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Fußballstar Musiala kollabiert: Was sind Absencen?

Foto: Envato / Zinkevych_D

Was sind Absencen?

Der FC-Bayern-Star Jamal Musiala ist gestern bei einem Testspiel benommen zu Boden gegangen – bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage. Kurz darauf gab er auf Instagram bekannt, dass er unter einer neurologischen Dysfunktion leidet. Der wissenschaftliche Name dafür lautet Absencen.

Was ist eine Absence?

Eine Absence ist ein kurzer epileptischer Anfall. In der Fachsprache wird dieser auch als „Petit mal“ (kleines Übel) bezeichnet. Es kommt zu einer plötzlichen, kurzen Unterbrechung des Bewusstseins. Diese kann sich äußern, indem eine betroffene Person mitten in einer Bewegung oder einem Satz innehält und ihre Umgebung für einige Sekunden nicht wahrnimmt. Ansprechen und Berühren führen in der Regel zu keiner Reaktion. Absencen werden als neurologische Dysfunktion eingestuft.

In der Regel setzt die Person nach dem Anfall ihre Tätigkeit nahtlos fort. In der Regel bleibt keine bewusste Erinnerung an den sekundenlangen Aussetzer bestehen. Die kurze Dauer der Anfälle erklärt, warum Absencen oft lange unentdeckt bleiben – besonders bei Kindern im Schulalter.

Woran erkennt man eine Absence?

Bei manchen Betroffenen treten zusätzliche Anzeichen wie leichtes Blinzeln, kleine Muskelzuckungen oder Kaubewegungen auf. Diese Begleitsymptome fallen im Alltag oft nicht auf. Die meisten Betroffenen werden erst dann mit Absencen diagnostiziert, wenn solche Symptome mehrfach am Tag auftreten.

Eine Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn

Absencen entstehen durch kurze, übermäßige elektrische Entladungen im Gehirn. Diese Störung legt die bewusste Wahrnehmung kurzzeitig lahm, ohne dass es zu Krämpfen oder heftigen Muskelbewegungen kommt.

Die genaue Entstehung dieser kurzzeitigen elektrischen Störungen ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren gemeinsam wirken.

Eine wichtige Rolle scheint eine genetische Veranlagung zu spielen, durch die bestimmte Nervenzellnetzwerke im Gehirn besonders anfällig für die charakteristischen Entladungen sind. Hinzu kommen individuelle Besonderheiten bei der Verarbeitung und Weiterleitung elektrischer Signale im Nervensystem. Warum es bei manchen Menschen zu diesen ungewöhnlichen Entladungen im Gehirn kommt, wird aktuell noch erforscht.

Wer ist besonders betroffen?

Absencen treten besonders häufig bei Kindern auf, da sich das Gehirn in dieser Lebensphase noch entwickelt und die Netzwerke, die elektrische Signale zwischen den verschiedenen Hirnregionen koordinieren, noch Veränderungen unterliegen. Bei bestimmten genetischen Veranlagungen können diese Netzwerke vorübergehend eine ungewöhnlich synchrone elektrische Aktivität zeigen, die eine Absence auslöst.

Typische Absence-Epilepsien beginnen deshalb meist im Schulalter. Bei vielen Betroffenen werden die Anfälle im Jugendalter wieder deutlich seltener oder verschwinden sogar ganz. Geschwister von betroffenen Kindern tragen ein erhöhtes Risiko, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Bei Erwachsenen sind Absencen deutlich seltener.

Wie diagnostizieren Ärzte Absencen?

Eine wichtige Grundlage einer Absencen-Diagnose ist vor allem ein Elektroenzephalogramm (EEG). Bei diesem Verfahren werden die Hirnströme gemessen und die für Absencen typischen Veränderungen aufgezeigt. Ergänzend werden häufig eine Videoaufzeichnung des Anfalls sowie eine ausführliche Befragung der Betroffenen durchgeführt.

Mithilfe bildgebender Verfahren wie einer Computertomografie oder einer Magnetresonanztomografie können zudem andere Ursachen für die Aussetzer ausgeschlossen werden.

Können Absencen tödlich sein?

Absencen selbst sind in der Regel ungefährlich. Ein typischer Fall dauert nur wenige Sekunden, endet von selbst und geht weder mit Atemaussetzern noch mit starken Krämpfen einher. Dennoch können die kurzen Bewusstseinsstörungen gefährlich werden, da Betroffene währenddessen ihre Umgebung nicht richtig wahrnehmen und auf Gefahren nicht reagieren können. Das ist beispielsweise im Straßenverkehr, beim Schwimmen oder Baden, auf Treppen sowie bei der Arbeit mit Maschinen oder in großer Höhe besonders riskant.

Problematisch werden Absencen insbesondere, wenn eine Absence-Epilepsie nicht richtig behandelt wird oder sich die Anfälle verändern und längere oder andere Anfallsformen hinzukommen.

Absencen sind gut behandelbar

In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung mit Antiepileptika. Diese Medikamente senken die Wahrscheinlichkeit für die auslösenden elektrischen Fehlfunktionen im Gehirn. Durch eine passende medikamentöse Behandlung erleben viele Betroffene deutlich weniger bis gar keine Anfälle mehr. Musiala selbst betonte in seinem öffentlichen Statement, dass seine Absencen „temporär, kurz und gut behandelbar“ seien und er sich in bester medizinischer Betreuung befinde.

Definitionen und Begriffserklärungen

Absence

Ein kurzer epileptischer Anfall ohne Krämpfe, bei dem das Bewusstsein für wenige Sekunden aussetzt. Die betroffene Person starrt ins Leere und reagiert nicht auf Ansprache.

Petit mal

Die ältere, aus dem Französischen stammende Bezeichnung für eine Absence. Sie bedeutet wörtlich „kleines Übel“ und grenzt die Anfallsform vom „Grand mal“, dem großen Krampfanfall, ab.

Neurologische Dysfunktion

Eine neurologische Dysfunktion bezeichnet eine Funktionsstörung im Nervensystem. Bei Absencen führt sie zu kurzzeitigen, unregelmäßigen elektrischen Entladungen im Gehirn.

Häufig gestellte Fragen zu Absencen

Wie lange dauert eine Absence?

Eine Absence dauert meist nur fünf bis zehn Sekunden und endet von selbst.

Ist eine Absence gefährlich?

Eine Absence gilt als milde Anfallsform und lässt sich in den meisten Fällen gut mit Medikamenten kontrollieren.

Wer bekommt am häufigsten Absencen?

Am häufigsten treten Absencen bei Kindern im Grundschulalter auf, wobei die Anfälle bei vielen Betroffenen mit der Pubertät wieder verschwinden.

Was passiert im Gehirn während einer Absence?

Nervenzellen feuern für wenige Sekunden zu stark, anstatt geordnet Signale weiterzuleiten. Diese elektrische Störung unterbricht kurzzeitig die bewusste Wahrnehmung.

Können Außenstehende eine Absence erkennen?

Typische Anzeichen sind ein plötzliches Innehalten, ein leerer Blick und fehlende Reaktion auf Ansprache oder Berührung. Manchmal kommen leichtes Blinzeln oder Muskelzucken hinzu.

Wie werden Absencen diagnostiziert?

Die wichtigste Untersuchung ist ein Elektroenzephalogramm (EEG), das typische Veränderungen der Hirnströme sichtbar macht. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie zum Einsatz.

Verschwinden regelmäßige Absencen von selbst wieder?

Bei vielen Kindern verschwindet die Absence-Epilepsie im Verlauf der Pubertät vollständig. Bei Erwachsenen tritt diese Anfallsform seltener auf und kann in manchen Fällen bestehen bleiben.

Kann man mit Absencen Leistungssport betreiben?

Der Fall von Jamal Musiala zeigt, dass dies unter fachärztlicher Betreuung möglich ist. Voraussetzung ist eine gute medikamentöse Einstellung und die Freigabe durch Neurologen.

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