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Attentate

Operation „Gladio“: Baute die NATO Terrornetzwerk in Deutschland auf?

Operation „Gladio“: Baute die NATO ein Terrornetzwerk in Deutschland auf?

In den 1970er- und 1980er Jahren wurde Europa von rechtsextremen Terroranschlägen erschüttert. Blutiger Höhepunkt in Deutschland: das Oktoberfestattentat von 1980. Bis heute sind die genauen Hintergründe unklar – spielten womöglich geheime NATO-Armeen eine Rolle?

Foto: imago-Olaf-Wagner
Attentat aufs Münchner Oktoberfest am 26. September 1980: Welche Rolle spielten geheime NATO-Armeen? Fakt ist: Der angebliche "Einzeltäter" Gundolf Köhler war Mitglied der rechtsextremen "Wehrsportgruppe Hoffmann".
Foto: imago-Christian-Ditsch
Karl-Heinz Hoffmann: Der Neonazi gründete die nach ihm benannte Wehrsportgruppe, die 1980 aufgelöst wurde. Die Gruppe unterhielt Kontakte zu dem Rechtsextremisten Heinz Lembke, der in Norddeutschland riesige Waffenlager angelegt hatte.
Foto: imago-photothek
Insgesamt hatte Lembke 33 geheime Depots angelegt - darin befanden sich neben automatischen Waffen (Symbolfoto) und mehr als 14.000 Schuss Munition auch 50 Panzerfäuste, über 150 Kilogramm Sprengstoff und mehr als 250 Handgranaten in militärischer Qualität.
Foto: imago-Xinhua
Und hier kommt die NATO ins Spiel: Das Militärbündnis baute nach dem Zweiten Weltkrieg ein Netzwerk von Untergrundarmeen in ganz Westeuropa auf - sie agierten unter dem Namen "Stay Behind" oder "Gladio". Dazu gehörten auch Waffen- und Sprengstofflager, wie sie der Neonazi Heinz Lembke in Norddeutschland angelegt hatte. Ob Lembke zum Gladio-Netzwerk gehörte, ist unbekannt. Einen Tag vor seiner Vernehmung wurde er erhängt in seiner Zelle gefunden.
Foto: imago-ZUMA-Keystone
In Italien gab es in den 1970er und 1980er Jahren zahlreiche Bombenanschläge - darunter das Attentat auf den Bahnhof von Bologna am 2. August 1980. Erst wurde die Schuld dafür linksextremen Gruppen zugeschoben. Später stellte sich jedoch heraus, dass neofaschistische Gruppen verantwortlich waren. Bei den Ermittlungen zu den Anschlägen kamen die Italiener auf die Spur einer antikommunistischen Untergrundarmee namens Gladio.
Foto: imago-Sven-Simon
Im Jahr 1990 machte der damalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti die Existenz von Gladio in Westeuropa öffentlich. Die NATO dementierte dies zunächst, ruderte dann aber einige Tage später zurück und gab eine Stellungnahme heraus, dass sie sich nicht zu geheimen Operationen äußern würde.
Foto: imago-Rupert-Oberhaeuser
Und so ist bis heute unklar, welche Verbindungen es zwischen den geheimen Untergrundarmeen der NATO und menschenverachtenden Bombenattentaten von Rechtsterroristen in Europa gab.

Paramilitärische Geheimorganisation der NATO

Geheime Waffenverstecke, Netzwerke im Untergrund und Guerillakämpfer: In Westeuropa bestand eine paramilitärische Geheimorganisation der NATO, deren Netzwerke ab 1950 von der CIA und dem britischen MI6 im Verbogenen aufgebaut wurden. Ihr Auftrag: Sollte die Sowjetunion Westeuropa überrollen, würden diese Kämpfer zurückbleiben und den Feind von innen heraus bekämpfen. Erst 1990 wird diese Organisation als „Gladio“ bekannt, nachdem ihre Kämpfer in Italien an Terroranschlägen beteiligt waren. Aber welche Rolle spielte Gladio in Deutschland? Wie baute die NATO die Gladio-Zellen in der Bundesrepublik auf? Wer waren die Drahtzieher im Hintergrund?

Bis heute gibt es zu diesen Fragen unzählige Spekulationen – Welt der Wunder konnte mit einem beteiligten Zeitzeugen über eines dieser Projekte sprechen, mit General Franz Uhle-Wettler, damals verantwortlicher Abteilungsleiter im Führungsstab der Streitkräfte der Bundeswehr. Ein Interview, das die wahren Ausmaße der Gladio-Operationen deutlich macht: „Ich bekam 1978 einen seltsamen Anruf aus dem NATO-Hauptquartier in Brüssel. Ein britischer General vereinbarte mit mir einen Termin zu einem geheimen Gespräch. Dabei ging es um den sogenannten General Defense Plan. Dieser sah vor, einen sowjetischen Angriff erst etwa 30 bis 50 km innerhalb der deutschen Grenzen aufzufangen.

Der General hatte den Auftrag, in dieser Verzögerungszone geheime Waffenlager, Funkgeräte, Verpflegung einzulagern und Leute anzuwerben, die dann, wenn dieses Gebiet in sowjetische Hand gefallen ist, aktiv werden. Ich sollte dies mitorganisieren“, sagt Uhle-Wettler. Er lehnte das Anliegen des britischen Generals ab. Die sogenannten Stay-Behind-Operationen fanden jedoch auch ohne den Bundeswehrgeneral in Deutschland statt . . . 

Wer steckt hinter dem Attentat auf das Oktoberfest?

Das Münchner Oktoberfest 1980: Eine Explosion am Eingang reißt 13 Menschen in den Tod. Der Täter Gundolf Köhler, Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann, soll offiziell als Einzeltäter gehandelt haben, doch traten bei den Ermittlungen auch Erkenntnisse über geheime Waffenlager des Rechtsextremen Heinz Lembke zutage. Noch im Untersuchungsgefängnis verriet Lembke die Lage seiner 33 Waffen- und Sprengstoffdepots: Sie befanden sich in Uelzen und der Lüneburger Heide, also genau dort, wo die Briten mit den deutschen Spezialeinheiten jahrelang den Guerillakrieg gegen eine mögliche kommunistische Invasion geübt hatten. Nur ein Zufall? Hauptberuflich arbeitete Lembke zudem als Förster. Ein weiteres passendes Puzzlestück, denn laut Franz Uhle-Wettler suchten die Gladio-Truppen in Deutschland nach genau diesen Leuten für ihre Untergrundarmee: „Da sollten Zivilisten angeworben werden, vor allem Förster und solche Leute.“ Das bestätigen inzwischen auch die Chroniken der beteiligten Teile der britischen Rheinarmee, ganze Einheiten waren für einen solchen Guerillakrieg vorgesehen und übten ihn intensiv.

Fakt ist: Für einen einzelnen Förster waren die Waffendepots entschieden zu umfangreich: Unter anderem fanden die Ermittler automatische Waffen, 14.000 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste, 156 Kilogramm Sprengstoff, 230 Sprengkörper und 258 Handgranaten. Die Menge und Qualität der gefundenen militärischen Ausrüstung deuten laut Historiker Daniele Ganser auf eine Verbindung Lembkes zu Gladio hin. Dies konnte jedoch nie geklärt werden, da Lembke am 1. November 1981, einen Tag vor seiner Vernehmung, erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde. Zuvor hatte er angekündigt, umfangreiche Aussagen über seine Hintermänner abzugeben.

Und so wurden die wahren Drahtzieher der Untergrundarmee von Gladio bis heute nicht gefasst. Was bleibt sind jedoch die Erinnerungen von Zeitzeugen wie General Franz Uhle-Wettler – und die Ansammlung von Fakten, die, ähnlich wie Puzzlestücke, zusammengefügt ein klares Bild ergeben.

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