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Wie gefährlich sind Ewigkeitschemikalien (PFAS)?

Foto: Envato / PedaltotheStock

Wie gefährlich sind Ewigkeitschemikalien (PFAS)?

Laut tagesschau.de können zahlreiche Medikamente gemäß einer neuen Studie ohne Ewigkeitschemikalien hergestellt werden. Warum sind Ewigkeitschemikalien eine so große Gefahr für uns und die Umwelt?

Was sind PFAS?

PFAS steht für „Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen”. Der Begriff bezeichnet eine Gruppe von mehr als 12.000 synthetischen Chemikalien. Sie kommen in Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen, wasserdichter Kleidung oder Feuerlöschschaum vor. Ihre besondere Eigenschaft ist ihre extreme Stabilität. Diese macht sie jedoch auch zu einem immensen Umweltproblem.

PFAS gelangen über Abwässer, Mülldeponien oder die Atmosphäre in die Umwelt. Dort bleiben sie jahrzehntelang erhalten. Menschen nehmen PFAS vor allem über Trinkwasser, Nahrung oder Staub auf.

Der Name „Ewigkeitschemikalien” verweist auf die Langlebigkeit von PFAS. PFAS zersetzen sich in der Natur kaum. Weder Sonneneinstrahlung noch Mikroorganismen oder chemische Prozesse können sie abbauen. Deshalb reichern sie sich in Böden, Gewässern und Lebewesen an.

PFAS stecken in vielen Produkten, die wir täglich verwenden. Beschichtete Pfannen, Backpapier oder wasserdichte Jacken enthalten oft diese Chemikalien. Auch in Kosmetikprodukten, Lebensmittelverpackungen oder Teppichen können PFAS vorkommen.

Die Sanierung von mit PFAS belasteten Böden und Gewässern gilt als extrem aufwendig. Hierfür wurden bereits einige Methoden wie Aktivkohlefilter oder spezielle Mikroorganismen erprobt. Doch der Prozess ist langwierig und teuer. Experten schätzen, dass die Beseitigung Jahrzehnte dauern wird.

Wie gelangen PFAS in den Körper?

Der Hauptweg ist die Nahrung. PFAS finden sich in Fisch, Fleisch oder Milchprodukten, wenn Tiere belastetes Futter oder Wasser aufnehmen. Auch Trinkwasser kann in belasteten Regionen PFAS enthalten. Ein weiterer Weg ist der Hausstaub, der durch abgenutzte Produkte entsteht.

PFAS als Ursache für erhöhte Cholesterinwerte, geschwächte Immunwerte, erhöhtes Krebsrisiko und mehr

Studien deuten darauf hin, dass PFAS gesundheitliche Auswirkungen haben können. So stehen einige von ihnen im Verdacht, den Fettstoffwechsel zu beeinflussen und dadurch erhöhte Cholesterinwerte zu begünstigen. Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass eine hohe Belastung mit PFAS das Immunsystem schwächen kann. Besonders bei Kindern wurde beobachtet, dass sie nach Impfungen teilweise eine geringere Immunantwort zeigen, wenn sie höheren PFAS-Konzentrationen ausgesetzt sind.

Auch mögliche Langzeitfolgen werden untersucht. Wissenschaftliche Studien bringen eine dauerhafte Belastung mit bestimmten PFAS mit einem erhöhten Risiko für einige Krebsarten, darunter Nieren- und Hodenkrebs, in Verbindung. Aufgrund dieser potenziellen Gesundheitsgefahren stuft die Europäische Chemikalienagentur mehrere PFAS als „besonders besorgniserregende Stoffe“ ein.

Können PFAS tödlich sein?

Akute Vergiftungen durch hohe PFAS-Dosen sind zwar selten, können in Einzelfällen jedoch zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Bisher sind keine dokumentierten Fälle bekannt, in denen PFAS unmittelbar tödlich wirken. Die langfristigen gesundheitlichen Risiken dieser Stoffgruppe sind hingegen gut belegt und wissenschaftlich umfassend untersucht.

Wie hoch ist die Belastung mit Ewigkeitschemikalien in Deutschland?

In Deutschland sind vor allem Regionen mit chemischer Industrie oder Militärstandorten betroffen. So wurden in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern erhöhte Werte in Trinkwasser und Böden gemessen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz stellte Ende 2025 fest, dass 42 von 46 Trinkwasserproben PFAS enthielten. Auch drei von fünf getesteten Mineralwässern sind betroffen.

Wie lassen sich Ewigkeitschemikalien vermeiden? Auch Teflon und Gore-Tex sind betroffen

Etwa bei Kochgeschirr lohnt es sich, genauer hinzusehen. Viele beschichtete Pfannen enthalten Stoffe, die sich bei hoher Hitze oder durch Abnutzung lösen können. Hierzu gehört auch das beliebte Teflon. Daher sind Alternativen wie Pfannen aus Edelstahl oder Gusseisen empfehlenswert. Diese sind langlebig und benötigen keine umweltschädlichen Beschichtungen.

Auch bei Kleidung und Textilien ist Vorsicht angebracht, da wasser- und schmutzabweisende Materialien häufig mit PFAS behandelt werden. Hierzu gehören auch Gore-Tex-Produkte. Verbraucherinnen und Verbraucher können auf Textilien achten, die mit dem OEKO-TEX-Siegel ausgezeichnet sind. Dieses Siegel garantiert, dass die Materialien auf zahlreiche potenziell gesundheitsschädliche Chemikalien geprüft wurden und die festgelegten Grenzwerte eingehalten werden. Wer bei Kleidung und Alltagsprodukten genauer hinsieht, kann die Belastung mit PFAS langfristig verringern und die eigene Gesundheit besser schützen.

Die Alternativen zu PFAS

Einige Hersteller verwenden Silikonbeschichtungen für Backpapier oder wachsbasierte Imprägnierungen für Textilien. Auch in der Industrie kommen zunehmend PFAS-freie Löschmittel zum Einsatz. Filmbeschichtungen von Tabletten und Kapseln enthalten oft ebenfalls Ewigkeitschemikalien. Laut einer Studie des Pharmazeutischen Instituts der Universität Freiburg und des Umweltbundesamts gibt es für 97 der 111 untersuchten PFAS-haltigen Wirkstoffe bereits PFAS-freie Alternativen. In Deutschland stehen 70 zugelassenen PFAS-haltigen Wirkstoffen 61 PFAS-freie Alternativen gegenüber.

Die EU will Abhilfe schaffen

Die EU arbeitet an einem umfassenden Verbot von PFAS. Ab Oktober 2026 sollen die meisten Anwendungen in der EU untersagt sein. Deutschland unterstützt diesen Vorstoß und hat bereits eigene Grenzwerte für Trinkwasser festgelegt.

Definitionen und Begriffserklärungen

PFAS

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen sind synthetische Chemikalien, die wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten eingesetzt werden. Sie zersetzen sich kaum und reichern sich in der Umwelt an.

Bioakkumulation

Bioakkumulation beschreibt die Anreicherung von Schadstoffen in Lebewesen. PFAS lagern sich im Fettgewebe ab und können so über die Nahrungskette weitergegeben werden.

Ewigkeitschemikalien

Der Begriff bezieht sich auf die extreme Langlebigkeit von PFAS. Sie bleiben über Jahrzehnte in der Umwelt erhalten und sind schwer abbaubar.

Häufig gestellte Fragen zu Ewigkeitschemikalien

Was sind PFAS?

PFAS sind synthetische Chemikalien, die in Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen oder wasserdichter Kleidung vorkommen und sich in der Umwelt anreichern.

Warum sind PFAS gefährlich?

Sie können den Fettstoffwechsel stören, das Immunsystem schwächen und das Krebsrisiko erhöhen.

Wie kann ich PFAS vermeiden?

Nutzen Sie PFAS-freie Alternativen wie Edelstahlpfannen oder Kleidung mit OEKO-TEX-Siegel.

Sind alle PFAS schädlich?

Nicht alle PFAS gelten als gleich gefährlich. Einige, wie PFOA und PFOS, gelten als besonders schädlich und sind in der EU bereits stark eingeschränkt.

Wie erkenne ich PFAS in Produkten?

PFAS sind nicht immer gekennzeichnet. Achten Sie auf Hinweise wie „PFC-frei“ oder „ohne Fluorcarbon“. Zertifikate wie OEKO-TEX oder Bluesign können helfen.

Wie entferne ich PFAS aus meinem Körper?

PFAS werden langsam über Urin und Stuhl ausgeschieden. Eine gezielte Entgiftung ist nicht möglich. Reduzieren Sie die Aufnahme, um die Belastung zu verringern.

Gibt es Grenzwerte für PFAS in Trinkwasser?

In Deutschland gelten seit 2023 strenge Grenzwerte für bestimmte PFAS im Trinkwasser. Die Gesamtmenge von 20 ausgewählten PFAS-Verbindungen (Summenwert). Dieser Summenwert darf maximal 0,1 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser betragen.

Werden PFAS in Lebensmittelverpackungen verboten?

Die EU plant ein Verbot von PFAS in Lebensmittelverpackungen ab Oktober 2026. Einige Länder wie Dänemark haben bereits nationale Verbote erlassen.

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