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Erdbeben am Bodensee: Was geschieht unter der Erde am Rand der Alpen?

Foto: Envato / Yullasis

Erdbeben am Bodensee: Was geschieht unter der Erde am Rand der Alpen?

Unter der scheinbar ruhigen Oberfläche in der Bodensee-Region ist die Erde ständig in Bewegung. Warum es in der Region immer wieder bebt, welche Kräfte tief unter dem See wirken.

Das geschah am frühen Montagmorgen am Bodensee

Am Montagmorgen, den 25. August 2026, registrierten Messgeräte um 4:58 Uhr ein Erdbeben zwischen Radolfzell und Singen. Das Hypozentrum lag laut Landeserdbebendienst Baden-Württemberg in rund 17 Kilometern Tiefe. Die Stärke betrug 0,7 auf der Richterskala.

Für Menschen war das Beben nach Angaben des Landeserdbebendienstes nicht spürbar. Solche schwachen Erschütterungen können ausschließlich von Messstationen erfasst werden. Die vollständigen Messdaten finden sich auf der Website des Landeserdbebendiensts Baden-Württemberg.

Wie messen Fachleute die Stärke eines Erdbebens?

Die Richterskala ordnet Erdbeben zehn verschiedenen Kategorien zu – von Mikrobeben bis zur globalen Katastrophe. Werte unter 2,0 bleiben für Menschen unbemerkt (Mikrobeben). Beben zwischen 2,0 und 3,9 sind meist deutlich spürbar, richten jedoch nur selten Schäden an.

Ab 4,0 werden Erschütterungen deutlich wahrnehmbar, an älteren Gebäuden entstehen mitunter leichte Schäden. Beben ab 6,0 gelten als stark und richten in besiedelten Gebieten erhebliche Schäden an.

Die Richterskala

  • Unter 2,0 – Mikrobeben: meist nicht spürbar, nur von Messgeräten registriert.
  • 2,0 bis 2,9 – extrem leichtes Erdbeben: In der Regel nicht spürbar und verursacht keine Schäden.
  • 3,0 bis 3,9 – sehr leichtes Erdbeben: Mitunter spürbar, aber Schäden sind normalerweise nicht zu erwarten.
  • 4,0 bis 4,9 – leichtes Erdbeben: Deutlich spürbar, Gegenstände können wackeln; vereinzelt sind leichte Schäden möglich.
  • 5,0 bis 5,9 – mittelstarkes Erdbeben: Kann bereits Schäden an Gebäuden verursachen, insbesondere an älteren oder schlecht gebauten Häusern.
  • 6,0 bis 6,9 – starkes Erdbeben: In besiedelten Gebieten sind erhebliche Schäden möglich.
  • 7,0 bis 7,9 – großes Erdbeben: Kann in großen Gebieten schwere Zerstörungen verursachen.
  • 8,0 bis 8,9 – sehr großes Erdbeben: Verheerende Schäden über Hunderte Kilometer hinweg möglich.
  • Ab 9,0 – extrem großes Erdbeben: katastrophale Auswirkungen über sehr große Regionen; solche Beben sind äußerst selten.
  • 10,0 – Globale Katastrophe, bisher noch nicht registriert.

Wie entsteht ein Erdbeben?

Die Erdkruste besteht aus mehreren großen Platten, die sich ständig bewegen, wenn auch nur um wenige Zentimeter pro Jahr. An den Rändern dieser Platten kommt es zu Spannungen, da sich die Gesteinsmassen ineinander verhaken. Wenn sich eine solche Spannung plötzlich löst, entsteht ein Erdbeben.

Der Ort, an dem sich das Gestein löst, wird in der Fachsprache als Hypozentrum bezeichnet. Von dort breiten sich die Erschütterungen wellenförmig aus und erreichen die Oberfläche am sogenannten Epizentrum. Je näher ein Ort am Epizentrum liegt und je flacher das Hypozentrum ist, desto stärker fallen die spürbaren Erschütterungen aus.

Was geschieht unter dem Bodensee?

Die Bodenseeregion liegt am nördlichen Rand der Alpen, deren Entstehung eng mit der Bewegung der Erdplatten zusammenhängt. Seit Millionen von Jahren schiebt sich die afrikanische Platte gegen die eurasische Platte, wodurch sich das Gestein auftürmte und die Alpen entstanden. Diese Bewegung setzt sich bis heute fort.

Die Region trägt zusätzlich eine vulkanische Vergangenheit in sich. Im Hegau, westlich des Bodensees, entstanden vor rund 14 Millionen Jahren Vulkane, deren erodierte Schlotfüllungen die markanten Kegelberge zwischen Singen und Engen bilden. Bewegungen entlang alter Störungszonen wie der Randen-Verwerfung können bis heute Erdbeben auslösen.

Warum gilt der Bodensee als aktive Erdbebenzone?

Seit Jahren treten im Hegau und rund um Konstanz wiederholt kleinere Erdbebenschwärme auf. Im Juni 2023 erschütterte ein Beben der Stärke 3,1 den Landkreis Konstanz und war sogar in der Stadt Konstanz spürbar. Es war das stärkste Beben Deutschlands in jenem Jahr.

Bereits 2019 registrierte der Landeserdbebendienst bei Konstanz ein Beben der Stärke 3,7. Wegen dieser Häufung gelten in der Region besondere Bauvorschriften für erdbebensicheres Bauen. Die Bodenseeregion ist damit keine Ausnahme, sondern Teil eines langfristigen geologischen Musters am Alpenrand.

Wie gefährlich sind solche Erdbeben?

Die meisten Beben am Bodensee bleiben im Mikrobereich und richten keine Schäden an. Spürbare Ereignisse ab einer Stärke von 3 sorgen zwar für Aufsehen, führen laut bisherigen Berichten aber kaum zu strukturellen Schäden an Gebäuden. Dennoch bestehen die Voraussetzungen für stärkere Beben weiterhin.

Bauämter berücksichtigen dieses Risiko bereits seit Jahren bei Neubauten in der Region. Wer am Bodensee baut oder saniert, sollte sich deshalb über die geltenden Erdbebenzonen und Bauvorschriften informieren.

Die Bodenseeregion bleibt geologisch aktiv, da die Alpen weiter wachsen und alte Störungszonen unter Spannung stehen. Dieses Wissen hilft Ihnen, Meldungen über Erdbeben in der Region richtig einzuordnen, ohne sich unnötig zu sorgen.

Können Ameisen wirklich Erdbeben spüren?

Der Geologe Ulrich Schreiber hat beobachtet, dass Ameisennester häufig in der Nähe geologischer Störungszonen, wie dem San-Andreas-Graben, liegen. An diesen Stellen können Gase aus Rissen und Verwerfungen der Erdkruste austreten. In einem Experiment reagierten Ameisen auf erwärmte Gase und orientierten sich gezielt zu den Austrittsstellen.

Forscher vermuten deshalb, dass Ameisen kleinste Veränderungen von Gasen oder Temperaturen, die mit geologischen Vorgängen zusammenhängen, wahrnehmen könnten. Ob sie damit tatsächlich bevorstehende Erdbeben erkennen können, ist jedoch bislang ungeklärt. Mithilfe von Langzeitbeobachtungen soll untersucht werden, ob sich ihr Verhalten vor einem Beben verändert und ob sie sich eines Tages möglicherweise für ein natürliches Frühwarnsystem nutzen lassen.

Definitionen und Begriffserklärungen

Epizentrum

Es ist der Punkt an der Erdoberfläche, der direkt über dem Entstehungsort des Bebens liegt. An dieser Stelle sind die Erschütterungen meist am stärksten spürbar.

Hypozentrum

Der tatsächliche Ort im Erdinneren, an dem sich Gesteinsspannung schlagartig löst. Je tiefer das Hypozentrum liegt, desto stärker wird ein Beben an der Oberfläche wahrgenommen.

Richterskala

Eine Skala zur Messung der Stärke von Erdbeben anhand der freigesetzten Energie. Sie reicht von Mikrobeben unter 2,0 bis zu sehr großen Beben ab 8,0.

Häufig gestellte Fragen zu Erdbeben

Wie oft bebt die Erde am Bodensee?

Kleinere, meist nicht spürbare Beben treten in der Region regelmäßig auf. Spürbare Ereignisse ab Stärke 3 sind seltener, kommen aber alle paar Jahre vor.

Können am Bodensee auch starke Erdbeben auftreten?

Historisch registrierte Beben in der Region erreichten bislang maximal die Stärke 3,7. Stärkere Beben sind wegen der geologischen Lage nicht ausgeschlossen, aber selten.

Was unterscheidet Epizentrum und Hypozentrum?

Das Hypozentrum liegt im Erdinneren, dort löst sich die Spannung. Das Epizentrum liegt an der Oberfläche direkt darüber und markiert meist den Punkt der stärksten Erschütterung.

Wo finde ich aktuelle Erdbebendaten für den Bodensee?

Der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg veröffentlicht aktuelle Messdaten fortlaufend und frei zugänglich unter www.erdbeben.led-bw.de.

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