Die Suche nach der Wahrheit

Tabus der Weltgeschichte: Der Kreuzzug gegen die Christen

Im Lauf der Menschheitsgeschichte gab es immer wieder dunkle Geheimnisse und unsagbare Verbrechen, die nie öffentlich werden sollten. Gemeinsam mit Historikern ist Welt der Wunder Fakten nachgegangen, die lange Zeit verborgen wurden: „Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon erkennen.”

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"Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“ Dieses Zitat des antiken Dramatikers Aischylos hat sich bis heute tausendfach bewahrheitet – so auch im Herbst 1208: Europa ist im Umbruch. Die verarmte Landbevölkerung sucht ihr Glück in den schnell wachsenden Städten. Doch die Menschen finden erneut nur Not. Im Zuge großer sozialer Umwälzungen wächst im Süden Frankreichs eine Hunderttausend Mann starke neue christliche Glaubensmacht heran, die sich Albigenser nennt (nach der französischen Stadt Albi). Ihre Gegner bezeichnen sie als Katharer – woraus sich der spätere Ausdruck „Ketzer“ ableitet. Die christliche Splittergruppe besteht aus Menschen, die nichts zu verlieren haben und daher zu allem entschlossen sind. Sie werden von charismatischen Führern geleitet, und täglich strömen neue Gefolgsleute herbei. 

Papst Innozenz III. in Rom sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Er befürchtet eine religiöse Revolution, einen Anschlag auf die Macht und Vorherrschaft der Kirche. Und um diesen abzuwehren, entwickelt er einen perfiden Plan: Innozenz erklärt die Glaubensgemeinschaft kurzerhand für „ungläubig“ und macht mit einem Federstrich mehr als Hunderttausend Menschen zu Vogelfreien. Damit nicht genug: Er nimmt die Ermordung eines päpstlichen Legaten (durch einen Katholiken) zum Anlass, um erstmals einen Kreuzzug auszurufen, der sich gegen Angehörige des eigenen Glaubens richtet – ein beispielloser Tabubruch. „So wird Gewalt herrschen, wo Sanftmut fruchtlos blieb“, schreibt der Papst. Sein Gesandter Arnaud Amaury wird noch deutlicher: „Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon erkennen.“ 

Egal ob Männer, Frauen oder Kinder

Die Ritter gehorchen und gehen mit brutaler Gründlichkeit vor: In Béziers werden 1209 alle 22.000 Einwohner, Katholiken wie Ketzer, Frauen wie Kinder, nach der Eroberung der Stadt, die die in ihren Mauern lebenden Katharer nicht ausliefern will, niedergemetzelt. Zwei Jahrzehnte lang tobt der Kreuzzug, bei dem Christen gezielt ihresgleichen auslöschen. Um sicherzugehen, dass alle Albigenser aus der Geschichte getilgt werden, wird 1212 die „Heilige Inquisition“ eingeführt – Universalwaffe der katholischen Kirche gegen unliebsame Gruppierungen. Ende des 13. Jahrhunderts ist das Ziel erreicht: Die letzte Hochburg ist gefallen, die Katharer sind vernichtet und bis heute fast vollständig aus dem kollektiven Bewusstsein gelöscht.

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