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Tod

Körperatlas des Sterbens

Körperatlas des Sterbens

„Zeitpunkt des Todes …“: Allein in den Operationssälen deutscher Krankenhäuser fallen diese Worte jeden Tag Hunderte Male. Was nur die wenigsten wissen: In Wahrheit ist Sterben ein langsamer Prozess.
  • Nahtoderfahrung

    iStock/ targovcom

    Viele Bereiche im Körper sind auch noch Stunden nach dem festgestellten Tod aktiv. Männliche Spermien überleben den Tod sogar mehrere Tage. Der Intensivmediziner Eric Baccino der Universitätsklinik Montpellier ist überzeugt: „Eine biologisch exakte Definition des Todes gibt es nicht.“ wdw erklärt, was wo im Körper beim Sterben passiert und wie lange es wirklich dauert, bis alle Funktionen nach einem Herzstillstand eingestellt werden.

  • Hirntod

    iStock/GuidoVrola

    Maximal zehn Minuten ohne Sauerstoffversorgung bleiben dem Gehirn nach einem Herzstillstand noch. Spätestens dann fangen die Nervenzellen an, abzusterben. In den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, kann kein Adenosintriphosphat (ATP) mehr hergestellt werden – der Stoff, der die Energieversorgung der Zellen übernimmt. Dann werden die Mitochondrien geschädigt, sie vergiften sich sozusagen von innen. Die Folge: Hirntod.

  • Blutkreislauf

    iStock/Peshkova

    Auch wenn unsere Herz stillsteht und unseren Körper nicht mehr mit Blut versorgt – es lebt weiter. Dieser Muskel ist ein geschlossenes System, das sich normalerweise selbst über den Blutkreislauf mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Bleibt die Zufuhr aus, baut das Herz noch vorhandene Energieträger ohne Sauerstoff ab. Dabei kommt es zur Bildung von Milchsäure. Da sie nicht ausgespült wird, übersäuern die Zellen und sterben nach 30 Minuten ab. Das Herz ist tot.

  • Muskelzellen

    iStock/tinydevil

    Sofort nach dem Tod erschlaffen alle Muskeln, doch spätestens nach drei bis vier Stunden setzt die sogenannte Totenstarre ein. Dann verschmelzen Aktine und Myosine miteinander – also die beiden Proteingruppen, die sonst bei jeder Bewegung eines Muskels ineinandergleiten. Nach acht Stunden ist der Energievorrat der Muskelzellen verbraucht und sie sterben ab. Bereits zwei Tage später sind sie so weit zersetzt, dass sich die Totenstarre wieder löst.

  • iStock/janulla

    Nach etwa 35 Minuten gibt die energiehungrige Leber auf. Eine weitere halbe Stunde später folgt die Lunge. Nierenzellen leben dagegen problemlos noch zwei Stunden nach dem Herzstillstand weiter. Der Grund: Sie können selbst viel Energie speichern und bei fehlendem Nachschub in eine Art Schlafmodus schalten. Magen und Darm verdauen sogar noch bis zu 24 Stunden weiter.

  • Totenstarre

    iStock /Silavsale

    Schon 20 bis 30 Minuten nach dem Kreislaufstillstand bilden sich die ersten der blauvioletten Totenflecken an der Körperunterseite – jeweils dort, wohin das Blut entsprechend der Schwerkraft absinkt. Die Haut selbst ist dann aber noch aktiv. Schweißdrüsen können noch mehr als 30 Stunden weiterarbeiten. Und: Im Rahmen der Totenstarre kann der Tote sogar noch eine Gänsehaut bekommen.

  • Nahtoderfahrung

    iStock/Viktor_Gladkov

    „Wir verschieben die Grenzen zwischen Leben und Tod immer weiter in den Bereich, der früher für das Jenseits gehalten wurde“, sagt der New Yorker Notfallmediziner Sam Parnia. Er gilt als einer der führenden Sterbeforscher weltweit. Im Oktober 2014 veröffentlichte er die ersten Ergebnisse der AWARE-Studie. Sie liefert den ersten wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Wahrnehmung und Bewusstsein bei einem Menschen auch nach einem minutenlangen Herzstillstand noch aktiv sein können. Ein Grund dafür sind laut Parnia die gewaltigen Fortschritte der Reanimation: „Heute können wir Menschen aus den Klauen des Todes befreien, deren Herz vor ein, zwei, manchmal noch mehr Stunden stehen geblieben ist. Wir verschieben die Grenzen zwischen Leben und Tod immer weiter in den Bereich, der früher für das Jenseits gehalten wurde.“ Tatsächlich kann durch Herzmassage die Blutzirkulation künstlich aufrechterhalten und so die überlebenswichtige Sauerstoffversorgung des Gehirns gewährleistet werden. Gleichzeitig kühlen die Ärzte das Gehirn auf bis zu 28 Grad Celsius herunter, was den Zellverfall verlangsamt. Schon oft hat Parnia Patienten erfolgreich wiederbelebt. Er ist daher überzeugt: „Der Tod ist heute umkehrbar. Sogar noch nach Stunden.“

  • Schockraum

    Imago/epd

    Für Schwerverletzte haben US-Notfallmediziner ein Raster entwickelt, nach dem weltweit fast alle Kollegen arbeiten: die Schockraumversorgung. In diesem Untersuchungsraum behandelt ein Team von Fachärzten, Assistenten und Krankenpflegern den Patienten direkt nach seiner Einlieferung parallel von Kopf bis Fuß. Damit das nicht im Chaos endet, gibt es eine strenge Hierarchie der Schritte A bis E. Zuerst macht ein Arzt die Atemwege (A = Airway) frei, dann sichert er die Beatmung (B = Breathing) und stabilisiert den Kreislauf (C = Circulation). Dabei gilt: „Bevor wir B nicht erledigt haben, gehen wir nicht zu C über“, sagt der Notfallmediziner Dr. Jens Stegemann. Danach wird der Patient auf eine mögliche Hirnverletzung (D = Disability) untersucht. Zuletzt zieht man den Patienten aus, um alle Verletzungen aufzuspüren (E = Exposure).

  • Schockraum

    imago/Sven Simon

    Hier befinden sich ein Narkosegerät, ein EKG-Monitor, ein Röntgengerät, ein Ultraschallgerät und ein Computertomograf. Dieses Multislice-CT fährt um den Körper herum und macht in 20 Sekunden aus allen Winkeln 1.000 Bilder vom Körperinneren. Ein Radiologe wertet diese CT-Aufnahmen sowie die vom Röntgen im Nebenzimmer aus. Die CT-Bilder liefern den Bauplan für die medizinische Versorgung eines Schwerverletzten. Nach der Erstversorgung im Schockraum wird der Patient, sobald er stabil ist, auf eine Intensivstation oder direkt in einen Operationssaal gebracht.

  • Transplantation

    iStock/wenht

    Konnte man noch vor 50 Jahren sofort nach der Feststellung des Stillstands von Herz und Atmung Organe zur Transplantation entnehmen, ist seit 1968 in westlichen Ländern der Hirntod das einzig legale Kriterium für den Tod eines Menschen. Ärzte verstehen unter dem Hirntod die „irreversibel erloschene Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms“. In Deutschland gelten zudem seit 1997 „Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes“. Danach müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander und nacheinander verschiedene Tests vornehmen, die sie, je nach Diagnose, nach zwölf bis 72 Stunden wiederholen: Reagiert der Patient, der zuvor von der Versorgung mit Schmerzmitteln abgekoppelt worden ist, auf Schmerz? Funktioniert der Würgereflex? Kann er allein atmen? Durch das Injizieren von Kontrastmitteln in den Blutkreislauf lässt sich der Hirntod innerhalb einer halben Stunde feststellen. Das Bild zeigt eine funktionierende Versorgung des Gehirns im Scan.

„Zeitpunkt des Todes …“: In Operationssälen fallen diese Worte tagtäglich. Was nur die wenigsten wissen: In Wahrheit ist Sterben ein langsamer Prozess.

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