationen und Designs, die Mensch und Technologie in einer futuristischen Beziehung miteinander verbindet – so wie die Smart Highways, intelligente Fahrbahnen, die mit interaktiven Lampen versehen sind und sich je nach Verkehrssituation farblich anpassen. Doch die Tatsache, dass allein die Menschen in seinem Heimatland aufgrund der Luftverschmutzung im Durchschnitt neun Monate kürzer leben, ließ Roosegaarde keine Ruhe und so macht er sich an die Konzeption des größten Staubsaugers der Welt.

So funktioniert der Smog Free Tower

Der erste lamellenbesetzte Smog Free Tower ist sieben Meter hoch, 3,5 Meter breit und wurde am 5. September 2015 in Rotterdam in Betrieb genommen. Er funktioniert über eine patentierte Ionisierungstechnologie, bei der Luft eingesaugt wird, der darin enthaltene Feinstaub über Kupferspulen elektrisch aufgeladen und von Filtern anschließend gebunden wird.

Ganze 30.000 Kubikmeter Stadtluft pro Stunde saugt der Riesenstaubsauger über eine Öffnung am oberen Ende auf und stößt sie gereinigt über die Lamellen an den breiten Seiten wieder aus. Das Ergebnis ist eine 60 Meter umspannende Smog-freie Blase. Dabei benötigt der Turm weniger Energie als ein Wasserkocher, die er wiederrum ressourcenschonend über Wind generiert.

Was passiert mit dem gesammelten Feinstaub?

Die eingefangenen Schmutzpartikel aus der Luft werden später nicht einfach entsorgt, sondern zu ganz besonderen Andenken umgewandelt: den Smog Free-Schmuckstücken. Dazu wird der Feinstaub komprimiert und in kleine, durchsichtige Würfel gegossen, die das Team um Roosegaarde als Zierde auf Ringen und als Manschettenknöpfe einsetzt. Diese kosten je nach Variante zwischen 50 und 250 Euro.

Mit dem Kauf eines Rings spendet der Besitzer umgerechnet etwa 1.000 Kubikmeter saubere Luft. Bis Mitte September lief eine Kickstarter-Kampagne, bei der das Projekt über die sogenannte Schwarmfinanzierung Unterstützung in Form von Geldgebern gesucht hat. Das bescheidene Ziel von 50.000 Euro war schnell erreicht und wurde sogar weit überschritten. Über 110.000 Euro konnte mit der Crowdfunding-Kampagne generiert werden.

Ein Turm reist um die Welt

Das ermöglichte Roosegaarde nicht nur, den Prototypen in Rotterdam zu finanzieren. Auch sein Wunsch, Smog Free Towers auf der ganzen Welt zu verteilen, rückte durch den Erfolg der Kampagne ein kleines Stück näher. So soll der Prototyp zeitweise unter anderem in Mexiko City, Los Angeles, Peking und Mumbai aufgestellt werden. Laut Daan Roosegaarde könnten dann schrittweise auch fest installierte Türme folgen – bis zu zehn seien in den nächsten Jahren möglich.

„Wir Menschen haben Maschin
en entwickelt, um uns selbst voranzubringen. Wir haben das Rad und Autos erfunden, um uns freier zu fühlen und um zu reisen. Aber nun schlagen diese Maschinen zurück und verpesten die Luft in dicht besiedelten Städten wie Peking. Ich bin der Ansicht, dass wir mehr und nicht weniger dafür tun sollten, moderne Städte wieder lebenswert zu machen“, beschreibt der Künstler seine Motivation und sein Ziel. Bleibt zu hoffen, dass er mit seiner Erfindung  dem Traum von einer sauberen Luft in Städten langfristig ein großes Stück näher rückt.

 
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