Die Symptome der Seuche sind extrem ungewöhnlich, sie passen kaum zu einem bekannten Krankheitsbild: Zu anfänglichen Erkältungsübeln gesellen sich Atemprobleme. Auf den Wangen erscheinen dunkle Flecken, die sich manchmal binnen Stunden auf den gesamten Körper ausbreiten. Die Patienten sterben ein paar Tage später unter höllischen Schmerzen. Gerade scheinbar gesunde Jugendliche rafft die Epidemie dahin – der Anblick ihrer schnell verwesenden Leichen mit vollgelaufenen Lungen und aufgeblähten Brustkörben erschüttert die Völker von Alaska über Südafrika bis nach Ozeanien.
Die „Spanische Grippe“ bringt Elend und Tod
Während die wohlhabenden USA oder Großbritannien nur 0,5 Prozent ihrer Bevölkerung verlieren, sind es in manchen Regionen Asiens Schätzungen zufolge über 20 Prozent – seriös lässt sich das nicht beurteilen: Allein die Riesenreiche Russland und China haben in ihren jeweiligen Bürgerkriegen anderes zu tun, als Tote zu zählen. Und in Europa wütet der Erste Weltkrieg, „wehrzersetzende“ Nachrichten fallen der Zensur zum Opfer. Eine Ausnahme bildet das neutrale Spanien, dessen liberale Presse im Mai 1918 von über acht Millionen „mit einer merkwürdigen Krankheit“ Infizierten im Land berichtet – und der Seuche zu ihrem falschen Namen „Spanische Grippe“ verhilft: Als Patient Null gilt heute ein US-Soldat aus Kansas, niemand weiß aber wirklich, wo das Virus den Sprung vom Tier zum Menschen geschafft hat.
