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Alternative Verhütungsmethoden: Wie geht hormonfreie Verhütung?

Verhütung: Alles Pille-palle?

Darstellung eines Uterus und darauf verteilten Antibabypillen als Symbol für Verhütungsmittel mit Hormonen, deren Wirkung im weiblichen Körper und natürliche Verhütung ohne Hormone

Hormonelle Verhütung ist längst nicht mehr das erste Mittel der Wahl. Junge Frauen suchen vermehrt nach Alternativen zur Antibabypille, um den weiblichen Zyklus nicht zu sehr zu verändern. Sicher und zuverlässig sollten die alternativen Verhütungsmethoden dennoch sein.

Von Lisa Rupp

Darstellung eines Uterus und darauf verteilten Antibabypillen als Symbol für Verhütungsmittel mit Hormonen, deren Wirkung im weiblichen Körper und natürliche Verhütung ohne Hormone
LightFieldStudios / Envato

Hormonelle Verhütung wirkt auf das komplexe System des Menstruationszyklus. Sind alternative Methoden besser?

Hormonfreie Verhütung ist gefragter denn je. Die aktuellsten Zahlen der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) stammen von 2018 und zeigen: Die Pille ist zwar mit 47 Prozent noch immer die meistgenutzte Verhütungsmethode unter den sexuell aktiven 18- bis 49-Jährigen. Allerdings verliert sie zunehmend an Beliebtheit.

Im Vergleich zu einer vorangegangenen Befragung aus dem Jahr 2011 nutzen sechs Prozent weniger die Pille zur Empfängnisverhütung. Gleichzeitig verhüten mehr sexuell aktive Personen mit dem Kondom: Mit 46 Prozent belegte das Kondom Platz Zwei im Ranking der meistgenutzten Verhütungsmittel. Ein Plus von neun Prozent im Vergleich zur Erhebung von 2011. Die Barrieremethode schützt vor ungewollter Schwangerschaft und zugleich vor Geschlechtskrankheiten.

Hormone, Zyklus und Verhütung: Darum geht es

Die Pille ist ein Sammelbegriff für Hormonpräparate zum Schlucken, die eine Schwangerschaft verhindern. Mit der Pille werden dem Körper die Hormone Östrogen und Gestagen zugeführt. Sie wirken auf Prozesse während des Zyklus, sodass die Voraussetzungen für eine Befruchtung der Eizellen erst gar nicht eintreten. Pillen zur Empfängnisverhütung variieren in ihrer Zusammensetzung und damit auch in ihrer Wirkweise sowie Verträglichkeit.

Der Menstruationszyklus ist ein komplexes Zusammenspiel aus Hormonen im Körper: Sie lassen Eizellen heranreifen, bereiten den Uterus auf eine Empfängnis vor und machen alles wieder rückgängig, wenn keine Befruchtung stattgefunden hat. Der Zyklus beginnt aufs Neue. Eine Kettenreaktion, bei der alles präzise aufeinander abgestimmt ist.

Wie hormonelle Verhütung auf den Körper wirkt

Hormonelle Verhütungsmethoden wie die Pille, der Verhütungsring oder die Hormonspirale verändern diesen Ablauf. Je nach Zusammensetzung und Wirkweise bringen diese die körpereigenen Hormone aus dem Takt oder verhindern ihren Einsatz. Die Voraussetzungen für eine Schwangerschaft sind dadurch nicht gegeben. Die Präparate beeinflussen allerdings nicht nur die Vorgänge in Uterus und Eileiter.

Hormone übernehmen Funktionen im gesamten Körper und beteiligen sich an unterschiedlichen Prozessen. Gerät das Gleichgewicht in der Abteilung für Fortpflanzung ins Wanken, beeinflusst das auch andere Bereiche. Veränderungen bei Haut, Haaren, Gewicht, Stimmung, Lustempfinden, Menstruationsschmerzen und mehr sind möglich – und nicht immer zum Nachteil.

Warum die Pille unbeliebter wird

Reineres Hautbild, größerer Brustumfang, weniger Schmerzen während der Periode oder ein Ausbleiben der Monatsblutung sind für manche eine erstrebenswerte Begleiterscheinung. Andere profitieren gesundheitlich von der Zugabe der Sexualhormone – zum Beispiel bei Endometeriose. Wieder andere berichten von starken Nebenwirkungen: kein Gefühl für den eigenen Körper, extreme Stimmungsschwankungen oder kaum emotionale Regungen, schwache Libido und mehr. Zudem steigt das Risiko einer Thrombose, die schlimmstenfalls tödlich enden kann.

Ein reger Austausch und Erfahrungsberichte in Kommentarspalten und im privaten Umfeld kratzen außerdem am Image der Antibabypille. Insbesondere steht in der Kritik, dass die betreuenden Ärzte und Ärztinnen die teils jungen Patientinnen nicht richtig aufklären. Zu früh würde ein vermeintlich beliebiges Präparat verschrieben. Bei Unverträglichkeit ein nächstes und so weiter.

Hormonfreie Verhütung: Sind Alternativen zur Pille sicher?

Um die Sicherheit aller Verhütungsmethoden einzuordnen, wurde der Pearl-Index entwickelt. Er gibt an, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres trotz der gewählten Methode schwanger wurden. Je näher der Wert bei Null liegt, desto verlässlicher ist eine Verhütungsmethode. Die Zahlen variieren. Angaben von Herstellern beziehen Anwendungsfehler häufig nicht mit ein. Studien hingegen können diese nicht ausschließen. Der Pearl-Index dient daher nur als Orientierung und zur ersten Einschätzung.

Nach Angaben der Beratungsstelle für sexuelle Aufklärung Pro Familia liegt der Wert von Hormonpillen je nach Präparat bei 0,1 bis 0,9 und 0,5 bis 3. Das Kondom hat einen Pearl-Index von zwei bis zwölf. Die Kalendermethode leitet die Zyklusphase durch das Zählen einzelner Tage ab. Ihr Indexwert liegt bei neun. Im Vergleich zu Hormonpräparaten stuft der Pearl-Index diese Alternativen als unzuverlässiger ein. Allerdings: Die symptothermale Methode erhält einen Wert von 0,4 bis 1,8 und ist demnach sicher. Diese Art der Verhütung basiert auf Beobachtung und kombiniert einige Methoden.

Natürliche Verhütung: Körper und Zyklus kennen

Bei dieser Art der Verhütung spricht man auch von NFP – Natürliche Familienplanung. Der Menstruationszyklus besteht aus mehreren Zeitabschnitten. Menstruationsblutung, die Follikelphase, der Eisprung und die Gelbkörper- oder Lutealphase machen sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar. Die Temperatur steigt mit dem Eisprung leicht an und bleibt um etwa 0,5 Grad Celsius erhöht, bis die Monatsblutung einen neuen Zyklus einläutet. Der Zervixschleim wird am Gebärmutterhals gebildet. Er verändert seine Konsistenz von eiweißartig, klebrig und Fäden ziehend zu flüssig und durchlässig an fruchtbaren Tagen. Hinzu kommen individuelle Körpersignale: Stimmung und Appetit, Verdauung und Hautbild können auf die Zyklusphasen hindeuten.

Wer sich täglich mit dem eigenen Köper auseinandersetzt, die Zeichen beobachtet und dokumentiert, erkennt nach und nach die Phasen: die fruchtbaren Tage vor und während des Eisprungs, die unfruchtbare zweite Zyklushälfte. Bücher, Apps und sogenannte Zyklus-Computer oder Femtech-Gadgets erleichtern das Erfassen und die Dokumentation. Letztere ermitteln die Temperatur, erkennen bei täglicher Anwendung Muster und können den Beginn der Zyklusphasen vorhersagen.

Verhüten ohne Hormone und ohne Aufwand?

Trotz moderner Hilfsmittel erfordert die symptothermale Methode Konsequenz. Wer nachlässig wird, kann sich nicht mehr auf die Auswertung verlassen. Alternativen zu NFP, die dennoch ohne Hormonzugabe arbeiten, sind die Kupferspirale oder Kupferkette. Sie werden bei einem ambulanten Eingriff in den Uterus eingesetzt und wirken im Schnitt fünf Jahre. Sie geben kleinste Mengen an Kupferionen ab. Diese verlangsamen Spermien, sodass eine Befruchtung unwahrscheinlich wird. Zudem stört das Kupfer den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich eine Eizelle nicht einnisten könnte.

Den Pearl-Index für Kupferimplantate liegt bei 0,3 bis 0,8. Nebenwirkungsfrei ist diese Methode jedoch nicht. Die Regelblutung kann stärker und länger auftreten, die Schmerzen werden möglicherweise intensiver. Bekannt sind außerdem Entzündungen im Unterleib, die ohne Behandlung zur Unfruchtbarkeit führen können.

Die Qual der Wahl: Wie am besten verhüten?

Eine pauschale Antwort auf die Verhütungsfrage gibt es nicht. Es spielen zu viele Faktoren eine entscheidende Rolle: Lebensstil und Umsetzbarkeit, Risikobereitschaft und Verträglichkeit. Ein Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten hilft bei der Entscheidung – vorausgesetzt, sie nehmen sich die Zeit, alle Optionen sowie die Risiken und Nebenwirkungen ausführlich zu besprechen.

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