Voller Zuversicht macht sich der Küchengehilfe Nguyen Tat Thanh im Juni 1919 auf den Weg zur Versailler Friedenskonferenz. Der junge Vietnamese hat sich extra einen Anzug geliehen, um zum mächtigsten Staatschef der Welt vorgelassen zu werden – US-Präsident Woodrow Wilson. Nguyens Ziel: sein Land vom Einfluss der französischen Kolonialmacht zu befreien. Dafür will er Wilson eine Petition überreichen, in der ein unabhängiges und demokratisches Vietnam gefordert wird.
Der US-Präsident gilt in diesen Tagen für viele unterdrückte Länder als Hoffnungsträger – hat er doch kürzlich in einer Rede den Ersten Weltkrieg auf die „Missachtung der Rechte von kleinen Nationen und Völkern“ zurückgeführt. Doch aus der ersehnten Begegnung wird nichts – denn Wilson lehnt ein Treffen ab. Enttäuscht wendet sich der 29-Jährige einer anderen Ideologie zu, die sich gerade in Russland ausbreitet: dem Sowjet-Kommunismus. Er trifft sich sogar mit Stalin, der ihn – anders als Wilson – empfängt.