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Zehn Fakten über Angry Anderson

Foto: Wikimedia Commons / Sven Mandel / CC BY-SA 4.0

Zehn Fakten über Angry Anderson

Ein harmloser Kaugummi brachte Rose Tattoo ein lebenslanges Fernsehverbot in Australien ein und ein Batmobil-artiges Fahrzeug sorgte für einen vielbelächelten Auftritt in einer Halbzeitshow. Welche weiteren Überraschungen das Leben von Angry Anderson parat hatte.

Sie kennen bestimmt den Song „Bad Boy for Love” oder die kuriose Hochzeit von Scott und Charlene aus der Serie „Neighbours“. Beides ist Teil des Vermächtnisses von Gary „Angry“ Anderson, der am 21. September 2026 im Alter von 79 Jahren in Australien starb. Wenige Wochen zuvor hatte er nach einem Konzert mit Rose Tattoo in Köln einen Herzstillstand erlitten. Er starb im Kreis seiner Familie in Australien. Die folgenden zehn Fakten reichen von seiner Kindheit bis zu seinem politischen Engagement.

1. Andersons bekannter Spitzname stammt aus seiner Kindheit

Gary Stephen Anderson wurde am 5. August 1947 in Melbourne geboren. Er wuchs im damaligen Arbeiterviertel Coburg auf. Seine Mutter war aus Mauritius eingewandert. Aufgrund seiner Körpergröße von nur 1,56 Metern wurde Anderson während seiner Schulzeit gemobbt. Angesichts seiner dennoch sehr aufbrausenden Persönlichkeit erhielt er den Spitznamen „Angry Ant“ (wütende Ameise), aus dem später sein Künstlername „Angry“ wurde.

2. Vom Bluesgitarristen zum Frontmann

Anderson arbeitete zunächst als Schlosser und Dreher in einer Fabrik, doch sein Traum war es, Bluesgitarrist zu werden. In seiner ersten Band gab es jedoch bereits zwei bessere Gitarristen, doch es fehlte ein Sänger. Bei einer Probe sang er „Twist and Shout” ohne Begleitung am überzeugendsten. Ab 1973 sang er in der Band Buster Brown, deren Schlagzeuger Phil Rudd 1974 zu AC/DC wechselte.

3. Rose Tattoo verstand sich ursprünglich als Bluesband

Gitarrist Peter Wells gründete Rose Tattoo 1976 in Sydney, Anderson ersetzte den ersten Sänger Tony Lake. In einem Interview von 2001 sagte Anderson, die Gruppe sei anfangs eine Bluesband gewesen, die jedoch manche Songs sehr schnell und sehr laut gespielt habe. Das fing so weit, dass die Band fälschlich als Punkband kategorisiert wurde. Unter klassischen Bluesbands empfand Anderson seine Formation jedoch so „fehl am Platz wie ein rohes Steak auf der Speisekarte eines Restaurants für Vegetarier“.

4. Die Band erhielt ein lebenslanges Auftrittsverbot im australischen Fernsehen

Der australische Sender ABC sperrte Rose Tattoo aufgrund ihres Auftritts in der australischen Sendung „Countdown“ auf Lebenszeit. Anlass war ein Auftritt, bei dem Anderson und Gitarrist Mick Cocks freihändig einen Kaugummi austauschten. Ein Verantwortlicher hielt dies für einen Kuss. Mehrere Radiosender nahmen die Songs der Band daraufhin aus dem Programm.

5. Das Reading Festival von 1981 absolvierte Anderson blutüberströmt

Im Rahmen ihrer Europa-Tournee der Band 1981 trat Rose Tattoo auch beim legendären Reading Festival auf. Dort sorgte Anderson mit einer besonders drastischen Showeinlage für Aufsehen. Während der Show stieß er immer wieder seinen Kopf gegen die Verstärkertürme der Band. Er setzte die Aktion fort, bis er am Kopf blutete – ein kompromissloser Ausdruck der energiegeladenen Bühnenshow, für die Rose Tattoo bekannt war.

6. Andersons Musik brachte auch andere Künstler zum Erfolg

Guns N’ Roses nahmen 1986 den Rose-Tattoo-Song „Nice Boys“ auf ihrer EP „Live ?!*@ Like a Suicide“ auf und veröffentlichten ihn 1988 erneut auf „G N’ R Lies“. Die Bandmitglieder Axl Rose und Izzy Stradlin gaben in Interviews an, Rose Tattoo habe ihr Leben verändert. Im Februar 2017 sang Anderson in Sydney gemeinsam mit der Band die erste Strophe, Axl Rose übernahm die zweite. Auch in Deutschland wurde ein Song von Rose Tattoo zum Chartstürmer: Die Sängerin Helen Schneider erreichte 1981 mit ihrer Version von „Rock ‘n’ Roll Outlaw“ (unter dem Titel „Rock & Roll Gypsy“) Platz 1 in der Schweiz und Platz 6 in Deutschland.

7. Der Hit „Suddenly“ verdankt seinen Erfolg einer Seifenoper

1986 schrieb Anderson gemeinsam mit Bassist Andy Cichon und Produzent Kevin Beamish mit „Suddenly“ sein erstes Liebeslied. Der Song lief 1987 bei der Hochzeit von Scott und Charlene, gespielt von Jason Donovan und Kylie Minogue, in der Serie „Neighbours“. Laut dem australischen Film- und Tonarchiv sahen die Folge in Australien und Großbritannien mehr als 20 Millionen Zuschauer.

In Australien besetzte Kylie Minogues „Locomotion“ Platz 1, während „Suddenly“ Platz 2 erreichte. In Großbritannien kam der Song im November 1988 auf Platz 3, nachdem die entsprechende Folge ausgestrahlt worden war. Das Album „Beats from a Single Drum“ erschien zunächst als Rose-Tattoo-Album und 1988 erneut unter Andersons Namen. Somit verdankte Anderson seinen größten Solo-Erfolg einer Fernsehszene.

8. Sein Halbzeitauftritt bei der Australian Football League im Jahr 1991 wird heute noch oft verspottet

Anderson sang zur Halbzeit des Finales der Australian Football League im Jahr 1991 seinen Song „Bound for Glory“ und erschien dabei in einem blauen Fahrzeug, das dem bekannten „Batmobil“ ähnelte. Michael Phelan, Redakteur der australischen Zeitung The Punch, bezeichnete den Auftritt als die schwächste Halbzeitshow, die der australische Sport je erlebt hatte. Auch Anderson selbst war unzufrieden mit seiner Gesangsleistung. Er wird mit den Worten zitiert, er habe sich wegen des Motorenlärms selbst nicht hören können.

9. Neben dem Rock-’n’-Roll arbeitete Anderson als Schauspieler, Musical-Sänger und Reporter.

Im Jahr 1985 spielte Anderson Ironbar Bassey in „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“, dem dritten Teil der „Mad Max“-Reihe. 1987 übernahm er die Rolle des Lenin im Musical „Rasputin“ in Sydney und spielte 1992 Herodes in „Jesus Christ Superstar“.

Anderson leitete im australischen Fernsehen eine Jugendrubrik in der Sendung „Midday“ und wechselte anschließend zum Nachrichtensender „A Current Affair“. Dort erledigte er Aufgaben für Wohltätigkeitsprojekte, wie etwa den Bau eines Spielplatzes für Kinder mit Behinderung. Für seine Jugendarbeit wurde er am 26. Januar 1993 zum Member of the Order of Australia ernannt.

10. Anderson versuchte sich auch an einer politischen Laufbahn

Im Oktober 2011 kündigte Anderson seinen Beitritt zur Australian National Party an. 2013 trat er im Wahlkreis Throsby unter seinem Geburtsnamen Gary Anderson an. Er verlor die Wahl, seine Stimmen verhalfen jedoch der Koalition zu einem Stimmengewinn von vier Prozent. Im Februar 2015 zog er seine Kandidatur für die Landtagswahl in New South Wales aus persönlichen Gründen zurück. 2016 bewarb er sich um einen Senatssitz für die Australian Liberty Alliance, eine Partei, die sich gegen muslimische Einwanderung richtet.

2007 löste Anderson mit Äußerungen zum Islam Kritik aus, die er später teilweise zurücknahm. Ab 2012 revidierte er nach Begegnungen mit Flüchtlingen seine Haltung. Zugleich unterstützte er die gleichgeschlechtliche Ehe.

Wacken und mehr: Das Vermächtnis von Angry Anderson

Rose Tattoo spielten vor mehr als 26 Jahren erstmals in Wacken und kehrten immer wieder zurück. Bei der Aufnahme des Albums „25 to Life“ sagte Anderson dem Publikum, man gehe in Wacken auf „Holy Ground“ (heiligem Boden). Dieser Satz ist seitdem untrennbar mit dem Festival verbunden. Im Sommer 2026 gab er dort sein letztes Wacken-Konzert. Rose Tattoo haben acht Alben veröffentlicht und wurden 2006 in die australische Musiker-Ruhmeshalle ARIA Hall of Fame aufgenommen.

Definitionen und Begriffserklärungen zu Angry Anderson

Rose Tattoo

Eine australische Hardrock-Band, die 1976 in Sydney gegründet wurde. Musikjournalisten beschreiben ihren Sound als rau und von Slide-Gitarre geprägt. Zu den bekanntesten Songs gehören „Bad Boy for Love“, „Rock ‘n’ Roll Outlaw“ und „We Can’t Be Beaten“.

Pub Rock

Pub Rock ist laute, gradlinige Rockmusik, die in den 1970er-Jahren in australischen Kneipen und Clubs gespielt wurde. Die Bands lebten von Live-Auftritten. Rose Tattoo gelten als stilprägende Band dieser Ära.

Order of Australia

Der „Order of Australia“ ist eine staatliche Auszeichnung für Verdienste um die Gemeinschaft. Anderson erhielt den Titel im Jahr 1993 für seine Arbeit als Jugendsprecher.

Drei Kurzantworten zu Angry Anderson

Wann starb Angry Anderson?

Angry Anderson ist am 21. September 2026 im Alter von 79 Jahren in Australien gestorben, umgeben von seiner Familie. Dies gaben seine Familie und seine Band am 23. September bekannt.

Welcher Song machte Angry Anderson als Solokünstler bekannt?

„Suddenly“ aus dem Jahr 1987 erreichte Platz 2 in Australien und Platz 3 in Großbritannien. Der Song lief bei der Hochzeit von Scott und Charlene in der Serie „Neighbours“.

Warum durfte Rose Tattoo nicht mehr in „Countdown“ auftreten?

In einem Auftritt tauschten Anderson und Mick Cocks freihändig einen Kaugummi aus. Ein Verantwortlicher hielt dies für einen Kuss. Daraufhin verhängte die ABC ein lebenslanges Verbot.

Häufig gestellte Fragen zu Angry Anderson

Wer war Angry Anderson?

Gary Stephen „Angry“ Anderson war ein australischer Rocksänger, Songwriter, Schauspieler und Fernsehmoderator. Er sang ab 1976 bei der Band Rose Tattoo. Zudem arbeitete er als Schauspieler, Moderator und Wohltätigkeitsbotschafter.

Woher stammte Angry Anderson?

Anderson wurde 1947 in Melbourne geboren. Er wuchs im Stadteil Coburg auf, seine Mutter stammte aus Mauritius.

In welchen Bands sang Angry Anderson außer bei Rose Tattoo?

Er sang von 1971 bis 1973 bei Peace, Power and Purity und bei Buster Brown. 1986 ging er mit The Party Boys auf Tournee, veröffentlichte jedoch keine Aufnahmen mit ihnen.

Welche Rolle spielte Anderson in „Mad Max“?

Anderson spielte 1985 die Rolle des Ironbar Bassey in Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel.

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