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Die größten Mythen

Kreuzzüge: Welcher deutsche Kaiser eroberte Jerusalem ohne einen Tropfen Blut zu vergießen?

Kreuzzüge: Welcher deutsche Kaiser eroberte Jerusalem ohne einen Tropfen Blut zu vergießen?

Ritterrüstung

Wir glauben, unsere Geschichte gleicht einer Landkarte – lückenlos erschlossen, durch Zeitzeugen, Chronisten und Historiker. Tatsächlich aber ist das, was wir kennen, allenfalls ein Bruchteil der Wahrheit. Welt der Wunder zeigt, warum nicht alle Kreuzzüge blutig waren.

Langsam hebt sich der fast zwei Tonnen schwere Deckel des Balda­chinsarges von Friedrich II. – und ein Raunen geht durch die Reihen der anwesenden Wissenschaftler. Ziel der Graböffnung ist es, das Rätsel um den Tod des Staufer-Kaisers zu lüften. Doch die mumifi­zierte Leiche im Sarkophag wirft völlig neue Fragen auf. Wer hat den Kaiser einbalsamiert? Wieso ist sein Gewand mit arabischen Schriftzeichen verziert? Und wo ist die Krone des Herrschers, der schon zu Lebzeiten die Menschen verwirrte – entweder als Antichrist verteufelt oder als „Staunen der Welt“ verehrt. Fast scheint es, als wolle der geheimnisumwitterte Kaiser auch 768 Jahre nach seinem Tod seinen Mythos bewahren… 
 
Friedrich ist kein gewöhnlicher Herrscher des Mittelalters. Der Enkel von Kaiser Barbarossa ist hochintelligent, spricht neben Latein auch Griechisch und Arabisch. Um seinen immensen Wissensdurst zu befriedigen, lebt er mit islamischen Gelehrten am Hof, studiert Mathematik, lässt antike Bücher übersetzen, erforscht selbst die Biologie der Tiere – zugleich versteht er sich als direkter Nachfahre von Jesus Christus. Fakt ist, dass der in Aske­se lebende Friedrich so selbstbewusst und klug ist, dass er sich von nie­manden etwas vorschreiben lässt. Auch nicht von der Kirche.
 
Italien im Jahr 1228: 15 Jahre lang hat sich Friedrich den Kreuzzugsplänen des Papstes widersetzt. Doch nachdem Papst Innozenz III. den Kirchenbann über ihn ausspricht, muss Friedrich reagieren: Mit gerade einmal 600 Rittern und 3.000 Fußsoldaten bricht er auf, um eine Aufgabe zu lösen, an der Herrscher wie Richard Löwenherz, Friedrich I. und Philipp II. von Frankreich mit Heeren scheiterten, die insgesamt 30-Mal so groß waren wie das seine. 

Kreuzzug ohne Gewalt, sondern mit Grips

Was niemand ahnt: Friedrichs beste Waffe ist nicht das Schwert – es ist sein Verstand. Und so beginnt sein Kreuzzug nicht mit dem Morden, Vergewaltigen und Brandschatzen im Namen Gottes. Im Gegenteil. Kaum ist Friedrich in Akkon gelandet, sucht er Kontakt mit Sultan al-Kamil, lässt diesem kostbare Geschenke übermitteln. Ohne re­ligiöse Vorurteile verhandelt Friedrich in fließendem Arabisch wochenlang mit dem Sultan auf Augenhöhe. Sobald die Gespräche stocken, leitet er geschickt zu Themen wie die bei den Arabern beliebte Falkenjagd über. Schließlich finden die Herrscher einen Kompromiss im „Pakt von Jaffa“. Er sieht vor, dass der Sultan Jerusalem, Bethlehem, Lydda und Nazareth an die Christen übergibt. Im Gegenzug verpflichtet sich der Kaiser, weite­re Kreuzzüge zu unterbinden – und sich im Heiligen Land für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Moslems einzusetzen. 15 Jahre hält der Frieden, der die Geburt eines Mythos ist: Als Friedrich 1229 zum König von Jerusalem gekrönt wird, hat er geschafft, was vor ihm keinem gelang – und das ohne auch nur einen einzigen Tropfen Blut zu vergießen.

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