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Heimlicher Killer: Wie Zucker zur tödlichen Droge wird

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Heimlicher Killer: Wie Zucker zur tödlichen Droge wird

Obwohl jeder weiß, dass Zucker nicht wirklich gesund ist, essen wir viel zu viel Süßes: 36 Kilo puren Zucker verputzt der Durchschnittsdeutsche pro Jahr. Wissenschaftler warnen: Zucker kann ernsthaft süchtig machen – und wirkt im Gehirn ganz ähnlich wie Kokain oder Heroin.
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Zucker gilt als wichtiger Energielieferant und versüßt in mannigfaltiger Erscheinungsform unser Leben. Aber ist er tatsächlich so ungefährlich, wie es die Lebensmittelindustrie behauptet? Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine drastische Reduzierung des täglichen Zuckerkonsums. Und zahlreiche Wissenschaftler warnen immer lauter: Zucker verursacht nicht nur zahlreiche schmerzhafte und tödliche Krankheiten – sondern programmiert sogar unser Gehirn um wie eine Droge.

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Experimente mit Ratten zeigen: Zucker macht uns zum Junkie. Die American Psychiatric Association definiert Sucht anhand von drei Säulen: Rausch, Entzug und Verlangen. Experimente mit Ratten konnten belegen: Zucker erfüllt alle drei Kriterien.

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Der exzessive Zuckerkonsum führt nicht nur zum Rausch, sondern steigert auch das Verlangen. Denn nach dem Verzehr werden körpereigene Opioide ausgeschüttet. Wie Kokain löst der Süßstoff eine regelrechte Explosion im Belohnungszentrum unseres Gehirns aus. Unzählige biochemische Botenstoffe signalisieren: „Guter Stoff – mehr davon“! Auf Dauer verändern sie sogar das Gehirn selbst.

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Zucker manipuliert nicht nur unsere Hirnzellen: Ein hoher Zuckerkonsum greift auch in die Verdauung ein, erhöht die Produktion von Insulin im Körper, was zum Wachstum von Krebszellen in der Bauchspeicheldrüse beiträgt. Und das vermeintlich süße Leben hat noch viele weitere Auswirkungen auf unsere Gesundheit, von denen die meisten Menschen nichts ahnen.

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Eine Studie konnte tatsächlich belegen, dass bereits zwei Gläser gesüßte Limonade am Tag das Risiko, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu bekommen, um 87 Prozent erhöhen.

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Versteckter Zucker lauert in zahlreichen Lebensmitteln. Und gerade auch Fastfood kurbelt zunächst die Produktion von Glückshormonen an. Auf Dauer aber sprechen diese nicht mehr darauf an – das Gehirn verlangt nach immer mehr.

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Wir alle lieben Süßes: Schokolade, Gummibärchen, Torte & Co. gelten als Glückslieferanten oder Anti-Frust-Futter. Doch allein in den letzten fünfzig Jahren hat sich der weltweite Zuckerkonsum verdreifacht: 165 Millionen Tonnen Zucker werden weltweit konsumiert – 30 Millionen Tonnen allein in Europa. Wenn jedes Jahr bis zu 35 Millionen Menschen an den Folgekrankheiten übermäßigen Zuckerkonsums sterben, wird der süße Quell der Freude tatsächlich zu einem der gefährlichsten Gifte unserer Zeit.

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Diabetes und Karies sind wahrscheinlich die bekanntesten Krankheiten, die sich auf einen zu hohen Zuckerkonsum zurückführen lassen. Ihren Vorschlag, den Zuckerkonsum drastisch zu reduzieren, begründen die WHO-Experten damit, dass weniger Zucker die Gefahr von Fettleibigkeit und Karies verringere.

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Die Stevia-Pflanze ist nur einer unter mehreren Zuckerersatzstoffen. Lange war Stevia als Süßungsmittel umstritten. Seit 2011 ist es auch von der EU als Zuckerersatz zugelassen. Das aus Südamerika stammende Süßkraut hat gegenüber Haushaltszucker eine 300-fache Süßkraft – bei quasi null Kalorien. Als Zusatzstoff E 960 darf Stevia inzwischen in Lebensmitteln verwendet werden.

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Keine Frage: Frisches Obst ist gesund. Aber es enthält auch reichlich ungesunde Fruktose. Frische Beeren enthalten vergleichsweise wenig Fruchtzucker – perfekt bei akutem Heißhunger auf Süßes.

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Damit die „Droge Zucker“ nicht zum todbringenden Killer wird, gilt wie so oft: Weniger ist mehr. Maßvoller Genuss statt Heißhungerattacken machen glücklicher und zufriedener – und sind in jedem Fall gesünder.

Der Hintergrund: Zucker macht dick, krank – und süchtig. Ähnlich wie Alkohol und Nikotin gilt Zucker unter Experten längst nicht mehr als harmloses Genussmittel, sondern als gesundheitsgefährdender Stoff, der zu Abhängigkeit oder gar Sucht führt. Die Weltgesundheitsorganisation hat ihre bisherigen Empfehlungen zum Zuckerkonsum deutlich nach unten korrigiert. Demnach sollte Zucker maximal fünf Prozent der täglichen Kalorien liefern.

Diese Empfehlung schließt jede Art von Zucker ein, die Nahrungsmitteln zugesetzt wird, außerdem Honig, Sirup und Süßungsmittel in Fruchtsäften. Der in Obst enthaltene Zucker wird dagegen nicht auf den Wert angerechnet. Das bedeutet: Die Menschen in westlichen Industrieländern müssten auf etwa zwei Drittel ihrer üblichen Tageszufuhr an Zucker verzichten, um diesen Zielwert zu erreichen.

Eines der gefährlichsten Gifte unserer Zeit

Etliche Studien zeigen Parallelen auf zwischen dem Heißhunger auf Schokolade oder Eis und dem Verlangen nach dem nächsten Drogenkick. Schon Kinder werden auf Abhängigkeit programmiert – und zwar bereits im Mutterleib. Immer mehr Menschen leiden an den Folgen übermäßigen Zuckerkonsums. Wissenschaftler warnen vor tödlichen Folgen wie Übergewicht, Herzinfarkt, Diabetes, Alzheimer oder Krebs. Unterm Strich fordert der „heimliche Killer“ Zucker mehr Todesopfer als das Rauchen. Manchen Experten gilt Zucker inzwischen als eines der gefährlichsten Gifte unserer Zeit.

Als wichtigen Energielieferanten braucht unser Körper Zucker aber durchaus: Deshalb macht Zucker den Großteil der Energie aus, die wir mit der Nahrung zu uns nehmen. Allerdings kommt es dabei auf die Menge und die Qualität an: Während die Menschen im 19. Jahrhundert durchschnittlich nur zwei Kilo reinen Zucker pro Kopf und Jahr verzehrten, sind es heute in Deutschland ganze 36 Kilo, in Österreich 37 Kilo und satte 59 Kilo in der Schweiz. Eine weitere erschreckende Zahl: Mit durchschnittlich 50,9 Kilo pro Jahr verzehren Kinder weitaus den meisten Zucker. Durch übersüßte Industrie-Lebensmittel werden sie quasi zu Zucker-Junkies erzogen. Nicht nur die Bandbreite an süßen Versuchungen treibt den Zuckerkonsum in die Höhe: In nahezu allen Produkten der Lebensmittelindustrie verstecken sich Zuckerzusätze. Manipuliert mit billigen Grundstoffen sorgen sie für ein optimales Geschmackserlebnis – und machen Konsumenten süchtig.

Wird der Körper permanent mit Zucker überfüttert, hat dies nicht nur ständige Hungerattacken zur Folge: Tatsächlich kommt es mit der Zeit zu suchtartigen Veränderungen des Gehirnstoffwechsels. Eine häufige Lust auf Süßes, das regelmäßige Naschen zwischendurch, wiederkehrende Lust auf Fruchtsäfte oder Süßgetränke können ernstzunehmende Warnsignale für eine Zuckersucht sein. Stimmungsschwankungen, Druck- oder Spannungsgefühle im Bauch, Ein- und Durschlaf-Schwierigkeiten, Nervosität und Unruhezustände gelten ebenfalls als Hinweise. Experten erklären die Symptome damit, dass die Beziehung von Gehirn und Zucker auf komplexen Netzwerken beruht, die über Stimmung und unseren Stoffwechsel entscheiden.

Die Drohgebärden der Süßwarenindustrie

Im Lauf der menschlichen Evolution war Zucker ein wichtiger – und vor allem seltener – Energieträger. Heute ist er zu einem billigen Grundnahrungsmittel geworden, das ständig verfügbar und unbegrenzt haltbar ist. In den letzten fünfzig Jahren hat sich der Zuckerverbrauch weltweit verdreifacht. Inzwischen haben die Vereinten Nationen zum Kampf aufgerufen gegen die neue „Geißel der Menschheit“. Die bisherigen Empfehlungen der WHO zum Zuckerkonsum sind inzwischen mehr als zehn Jahre alt. Als die Experten damals vorschlugen, weniger als zehn Prozent der täglichen Kalorien als Zucker zu konsumieren, lief die Süßwarenindustrie Sturm. Sie drängte den US-Kongress, mit der Streichung von Geldern für die WHO zu drohen. Allerdings wurde die Zahl dann doch in die offizielle Empfehlung aufgenommen.

Wer gewöhnlichen Haushaltszucker von Tisch und Teller verbannt, muss jedoch auf nichts verzichten: Mithilfe einer stoffwechselgerechten Ernährungsweise kann eine langfristige Umstellung und Zuckerentwöhnung gelingen. Bewusst weniger Zucker und Süßigkeiten zu essen ist der erste Schritt, um sich langfristig von der Zuckersucht zu befreien.

Eine konsequente Zuckerentwöhnung und Normalisierung des Stoffwechsels dauert rund drei Monate. Im Vergleich zu zusätzlichen gesunden und glücklichen Lebensjahren ohne tödliche Folgekrankheiten des Zuckerkonsums erscheint diese Zeitspanne jedoch als kurze und realistische Investition in die eigene Lebensqualität.

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