weltderwunder.tv

INHALTE

FOLGEN SIE WELT DER WUNDER

Parapsychologie

Von allen bösen Geistern verlassen

Von allen bösen Geistern verlassen

Gibt es in Deutschland einen offiziellen Geisterjäger? Tatsächlich wird die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg staatlich gefördert. Ihr Leiter, Dr. Walter von Lucadou, ist einer der bekanntesten Parapsychologen der Welt. Im exklusiven Interview verrät er, was an den Spukgeschichten der Moderne dran ist.
  • Psychologische Beratung ist kein Hexenwerk

    Imago/Sven Simon

    In Deutschland ist sie einzigartig – doch wer als Residenz der Parapsychologischen Beratungsstelle ein historisches Geisterschloss erwartet, wird bereits am Eingang enttäuscht: Das Gebäude in Freiburg im Breisgau ist modern und fällt im Stadtbild nicht weiter auf. Auffällig dagegen sind die Erlebnisse der Anrufer und Besucher, die sich hilfesuchend an Dr. rer. nat. Dr. phil. Walter von Lucadou und sein Team wenden.

  • „Diese Menschen sind nicht verrückt“

    Szenenfoto „Paranormal Activity“, Imago/EntertainmentPictures

    Sie hören Stimmen ohne Sprecher und Geräusche ohne erkennbare Quelle. Sie sehen Gespenster auf Fotos oder vorbeihuschende Dämonen aus den Augenwinkeln. Sie beobachten, wie sich Gegenstände ohne äußere Einwirkung bewegen oder wissen schon in der Nacht zuvor, dass am nächsten Tag etwas Schlimmes passieren wird. Die Berichte, mit denen Dr. Walter von Lucadou und seine Mitarbeiter täglich konfrontiert werden, würden so manchen anderen Zuhörer am Geisteszustand der Erzähler zweifeln lassen. Doch Lucadou ist sich sicher: „Diese Menschen sind nicht verrückt.“

  • Kinoreife Geisterschlachten?

    Szenenfoto „Ghostbusters“, Imago/United Archives

    Mit Abenteuern von Leinwand-Geisterjägern wie im Kultfilm „Ghostbusters“ hat der Alltag an der Parapsychologischen Beratungsstelle wenig gemeinsam. „Wir kommen, wenn Polizei oder technische Dienste bereits vor Ort waren, aber keine Erklärung fanden“, berichtet Walter von Lucadou. Die echten Geisterjäger rücken allerdings nicht wie im Kino mit Hightech-Gespensterfallen an, sondern mit wissenschaftlichen Erklärungsansätzen, die den Betroffenen ihre Angst nehmen sollen.

  • Der Teufel steckt im Detail

    Imago/Imagebroker

    „Ob Geister von Verstorbenen, Aliens, Teufel oder Dämonen – all diese Bilder versuchen seit alters her zu erklären, was wir nicht verstehen“, sagt Lucadou. „Früher dachte man beispielsweise, für den Donner sei ein Donnergott verantwortlich. Heute wissen wir, dass es sich um ein akustisches und elektrisches Phänomen handelt.“ Lucadous Ziel: die Mechanismen aufdecken, die hinter dem vermeintlich Übersinnlichen stehen.

  • Telefonhotline für spirituelle Störungen

    Imago/Imagebroker

    Rund 3.000 Anfragen pro Jahr verzeichnet die Parapsychologische Beratungsstelle. „Das Telefon klingelt bei uns von früh bis spät“, sagt Walter von Lucadou. Dazu kommen E-Mails und persönliche Beratungsgespräche. „Die häufigsten Fälle kreisen um Vorahnungen, Wahrträume, Erscheinungen und Spuk. Auch das ‚Verhexungssyndrom‘ kommt oft vor. Betroffene empfinden sich dabei als Opfer schwarzer Magie.“ Die Zahl der Menschen, die von derartigen Ereignissen berichten, ist in den letzten Jahren gleich geblieben, doch verändert hat sich laut Lucadou der Umgang damit: „Die Leute sind heute eher bereit, über das Erlebte zu berichten und haben weniger Angst, wir würden sie für verrückt erklären.“

  • Jeder Dritte hat Übersinnliches erlebt

    Michael Eichhammer

    „Menschen, die Wahrträume, Spuk oder Telepathie erleben, sind nicht etwa die Ausnahme“, ist Lucadou überzeugt. „Auf die Frage, ob sie derartiges bereits selbst erlebt haben, antworten laut repräsentativen Umfragen fast zwei Drittel mit ja“, sagt der Parapsychologe. Das bedeutet allerdings nicht, dass jedermann deshalb an Gespenster glaubt. Viele erklären sich derartige besondere Erlebnisse auch mit Zufall.

  • Übersinnlich und bei Sinnen

    Michael Eichhammer

    Lucadou wehrt sich mit Bestimmtheit gegen das Klischee, wer an Geister glaubt, sei geistig verwirrt. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt der Experte. „Diese Menschen sind empfänglicher als andere. Sie sind nicht psychisch gestört, sondern haben anderen eher etwas voraus, was ihre Verschränkung mit der Umgebung angeht.“ Auffallend oft seien diese Menschen auch gesünder - sowohl psychisch als auch körperlich.

  • Kann Spuk gesund sein?

    Szenenfoto „Poltergeist“, Imago/EntertainmentPictures

    „Seien sie froh, dass es bei Ihnen spukt, so werden sie wenigstens nicht krank.“ Diese überraschende Antwort gibt Walter von Lucadou gern, wenn Betroffene von ihren ungewöhnlichen Erlebnissen berichten. „Dabei geht vielleicht mal ein Gegenstand in der Wohnung zu Bruch, aber eine Erkrankung des Körpers wäre die schlimmere Alternative.“ Ein derartiger Spuk ist in Lucadous Augen ein Trick der Natur, damit man nicht krank wird, „eine Art psychosomatischer Reaktion, die sich nicht wie üblich gegen den eigenen Körper richtet, sondern gegen die Außenwelt.“

  • Glaubt die Quantenphysik an Gespenster?

    Imago/Science Photo Library

    Mit der Theorie der Verschränkung will Walter von Lucadou unerklärliche Phänomene zu erklärbaren Fakten machen. Entdeckt wurde die Verschränkung in der Quantenphysik. Zwei Dinge, die in keinem kausalen Zusammenhang stehen, können dennoch in einem Prozess so miteinander verbunden sein, dass sie ein aufeinander bezogenes Verhalten zeigen. Weniger abstrakt ausgedrückt: Wenn während eines heftigen Beziehungsstreits plötzlich der Bilderrahmen mit dem Foto vom gemeinsamen Urlaub wie von Geisterhand zu Boden fällt und bricht, muss das kein Zufall sein. Es könnte auch eine seltene physikalische Reaktion auf den emotionalen Zustand eines der Streithähne sein – so die Überzeugung des Parapsychologen. Wie genau diese Reaktionen funktionieren, müsse aber noch geklärt werden.

  • Sind wir alle Jedi-Ritter?

    Szenenfoto „Star Wars Episode III“, Imago/Entertainment Pictures

    Ein anderer Fachbegriff, mit dem Lucadou paranormale Phänomene erklärt, ist in der Kognitionswissenschaft als „Embodiment“ bekannt. Der Mensch sei auf eine besondere Weise in seine Umgebung eingepasst, so Lucadou. Seine Wohnung beispielsweise ist in diesem Sinne also ein Teil von ihm. Er ist überzeugt: Innere Vorgänge können sich auch ohne Körpereinsatz in der Außenwelt bemerkbar machen. Die wahren Gründe für einen Spuk – ob Psychokinese oder Geisterscheinung - liegen hier im Zusammenspiel von Mensch und Umgebung. Wer nun darauf hofft, trainieren zu können, Dinge wie ein Jedi-Ritter aus den Star Wars-Filmen durch pure Gedankenkraft zu bewegen, wird ausgebremst: „Wir können nicht vorsätzlich einen Tisch schweben lassen. Paranormale Ereignisse treten spontan auf und sind nicht aktiv steuerbar.“

  • Wissenschaft auf Geisterjagd

    Wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie e. V.

    Dieses Gerät verwendet Lucadou für Studien zur Psychokinese (Kinese: vom altgriechischen Wort für „Bewegung“). Er will der Frage auf den Grund gehen: Können manche Menschen physikalische Objekte direkt beeinflussen, ohne sie zu berühren? Mit einer Art Computerspiel sollen Probanden in einem Experiment versuchen, vom Rechner generierte Zufallsbilder zu steuern. Der aktuelle Stand von Lucadous Forschung: Es gibt zwar einen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Geist und der Bewegung von Objekten, doch lässt sich die Außenwelt nicht bewusst per Gedankenkraft beeinflussen. Deshalb spricht Lucadou auch nicht von Psychokinese, sondern von der Verschränkung, die hier zwischen Menschen und Zufallsgenerator besteht.

  • Grenzgebiete der Wissenschaft

    Imago/Insadco

    Nach den Regeln der klassischen Wissenschaft gilt etwas nur als erwiesene Tatsache, wenn man es kontrolliert wiederholen kann. Das erschwert es, parapsychologische Phänomene zu beweisen, da es ihr Wesen ist, spontan aufzutreten. „Wenn man sich an diese Definition von Beweisbarkeit hält, schränkt man die Erklärung der Welt dramatisch ein“, sagt Walter von Lucadou. „Den Menschen passieren nachweislich solche Dinge und sie wollen dafür eine Erklärung.“ Die Geister und Dämonen alter Zeiten ersetzt Lucadou mit der Theorie der Verschränkungsmechanismen zwischen dem Mensch und seiner Umwelt. Mit dem von ihm erarbeiteten Spukmodell will er ungewöhnliche Phänomene nicht nur im Nachhinein erklären, sondern auch voraussagen, in welchen Stufen ein Spuk verläuft. Das Modell ist praxisbewährt, so der Forscher. Seine Erkenntnisse entlasten ängstliche Hilfesuchende. „Wer versteht, wie so etwas funktioniert, hat keine Angst mehr davor, dass ein Dämon das Geschehen lenkt.“

  • Sehen Sie schon Gespenster?

    Wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie e. V.

    Trotz seiner wissenschaftlichen Herangehensweise sind die Erklärungsansätze des 70-jährigen Experten für das Ungewöhnliche nicht unumstritten. Zu seinen schärfsten Kritikern zählt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung parawissenschaftlicher Phänomene (GWUP), die Lucadou Mangel an Beweisen vorwirft. „In der Wissenschaft wird darüber gestritten, ob es paranormale Phänomene gibt“, erklärt Lucadou. „Ich glaube daran, weil ich das jeden Tag erlebe. Die Leute, die sich bei uns melden, sind nicht alle Spinner. Auch wenn diese Ereignisse Eigenschaften haben, die nicht in unser aktuelles Konzept der Welt passen.“ Das Wort „übernatürlich“ findet Lucadou unzutreffend: „Wenn etwas tatsächlich geschieht, gehört es auch zur Natur“, sagt er. „Ob wir es verstehen oder nicht, ist eine andere Frage, doch es ist Teil der Natur. Insofern gibt es also nichts Übernatürliches.“

  • Gibt es Spukhäuser?

    Imago/Christian Ditsch

    Im Gegensatz zu Horrorfilmen oder Internetforen von selbsternannten Geisterjägern gibt es laut Walter von Lucadou keine typischen Spukhäuser. Ungewöhnliches geschieht eher in ganz normalen Wohnungen als in alten Ritterburgen oder auf Friedhöfen. Warum manche Menschen sich dort auf unbestimmte Art unwohl fühlen oder das Gefühl haben, es spukt, kann mit der sogenannten Baubiologie zu tun haben, also der Lehre des Zusammenspiels von Mensch mit der von ihm gebauten Umwelt. Phänomene wie Kältebrücken oder Infraschall können unterbewusst Unwohlsein oder Angstzustände auslösen. Dahinter stecken aber eben keine Geister, sondern im ersten Fall baubedingte Temperaturschwankungen und im zweiten Fall Schallwellen, die wir nicht hören, dafür aber spüren können.

  • Bauherren statt Gespenster?

    Michael Eichhammer

    Architektonische Gegebenheiten oder die Geschichte eines Ortes können den Eindruck erwecken, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Auf einem Friedhof bei Nacht fühlen sich die meisten Menschen unwohl. Auch das Wissen, dass auf dem Baugrund früher einmal ein Friedhof stand oder dass der Vorbesitzer in den Räumen Suizid verübt habe, sorgt verständlicherweise für ein unangenehmes Gefühl. Das sei aber eher ein psychologischer Effekt, so Lucadou. „Dennoch kann ein solcher Spuk ansteckend sein, wenn sich ein Gerücht über einen Ort verbreitet“, erklärt der Parapsychologe.

  • Blick in die Vergangenheit?

    Imago/Chromorange

    Dass die Energie der ehemaligen Bewohner eine gewisse Aura erzeugt, will Lucadou allerdings nicht ganz ausschließen. „Es kommt durchaus vor, dass Leute sich an einem Ort nicht wohl fühlen, weil sie spüren, dass der Vorbesitzer in dem Gebäude Selbstmord verübt hat - obwohl sie das nicht wussten“, berichtet der Experte. Verschränkungszusammenhänge seien raum- und zeitunabhängig, weshalb neben der Präkognition (Vorhersage zukünftiger Ereignisse) auch Retrokognition denkbar ist – also ein geistig-emotionaler Blick in die Vergangenheit.

  • Erklärungen für das Unerklärliche?

    Imago/Imagebroker

    Nicht nur UFO-Fotos lassen sich oft mit natürlichen Phänomenen erklären, sondern auch angebliche Geisterfotos. „Hierbei wirken oft psychologische und physikalische Aspekte zusammen“, erklärt Walter von Lucadou. So kann beispielsweise die Blitzfunktion einer Kamera einen fürs menschliche Auge unsichtbaren Rauch oder Nebel auf einem Foto sichtbar machen. Dass wir darin Gesichter oder Gestalten erkennen, ist eine psychologisch erklärbare optische Täuschung, die ihre Wurzeln in der Urzeit der Menschheit hat. Damals galt es, in kürzester Zeit zu erkennen, wenn sich ein anderes Lebewesen näherte und ob es Freund oder Feind war.

  • Kommt Ihnen das bekannt vor?

    Imago/Science Photo Library

    Jeder von uns kennt das Phänomen namens Déjà-vu. Das Gefühl, einen Moment bereits erlebt zu haben, ist für Walter von Lucadou allerdings kein Beweis für Wiedergeburt oder hellseherische Fähigkeiten, sondern rational erklärbar. Wir haben drei Arten von Speicher für unsere Erinnerungen: das Kurzzeitgedächtnis für die Wahrnehmung innerhalb von drei Sekunden, das Langzeitgedächtnis für Dinge, die wir gelernt haben und das Registergedächtnis. In letzterem speichern wir unbewusst Dinge, an die wir uns erst erinnern können, wenn wir in unserem Gedächtnis suchen wie in einem Stichwortverzeichnis. Das Registergedächtnis dient dazu, unsere Erinnerungen zu strukturieren, indem wir Erinnerungspfade wie eine Adresse benutzen. Wenn man ermüdet oder erschöpft ist, kann es allerdings passieren, dass die aktuelle Situation aus dem Kurzzeitgedächtnis fälschlicherweise in das Registergedächtnis geschoben wird. Das Ergebnis: ein Déjà-vu!

  • Ein Geisterjäger, der nicht an Geister glaubt?

    Imago/United Archives International

    „Dass Menschen Erscheinungen von Verstorbenen haben, kommt jeden Tag vor“, berichtet der Parapsychologe. „Das heißt aber nicht zwingend, dass ich an Gespenster glauben muss.“ Lucadou glaubt stattdessen an das sogenannte Repräsentationsmodell, das auch in der herkömmlichen Psychologie anerkannt ist. Grundidee dahinter: Wir nehmen nicht die tatsächliche Welt war, sondern lediglich ein Abbild, das im Gehirn erzeugt wird. Quasi das Kino im Kopf, welches durch die Sinnesorgane vermittelt wird. Stirbt ein Angehöriger, fehlt plötzlich dessen Bild in unserer Welt. „Diese Lücke in der mentalen Repräsentation wird vom Gehirn gestopft.“ So kann es geschehen, dass wir den Toten scheinbar sehen – nicht nur vor dem sprichwörtlichen geistigen Auge.

  • Sind Spuk und Physik keine Widersprüche?

    Westend61

    Doch was, wenn mehrere Menschen die Erscheinung wahrnehmen? „Das würde man klassischerweise als Spuk bezeichnen“, sagt Lucadou. „Ein Spuk mag selten vorkommen, doch widerspricht er nicht der Physik – wie man beispielsweise an der Verschränkungstheorie sehen kann.“ Wie genau solche Phänomene im Detail zu erklären sind, muss allerdings noch geklärt werden. Dann erst wird auch für den letzten Skeptiker aus dem Paranormalen etwas Normales.

Gibt es in Deutschland Geisterjäger? Ja! Dr. Walter von Lucadou ist einer der bekanntesten Parapsychologen der Welt. Im Interview verrät er, was an Spukgeschichten dran ist.

Abonniere unseren Newsletter

Schön, dass du uns gefunden hast. Du möchtest weitere Nachrichten aus der Welt der Wunder? Dann trag‘ dich hier ein:

Abonniere unseren Newsletter

Schön, dass du uns gefunden hast. Du möchtest weitere Nachrichten aus der Welt der Wunder? Dann trag‘ dich hier ein: