Wie Steuern die Preise prägen
In Deutschland gilt seit Jahrzehnten das sogenannte Dieselprivileg. Auf einen Liter Superbenzin entfallen etwa 65 Cent Energiesteuer, bei Diesel sind es nur 47 Cent. Das macht Diesel unter normalen Umständen günstiger. Doch der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben diese Regel auf den Kopf gestellt.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Als sie aufgrund des Iran-Kriegs blockiert wurde, brachen wichtige Dieselimporte für Europa weg. Raffinerien hierzulande produzieren zwar genug Benzin für den heimischen Markt, bei Diesel sind sie aber auf Lieferungen aus dem Nahen Osten angewiesen. Die Folge: Diesel wurde knapp – und teuer.
Die Nachfrage als Preistreiber
Die Preise an der Tankstelle hängen nicht nur vom Angebot, sondern auch von der Nachfrage nach Kraftstoff ab. Im Sommer steigt aufgrund der Urlaubssaison üblicherweise die Nachfrage nach Benzin.
Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Diesel leicht, da vor allem Lkw und gewerbliche Fahrzeugen Diesel tanken. Eine aktuell schwächelnde Wirtschaft dämpfte den Bedarf zusätzlich. Wird mehr Benzin nachgefragt und weniger Diesel, steigt der Benzinpreis im Verhältnis zum Dieselpreis.
Der Einfluss des Markts in den USA und hohe Kerosinpreise als Faktoren
Ein weiterer Faktor ist der internationale Handel. In den USA stieg die Nachfrage nach europäischem Benzin. Dort wird tendenziell mehr Diesel produziert, als der heimische Markt aufnehmen kann. Währenddessen muss Benzin teilweise importiert werden. Für europäische Raffinerien ist der Export von Benzin in die USA derzeit besonders lukrativ.
Laut Experten waren die Benzinexporte aus Europa in die USA im Mai 2026 doppelt so hoch wie noch im April. Dies trieb den Benzinpreis zusätzlich in die Höhe.
Die Sperrung der Straße von Hormus führte zudem hohen Kerosinpreisen, die wiederum zu teuren Flugtickets und Flugausfällen führten. Auch Vielflieger stiegen daher oft auf das Auto um. Das erhöhte die Benzinnachfrage zusätzlich – und damit auch den Benzinpreis.
Entspannung der Lage durch Erhöhung der Dieselproduktion und eine sich entschärfende politische Situation
Aktuell haben einige Raffinerien in anderen Weltregionen ihre Dieselproduktion wieder erhöht. Auf diese Weise konnten fehlende Mengen teilweise ausgeglichen werden. Hinzu kommt, dass die Gespräche zwischen den USA und Iran zeitweise Hoffnung auf eine Öffnung der Straße von Hormus machten. Diese Hoffnung wurde durch die jüngste Eskalation der Lage wieder gedämpft. Allein die Aussicht auf zusätzliche Diesellieferungen hat den Markt jedoch bereits entspannt und den Dieselpreis gesenkt.
Langfristig hängt die Entwicklung somit von folgenden Faktoren ab:
- Der Rohölpreis: Der wichtigste Einflussfaktor für alle Kraftstoffe.
- Die Nachfrage: Steigt die Nachfrage nach Benzin im Sommer weiter, bleibt der Preis hoch.
- Die Exporte: Solange europäisches Benzin in den USA gefragt ist, bleiben die Benzinpreise hoch.
- Die politische Lage: Steuererhöhungen oder -senkungen können die Preise kurzfristig beeinflussen.
Die aktuelle Preisentwicklung
- Vor Beginn des Iran-Kriegs lag der Dieselpreis laut der Marktansparenzstelle für Kraftstoff bei 1,75 Euro pro Liter. Für Superbenzin (E10) lag er bei etwa 1,83 Euro pro Liter.
- Auf dem Höhepunkt der Krise kostete Diesel bis zu 2,446 Euro pro Liter – ein Allzeithoch. Superbenzin (E10) erreichte einen Preis von maximal 2,191 Euro pro Liter.
- Mitte Mai 2026 lag der Durchschnittspreis für Diesel bei 1,99 Euro pro Liter, für Superbenzin (E5) bei 2,06 Euro pro Liter und für E10 bei 2,00 Euro pro Liter.
- Aktuell (Stand 27. Mai 2026) kostet ein Liter Diesel im Schnitt 1,91 Euro, ein Liter Superbenzin 2,01 Euro und ein Liter E10 1,95 Euro.
Die Preise können allerdings regional schwanken. In Rheinland-Pfalz sank der Dieselpreis etwa laut der Plattform esyoil auf bis zu 1,80 Euro, in Baden-Württemberg auf 1,89 Euro (Stand: 27.05.2026).
Wird Diesel auf Dauer günstiger bleiben?
Inzwischen ist die normale Preisrelation zwischen Diesel und Benzin zurückgekehrt. Doch die Lage bleibt angespannt. Die Straße von Hormus ist nach wie vor blockiert und wichtige Raffinerien am Persischen Golf sind vom Weltmarkt abgeschnitten. Sollte sich die politische Lage weiter zuspitzen, könnten die Preise erneut steigen.
Aktuelle Preise finden Sie auf den Websites des ADAC oder des SWR. Dort können Sie auch abrufen, zu welcher Tageszeit die Preise in Ihrer Region am günstigsten sind.
Die Auswirkung des Tankrabatts ab Mai 2026 auf die Preise
Der Tankrabatt der deutschen Bundesregierung senkt seit dem 1. Mai für zwei Monate die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent pro Liter (effektiv ~17 Cent Entlastung), wodurch die Preise an den Zapfsäulen um etwa 10 Cent pro Liter sanken.
Die Weitergabe an Verbraucherinnen und Verbraucher erfolgte jedoch nicht vollständig, da viele Mineralölkonzerne zunächst Lagerbestände mit alter Steuer verkauften. Trotz des Rabatts blieben die Spritpreise weiterhin deutlich über dem Niveau vor dem Iran-Krieg, da globale Faktoren wie der Ölpreis die Wirkung überlagern.
Zudem steigerte die neue 12-Uhr-Regel (tägliche Preisanpassung) laut Experten eher die Margen der Konzerne, als dass sie die Preise drückte. Die 12-Uhr-Regel besagt, dass Tankstellen in Deutschland seit dem 1. April 2026 die Benzin- und Dieselpreise nur noch einmal täglich um 12 Uhr mittags nach oben anpassen dürfen, um Preissprünge zu begrenzen.
Definitionen und Begriffserklärungen
Dieselprivileg
Das Dieselprivileg bezeichnet die geringere Besteuerung von Dieselkraftstoff im Vergleich zu Benzin in Deutschland. Während auf einen Liter Superbenzin etwa 65 Cent Energiesteuer entfallen, sind es bei Diesel nur 47 Cent. Diese Steuerersparnis macht Diesel unter normalen Marktbedingungen günstiger. Das Privileg wurde historisch eingeführt, um die Wirtschaft und den Güterverkehr zu fördern.
Straße von Hormus
Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen dem Iran und Oman und eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Durch sie fließt etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels. Eine Blockade dieser Route führt zu Versorgungsengpässen, insbesondere bei Diesel, und treibt die Preise in die Höhe. Europa ist von Importen durch diese Route abhängig.
Raffineriemarge
Eine Raffineriemarge ist die Differenz zwischen den Kosten für Rohöl und den Erlösen aus dem Verkauf der raffinierten Produkte wie Benzin oder Diesel. Wenn die Marge für Benzin unter null fällt, bedeutet das, dass Raffinerien Benzin unter Herstellungskosten verkaufen. Das kann passieren, wenn die Nachfrage nach Diesel besonders hoch ist.
Warum ist Diesel aktuell günstiger als Benzin?
Weil die Nachfrage nach Benzin im Sommer steigt (Urlaubszeit, Flugausfälle) und die USA mehr europäisches Benzin importieren. Gleichzeitig hat sich die Versorgungslage für Diesel leicht entspannt.
Wie hoch ist die Energiesteuer auf Diesel und Benzin?
Auf Diesel entfallen 47 Cent Energiesteuer pro Liter, auf Superbenzin etwa 65 Cent. Das erklärt den normalen Preisunterschied.
Was ist der Hauptgrund für die aktuellen Spritpreise?
Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben die Versorgung mit Diesel in Europa gestört. Gleichzeitig treibt die hohe Nachfrage nach Benzin im Sommer die Preise in die Höhe.
Häufig gestellte Fragen zu Diesel- und Benzinpreisen
Warum war Diesel nach Beginn des Iran-Kriegs teurer als Benzin?
Die Blockade der Straße von Hormus unterbrach wichtige Dieselimporte für Europa. Da europäische Raffinerien mehr Benzin als Diesel produzieren, wurde Diesel knapp und teuer.
Warum exportiert Europa Benzin in die USA?
Antwort: In den USA wird mehr Diesel produziert, als der Markt aufnimmt, während Benzin teilweise importiert werden muss. Für europäische Raffinerien ist der Export von Benzin in die USA derzeit besonders profitabel.
Wie hoch sind die aktuellen Spritpreise in Deutschland?
Antwort: Stand 27. Mai 2026: Diesel ca. 1,91 Euro, Superbenzin (E5) ca. 2,01 Euro, E10 ca. 1,95 Euro pro Liter. Die Preise variieren regional stark.
Wird Diesel auf Dauer günstiger bleiben als Benzin?
Langfristig hängt die Entwicklung von der politischen Lage, dem Rohölpreis und der globalen Nachfrage ab. Sollte sich die Blockade der Straße von Hormus verschärfen, könnten die Preise wieder steigen.
