Frage der Woche

Warum haben wir Angst vor Spinnen?

Die Angst vor Spinnen ist so tief verwurzelt, dass sich Betroffene kaum dagegen wehren können. Doch wie entsteht die Phobie?

Angst vor Spinnen

© iStock/AliciaEBoyce

Möglicherweise ist die in der Fachsprache als Arachnophobie bezeichnete Spinnenangst nur ein Erbe der Evolution, ähnlich wie die Angst vor Dunkelheit. Für unsere Vorfahren war es überlebenswichtig, giftigen Tieren wie Spinnen oder Skorpionen mit gebührender Vorsicht zu begegnen. Doch auch heute noch hat schätzungsweise jeder vierte Deutsche Angst vor Spinnen, sechzig Prozent davon sind Frauen.

Das Unterbewusstsein schlägt Alarm

Schuld daran ist die Amygdala, eine mandelförmige Struktur im Gehirn. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der emotionalen Bewertung von Situationen und ist wesentlich an der Entstehung von Angst beteiligt. Entdeckt man also eine Spinne, wird das Unterbewusstsein aktiv, noch bevor das Bild im Großhirn bewusst verarbeitet wird. Es werden Hormone ausgeschüttet, Panik bricht aus. Die Muskeln spannen sich an und der Körper ist bereit zur Flucht.

Da bestimmte Urängste seit Jahrtausenden existieren, sitzen sie wesentlich tiefer verankert als vergleichsweise moderne Ängste – etwa vor Autos im Straßenverkehr. Auch die Erziehung spielt eine Rolle: Wenn Eltern Angst vor Spinnen haben, werden meist auch ihre Kinder den Achtbeinern eher skeptisch gegenübertreten. Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst Kinder, die noch keine schlechten Erfahrungen mit Spinnen gemacht haben, mit Panik reagieren, sobald sich diese nähern. Es folgten Reaktionen wie Angstschweiß und leichtes Herzrasen.

Ein Phänomen der westlichen Kultur

Die Arachnophobie ist allerdings kein globales Phänomen. Außerhalb der westlichen, christlich geprägten Kulturen ist die Spinnenangst kaum verbreitet. Ganz im Gegenteil: Einige Naturvölker verehren bestimmte Spinnen sogar als göttliche Wesen. Bei uns hingegen werden Spinnen tendenziell als böse oder dämonisch verdammt. Hier galten sie über Jahrhunderte als Überträger der Pest und wurden mit Tod und Teufel assoziiert.

Problematisch wird die Arachnophobie, wenn sie krankhafte Ausmaße annimmt. Wer nicht mehr in die Garage oder den Keller geht, weil er Angst vor Spinnen hat, sollte sich dringend professionell helfen lassen. In Spezialkliniken kann die Angst vor Spinnen erfolgreich therapiert werden.

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