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Wie viele Igel und Maulwürfe gibt es?

Foto: Envato / Kohanova

Wie viele Igel und Maulwürfe gibt es?

Wie viele Igel tatsächlich in deutschen Gärten leben, kann derzeit keine Behörde sagen. Genau diese Lücke wollen Naturschützer nun schließen.

Warum ruft der NABU jetzt zur Zählung auf?

Igel und Maulwürfe gehören zu den bekanntesten Wildtieren in deutschen Gärten. Trotzdem gibt es kaum verlässliche bundesweite Daten zu ihren Beständen. Diese Wissenslücke besteht bereits seit Jahrzehnten.

Die vierte bundesweite Zählung von Igeln und Maulwürfen startet am 18. September

Die Deutsche Wildtier Stiftung, der NABU-Bundesverband, die Online-Plattform NABU|naturgucker, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V. sowie der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) organisieren die Aktion gemeinsam. Sie findet in diesem Jahr vom 18. bis 28. September statt.

Laut der Deutschen Wildtier Stiftung ist diese bereits die vierte Herbsterhebung, die im Rahmen des Projekts. Die Datensammlung ist auf mindestens zehn Jahre ausgelegt.

Der Herbst eignet sich für die Beobachtung besonders gut. Igel sind zu dieser Jahreszeit verstärkt unterwegs, um sich vor dem Winterschlaf Fettreserven anzufressen. Dadurch lassen sie sich leichter beobachten als in anderen Jahreszeiten.

Wie leben Igel und Maulwürfe?

Obwohl beide Arten in Gärten vorkommen können, unterscheiden sie sich in ihrer Lebensweise deutlich. Wer ihre Gewohnheiten kennt, kann die Tiere und ihre Spuren leichter erkennen.

Igel suchen im Herbst oberirdisch nach Insekten und anderen Kleintieren, um Reserven für den Winterschlaf anzulegen. Maulwürfe halten dagegen keinen Winterschlaf und müssen auch während der kalten Jahreszeit Nahrung finden. Sie jagen vor allem Regenwürmer unter der Erde. Dabei beißen sie gezielt in den Kopfbereich der Tiere und machen sie auf diese Weise bewegungsunfähig, ohne sie zu töten. Auf diese Weise können sie sich lebende Nahrungsvorräte anlegen.

Auch ein Maulwurfshügel zählt als Beobachtung

Menschen bekommen Maulwürfe selbst nur selten zu Gesicht. Meist verraten sie sich durch die charakteristischen Hügel, die sie aufwerfen. Deshalb kann ein frisch aufgeworfener Erdhaufen auf dem Rasen bei der Zählung ebenso gemeldet werden wie die direkte Beobachtung eines Igels.

Warum kennt niemand die genaue Bestandszahl von Igeln und Maulwürfen?

Den Forschungseinrichtungen fehlen die notwendigen personellen und finanziellen Kapazitäten für flächendeckende Erhebungen. Hinzu kommt, dass Igel und Maulwürfe ein verborgenes Leben führen und sich daher klassischen Zählmethoden entziehen.

Die Angaben der Verbände beruhen bislang auf Schätzungen

Die Deutsche Wildtier Stiftung geht derzeit von rückläufigen Beständen bei beiden Arten aus. Diese Einschätzung lässt sich allerdings nicht mit flächendeckenden Bestandszahlen belegen. Genau diese Unsicherheit macht eine breit angelegte Datenerhebung unter Beteiligung der Bevölkerung notwendig.

In Bayern sammelt der LBV bereits seit 2015 im Rahmen des Projekts „Igel in Bayern“ Daten. In den ersten fünf Projektjahren gingen dort knapp 90.000 Meldungen mit mehr als 115.000 gemeldeten Tieren ein. Dies zeigt das Potenzial, das in der Beteiligung vieler Menschen an wissenschaftlichen Erhebungen steckt.

Wie können Sie selbst mitmachen?

Auf der Plattform igelsuche.de können Sie den Fundort und das Datum Ihrer Beobachtung eintragen. Fotos und zusätzliche Hinweise können die Meldung ergänzen. Wenn Sie in Bayern leben, können Sie Ihre Beobachtungen alternativ auch über igel-in-bayern.de an den LBV übermitteln.

Sie können lebende Tiere ebenso melden wie verletzte oder bereits tote Igel und Maulwürfe. Anschließend fließen die Meldungen in die wissenschaftliche Auswertung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung ein.

Mähroboter zählen zu den größten Gefahrenquellen für Igel

Der Igel steht in Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere. Zu den Gefahren für die Tiere gehören der Rückgang von Insekten, immer mehr versiegelte Flächen sowie Gefahren durch Gartentechnik.

Da Igel vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind, können sie mit Mährobotern in Kontakt kommen, die zu diesen Zeiten oft eingesetzt werden. Bei Gefahr rollen sich die Tiere instinktiv zusammen. Dieser Schutzmechanismus kann ihnen gegenüber den rotierenden Messern eines Mähroboters zum Verhängnis werden. Immer wieder werden schwer verletzte oder tote Igel gefunden.

Eine Petition für ein bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter erhielt breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Eine einheitliche gesetzliche Regelung gibt es bislang jedoch nicht. Stattdessen bestehen unterschiedliche kommunale Vorgaben.

Lamin Neffati, Pressesprecher des NABU Niedersachsen, betont die Bedeutung der Beobachtungen: „Wer einen Igel entdeckt und meldet, leistet einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.“ Beim Schutz der Tiere vor Mährobotern sieht er weiterhin die Landespolitik in der Pflicht.

Was können Sie im eigenen Garten für Igel und Maulwürfe tun?

Bereits einige einfache Veränderungen können Igeln und anderen Wildtieren zugutekommen.

Mähen Sie den Rasen möglichst abschnittsweise und lassen Sie einzelne Bereiche mehrere Wochen stehen. Dadurch bleiben Rückzugsorte erhalten und Tiere können zwischen verschiedenen Gartenbereichen wechseln. Wird eine Fläche nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht, kann sich dort mit der Zeit eine artenreiche Wildblumenwiese entwickeln.

Auch liegen gelassenes Laub unter Sträuchern, Reisighaufen und offene Durchgänge zwischen benachbarten Gärten schaffen zusätzliche Rückzugs- und Bewegungsmöglichkeiten. Auf den Einsatz von Mährobotern während der Nacht sollten Sie zum Schutz von Igeln grundsätzlich verzichten.

Was macht diese Datensammlung so wertvoll?

Forschungseinrichtungen könnten die Bestände von Igeln und Maulwürfen nicht allein flächendeckend erfassen. Die Größe Deutschlands und die versteckte Lebensweise der Tiere machen eine solche Erhebung mit klassischen Methoden sehr aufwendig.

„Citizen Science“ soll über mehrere Jahre hinweg wichtige Daten liefern

Das Prinzip „Citizen Science“ setzt auf die Beteiligung vieler Menschen, die Beobachtungsdaten sammeln und der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Über mehrere Jahre entsteht auf diese Weise eine Datensammlung, mit der sich Veränderungen der Bestände besser nachvollziehen lassen. Die gesammelten Beobachtungen fließen in die Forschung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung ein und können dazu beitragen, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen.

Definitionen und Begriffserklärungen

Citizen Science

Bei diesem Forschungsansatz sammeln Bürgerinnen und Bürger ohne wissenschaftliche Ausbildung Beobachtungen und stellen diese Forschungseinrichtungen zur Verfügung. Dadurch ist es möglich, Daten in einem Umfang zu erheben, der für einzelne Forschungseinrichtungen allein kaum zu bewältigen wäre.

Braunbrustigel

Die in Deutschland verbreitete Igelart. Der Braunbrustigel steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere und gilt international als potenziell gefährdet.

igelsuche.de

Die zentrale Meldeplattform der Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“. Nutzerinnen und Nutzer können dort den Fundort, das Datum und optional Fotos ihrer Beobachtungen eintragen.

Häufig gestellte Fragen zum Igel

Wann findet die Igel- und Maulwurfzählung 2026 statt?

Die Aktion findet vom 18. bis 28. September 2026 statt und ist die vierte bundesweite Herbsterhebung dieses Citizen-Science-Projekts.

Wer steht hinter der Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“?

Die Aktion wird von der Deutschen Wildtier Stiftung, NABU|naturgucker, dem NABU-Bundesverband, dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V. sowie dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern veranstaltet.

Wo kann ich einen gesichteten Igel oder Maulwurf melden?

Über die Plattform igelsuche.de können Sie bundesweit Beobachtungen melden. In Bayern ist zusätzlich eine Meldung über igel-in-bayern.de beim LBV möglich. Angegeben werden unter anderem Fundort und Datum. Fotos können ebenfalls hochgeladen werden.

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