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Kultur

Tanz der Seele: Wie entstand der Tango?

Feurig ist er und zugleich traurig, intim und doch ein Ausdruck von Einsamkeit: Der Tango gehört zu den faszinierendsten Tänzen der Welt. Doch wie ist er entstanden?

Tango Tanzen

© Istock/konstantin32

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Klagende Klänge, feurige Blicke und stolze Posen – Tango ist emotional, leidenschaftlich, glamourös. Bis heute lassen sich Menschen in aller Welt, in Finnland und Japan, in Uruguay und Argentinien, mitreißen von Bandoneón, Klavier und Bass. Doch der Ursprung des Tangos liegt fern aller funkelnden Roben und polierten Lackschuhe: in den Hafen- und Armenvierteln, in den Freudenhäusern des Buenos Aires vor mehr als hundert Jahren.

Geburt am Silberfluss

Buenos Aires, die Stadt der „Guten Lüfte“, wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Einwanderern überschwemmt. Damals, nach dem Fall des Diktators Juan Manuel de Rosas, kehrten viele Argentinier aus dem Exil zurück. Zudem setzte die argentinische Regierung bei ihrer Bevölkerungspolitik auf Massenimmigration: Mithilfe intensiver Werbung, subventionierter Schiffspassagen und vereinfachter Einbürgerungsverfahren sollte das Land besiedelt und „zivilisiert“ werden. Auf der anderen Seite des Atlantiks nämlich hatte die industrielle Revolution viele europäische Bewohner in Arbeitslosigkeit und Armut gestürzt. Die sozialen Spannungen dort wuchsen – und die europäischen Regierungen förderten die massenhafte Auswanderung nur zu gern.

In der Folge wuchs Argentiniens Bevölkerung zwischen 1879 und dem ersten Weltkrieg von zwei auf acht Millionen Menschen. Doch statt der erwünschten Ingenieure, Philosophen und Unternehmer kamen einfache Arbeiter und Analphabeten. Die Aussicht auf „Hacerse la América“, „sein Glück in Amerika machen“ – so der Slogan des Bevölkerungsprojekts – hatte sie nach Buenos Aires gelockt. Doch ihre Träume von einem besseren Leben wurden alsbald von der Realität zerschmettert.

Hexenkessel der Kulturen

Die meisten dieser Einwanderer landeten am Río de la Plata, im Hafenviertel La Boca und in anderen Armenvierteln. Auf fröhlichen Tanzveranstaltungen, den Milongas, verschmolzen Takte, Rhythmen und Melodien aus aller Welt zu neuen Liedern und Tänzen. Auch die Sprache vermischte sich: Lunfardo, eine Mischung aus Spanisch, ost- und südeuropäischen Jargons und der Sprache, der aus der Pampa vertriebenen Gauchos, wurde zum Slang der Straße und Mundart des frühen Tango.

Doch mit der nicht abnehmenden Menschenflut verschlechterten sich Lebensbedingungen und Wohnverhältnisse. Es mangelte an allem – an Arbeit, an Perspektiven und an den meist in der Heimat zurückgebliebenen Frauen. Kriminalität und Prostitution boomten. Entwurzelung, Entrechtung und Einsamkeit prägten das Leben der Porteños, der Hafenbewohner. Die ursprünglich leichte Milonga mutierte zu einem Tanz voller Schmerz, Hingabe und sehnsuchtsvoller Texte – dem Tango.
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Siegeszug eines Straßentanzes

Die argentinische Oberschicht lehnte den Tango noch 1910, als er in Europa längst Einzug gehalten hatte, als verruchten Bordelltanz ab. In Europa hingegen eroberte der neue Modetanz nach den Salons und Bars von Paris in Windeseile auch die restlichen Hauptstädte. Ausgelöst durch ein regelrechtes Tangofieber gab es Tango-Parfüm, Tango-Dessous und Tango-Drinks. Selbst eine Farbe, die „Couleur Tango“ – ein mehr oder weniger grelles Orange-Gelb – benannte man nach dem Modetanz.

1920 schließlich wurde durch die Aufnahme ins Londoner Standardtanzrepertoire der europäische, von lasziv empfundenen Elementen befreite Tango begründet. In dieser Blütezeit wuchsen die Orchester, und mancher Tangomusiker erreichte Kultstatus. Der berühmteste ist bis heute der 1935 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Komponist und Sänger Carlos Gardel.

„Goldene Ära“ des Tangos in Argentinien

Und so füllten sich in den dreißiger bis fünfziger Jahren schließlich auch die Salons von Buenos Aires. Diese „Goldene Ära“ des Tangos während der Regierungszeit Peróns war durch staatliche Förderprogramme – 70 Prozent der Radiomusik musste einheimischer Herkunft sein – mitbedingt. Nach dem Sturz Pérons 1955 verschlechterte sich jedoch die gesamtwirtschaftliche Lage. Ab 1976 folgte der Terror rechter Diktaturen. Unter den ins Exil Geflohenen waren auch Musiker, die in Paris den „Tango Nuevo“ begründeten. Urvater dieses rein im Konzert – nicht im Tanzsaal – gespielten Stils war Astor Piazzolla.

Dann revolutionierte Tango als Bühnentanz die Theater in Europa, Nordamerika und Japan. Große Tangoshows gelangten zu Weltruhm, Paare wie Juan Carlos Copes & Maria Nieves oder Eduardo & Gloria Arquimbaud ertanzten sich Unsterblichkeit. Auch Deutschland entwickelte sich zu einem der heutigen Tangozentren. Der Tango begründete hier eine lebendige Subkultur – heute gibt es in jeder größeren deutschen Stadt eine Tangoszene mit allabendlichen Tanzangeboten.
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