Wie entsteht ein Bombenzyklon?
Ein Bombenzyklon ist ein außertropisches Tiefdruckgebiet, das sich sehr schnell verstärkt. Ein Tiefdruckgebiet ist ein Bereich mit niedrigem Luftdruck, in dem häufig Wolken und Niederschläge entstehen.
Als Maß für die Verstärkung des Tiefdruckgebiets dient der Luftdruck im Zentrum. Sinkt dieser bei 60 Grad Nord binnen 24 Stunden um mindestens 24 Hektopascal (hPa), sprechen Meteorologen von Bombogenese, auch explosive Zyklogenese genannt. Hektopascal (hPa) ist eine Einheit zur Messung des Luftdrucks. Auf Meereshöhe beträgt der durchschnittliche Luftdruck etwa 1013 Hektopascal.
Den Begriff „Bombogenese“ prägten die MIT-Forscher Frederick Sanders und John Gyakum in einer Studie aus dem Jahr 1980, wobei sie auf Arbeiten des Schweden Tor Bergeron aufbauten.
Wie entsteht ein Bombenzyklon?
Der Deutsche Wetterdienst nennt dieselbe Ursache wie bei jedem dynamischen Tief. Ein dynamisches Tief entsteht vor allem durch Bewegungen und Temperaturunterschiede in der Atmosphäre und kann sich dadurch verstärken.
Die Glossar-Definition der American Meteorological Society (AMS) ergänzt, dass sich Wettersysteme wie Bombenzyklone meist über dem Meer und in der kalten Jahreszeit bilden.
Oft beschleunigt der Jetstream – ein Starkwindband in großer Höhe, das die Wetterentwicklung beeinflusst und vorwiegend von Westen nach Osten um die Erde strömt – ein kleines Tief zusätzlich. Meteorologen nennen es dann „Schnellläufer“ oder „Kurzwellentrog“.
Warum spielt die geografische Breite eine Rolle?
Die geografische Breite beeinflusst, wie stark Winde bei einem Tiefdruckgebiet werden können. Deshalb gelten für einen Bombenzyklon je nach Breitengrad unterschiedliche Grenzwerte für den Luftdruckabfall: Bei 40 Grad reichen rund 18 Hektopascal innerhalb von 24 Stunden, bei 50 Grad sind es etwa 21 Hektopascal. Deutschland erstreckt sich von 47 Grad bis 55 Grad nördlicher Breite.
Die Wetterprognose für Deutschland bleibt unsicher
Laut Weather.com ist ab Donnerstag mit einer Bombogenese zu rechnen. Der Sturm soll mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 160, 120 und 100 km/h über die Irische See und den Ärmelkanal in die Nordsee ziehen. In Deutschland droht daher ab Freitag Sturm im Westen und Norden.
Die Vorhersage schwankt, da sich ein solches Wettersystem sehr schnell entwickelt. Kleine Änderungen können große Auswirkungen haben. Auch Kachelmannwetter hält zum Wochenende ein Sturm- oder Orkantief für möglich, dessen Ausmaß noch unklar ist. Aktuelle Warnungen finden Sie beim Deutschen Wetterdienst unter www.dwd.de.
Wie gefährlich ist ein Bombenzyklon wirklich?
Ein Bombenzyklon kann aufgrund seiner schnellen Entwicklung schwere Schäden verursachen. Mögliche Folgen sind Orkanböen, heftiger Regen, Überschwemmungen, hohe Wellen und im Winter starker Schneefall.
Der Begriff beschreibt jedoch lediglich, wie schnell der Luftdruck in einem Tiefdruckgebiet sinkt. Das bedeutet jedoch nicht, dass zwangsläufig ein starker Sturm entsteht. Für die Stärke eines Sturms sind unter anderem die Windgeschwindigkeit, die Zugbahn und die Niederschlagsmenge entscheidend. Ein Bombenzyklon muss daher nicht zwangsläufig zu Extremwetter führen.
Definitionen und Begriffserklärungen zum Thema Bombenzyklon
Bombenzyklon
Ein außertropisches Tief, das sich innerhalb von 24 Stunden stark vertieft. Dabei sinkt der Kerndruck um mindestens 24 Hektopascal, umgerechnet auf 60 Grad Nord.
Bombogenese
Der Vorgang der explosiven Verstärkung eines Tiefs. Meteorologen sprechen auch von explosiver Zyklogenese.
Schnellläufer
Ein vergleichsweise kleines Tief, das der Jetstream rasch nach Osten treibt. Es entwickelt sich schnell, was Wettervorhersagen erschwert.
Kurzantworten zum Thema Bombenzyklon
Was ist ein Bombenzyklon?
Ein Tief, dessen Kerndruck innerhalb von 24 Stunden um mindestens 24 Hektopascal fällt (bei 60 Grad Nord).
Wann liegt eine Bombogenese vor?
Wenn der Druckabfall den breitenabhängigen Grenzwert erreicht, bei 60 Grad Nord 24 Hektopascal in 24 Stunden.
Wie entsteht ein Bombenzyklon?
Kalte und warme Luftmassen treffen aufeinander, meist über dem Meer in der kalten Jahreszeit.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Bombenzyklon
Woher stammt der Begriff Bombenzyklon
Die Wissenschaftler Sanders und Gyakum prägten ihn 1980 in der Fachzeitschrift Monthly Weather Review.
Ändert sich der Grenzwert je nach Ort?
Er ändert sich mit dem Breitengrad. Bei 40 Grad beträgt er etwa 17,8 Hektopascal.
Wird aus einem Bombenzyklon automatisch ein Orkan?
Der Begriff Bombogenese hängt mit einem hohen Druckabfall zusammen, der Begriff Orkan mit hohen Windgeschwindigkeiten. Ein Bombenzyklon kann Orkanböen mit sich bringen, muss es aber nicht.
Welche Folgen eines Bombenzyklons sind möglich?
Mögliche Folgen sind starke Niederschläge, Gewitter, Schneefall und starker Wind.
Trifft ein Bombenzyklon Deutschland direkt?
Die Bombogenese läuft meistens über dem Meer ab. Nach einer Prognose von Weather.com vom 19. Oktober 2026 liegt die Sturmbahn über der Nordsee, die Auswirkungen erreichen Deutschland vor allem im Westen und Norden.