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Die Geburtsstunde der österreichischen Bergrettung

Foto: H. Nothnagl

Bergrettung: Wie ein Unglück vor 125 Jahren zur Gründung führte

Hätten Sie gewusst, dass ein tragisches Lawinenunglück in der Hochsteiermark mit drei toten Wienern 1896 den Ausschlag zur Gründung der ersten alpinen Rettungsorganisation der Welt gegeben hat?

Eine spontane Rettungsaktion kam für drei verschüttete Bergsteiger zu spät

Die Wiener Bergsteiger Josef Pfannl, Max Schottik und Fritz Wannieck fallen am 8. März 1896 am Reißtalersteig an der hochsteirischen Rax einer Lawine zum Opfer. Da die spontan einberufene Rettungsaktion mit einer wild zusammengewürfelten Gruppe an bergaffinen Helfern aus der Umgebung keinen Erfolg hatte, war eines schnell erkennbar: Eine organisierte Bergrettung war nötig. Keine drei Tage später war die Idee für den Österreichischen Bergrettungsdienst geboren.

Dabei waren es auch hier insbesondere die Wiener, die sich um den Aufbau der neuen Rettungseinheiten kümmerten. War es doch unter den damaligen Adeligen und höherklassigen Bürgern aus Wien sowie Graz damals sehr angesagt, die Gipfel der Region zu erklimmen. Und so wurde 1897 der „Alpine Rettungs-Ausschuss Wien“ – wie er wenig später hieß – zum Vorläufer der heutigen österreichischen Bergrettung.

Vom zufälligen Fußtrupp zu organisierten Bergrettern

Durch das Unglück vom März 1896 aufgerüttelt, gründeten die alpinen Vereine die ersten sieben Ortsstellen der Bergrettung  – eine davon bereits im gleichen Jahr am Unfallort in Mürzzuschlag. Die verschiedenen Einsatzorganisationen mit den einzelnen Lokalstellen entwickelten sich nach und nach als erkannt wurde, dass es durch den vermehrt wachsenden Alpinismus und Fremdenverkehr nötig wurde, eine professionelle Rettungsorganisation aufzustellen.

Ob Sommer oder Winter: Heute, mehr als 125 Jahre später, rückt die österreichische Bergrettung zu rund 10.000 Rettungseinsätzen im Jahr aus. Die rund 13.000 ehrenamtlichen Retter sowie 230 Such- und Lawinenhunde sind in einem Bundesverband und 7 Landesorganisationen organisiert und landesweit auf 291 Ortsstellen verteilt. Einsatzbereit sind sie 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag.

Der im Jahre 1896 noch bunt zusammengewürfelte Fußtrupp wurden von bestens ausgebildeten und ausgestatteten Bergrettern abgelöst. Diese können heute im Ernstfall in Zusammenarbeit mit der Alpin- und Flugpolizei, Rettungsdiensten und Notrufleitstellen auf hochmoderne technische Möglichkeiten und unbegrenzte Mannstärke zurückgreifen.

Bergrettung ist Teamarbeit

Trotz aller Technik wird auch heute noch bei der Rekrutierung neuer Bergretter großer Wert auf Verlässlichkeit, Vertrauen und Kameradschaft gelegt. Denn, so erklärt der Mürzzuschlager Ortsstellenleiter Gerhard Haiden, „Bergrettung ist kein Sport für Helden, sondern funktioniert nur im Team. Man kann nur zu fünft, zu siebt oder zu zwanzigst jemanden retten – alleine ist man machtlos“! Was vor 125 Jahren mit einem tragischen Unglück begann, konnte somit viele weitere verhindern.

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