Was ist über die Puma-Sichtung bei Oberding bekannt?
Die Faktenlage bleibt dürftig: Im Notzinger Moos bei Oberding hat ein Jäger eine Großkatze mit seinem Nachtsichtgerät gefilmt. Ein Experte hält nach Auswertung der Aufnahmen einen Puma für möglich. Das Landratsamt Erding erklärt, dass sowohl die Tierart als auch die Herkunft des Tieres weiterhin unklar sind. Der Einsatz einer Wärmebildkamera in der Nacht brachte keine neuen Spuren zutage.
Trotzdem rät das Landratsamt, Hunde in der Region nicht frei laufen zu lassen, Kinder nicht unbeaufsichtigt spielen zu lassen und Sichtungen sofort der Polizei zu melden.
Wie groß und stark ist ein Puma?
Ein ausgewachsener Puma wiegt zwischen 30 und 100 Kilogramm und erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 105 bis 180 Zentimetern. Er beansprucht ein Revier von bis zu 50 Quadratkilometern. Das Verbreitungsgebiet des Pumas erstreckt sich über weite Teile Nord-, Mittel- und Südamerikas.
Der Puma jagt aus dem Hinterhalt. Er schleicht sich lautlos an, springt aus kurzer Distanz und tötet mit seinen kräftigen Kiefern. Hirsche stehen ganz oben auf seinem Speiseplan und er verzehrt etwa alle sieben bis zehn Tage ein Stück Rotwild.
Wie oft greifen Pumas Menschen an?
Eine Studie in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Human-Wildlife Interactions“ wertete 386 Begegnungen zwischen Menschen und Pumas in den USA und Kanada aus. 29 Angriffe endeten tödlich. Bei 171 Angriffen kam es zu Körperkontakt, bei 186 zu bedrohlicher Nähe. Die Autoren zählen aktuell vier bis sechs Angriffe pro Jahr. Zum Vergleich: Große Raubkatzen und Wölfe in Afrika und Asien greifen jährlich Hunderte bis Tausende Menschen an.
Für Nordamerika gibt es eine Übersicht mit über 130 dokumentierten Angriffen in 100 Jahren, davon 28 bis 29 mit tödlichem Ausgang. Besonders gefährdet sind Kinder. Der Wildtierforscher Paul Beier vermutet, dass Pumas ihre Scheu verlieren und sich an Menschen gewöhnen.
Bis 1970 lag die Zahl der Angriffe in den USA bei etwa drei pro Jahr, danach stieg sie auf etwa 14. Diese Daten beziehen sich auf Länder, in denen Menschen seit Generationen mit Pumas als Teil der lokalen Tierwelt zusammenleben. In Deutschland fehlt den Behörden, Jägern und Spaziergängern diese Erfahrung weitgehend.
Wann ist das Risiko einer Begegnung mit einem Puma besonders hoch?
Junge, kranke und bedrängte Tiere erfordern besondere Vorsicht. Laut einer Studie von „Human-Wildlife-Interactions“ geraten Pumas bis zu einem Alter von zweieinhalb Jahren und Tiere in schlechter körperlicher Verfassung häufiger in bedrohliche Nähe zu Menschen.
Die Wildtierbehörde in Washington warnt generell davor, sich einem Puma zu nähern – vor allem bei Jungtieren oder wenn der Puma erlegte Beute bewacht. Auch das Einengen eines Tieres kann gefährlich sein.
Wie verhalten Sie sich bei einer Begegnung?
Die Wildtierbehörde aus Washington empfiehlt, stehen zu bleiben und kleine Kinder sofort hochzunehmen. Halten Sie Blickkontakt, machen Sie sich durch Aufrichten möglichst groß und sprechen Sie laut und selbstbewusst. Weichen Sie langsam rückwärts zurück und lassen Sie der Wildkatze einen Fluchtweg. Wenn das Tier angreift, wehren Sie sich mit Steinen, Stöcken oder anderem Werkzeug.
Sichtungen im Landkreis Erding melden Sie bitte der Polizei unter der Telefonnummer 08122/968-0.
Wie kommt ein Puma nach Bayern?
Sollte sich die aktuelle Sichtung im Notzinger Moos bei Oberding tatsächlich als Puma bestätigen, wäre denkbar, dass das Tier aus privater Haltung entkommen ist. Auch Zoos, Tierparks oder Zirkusse kämen infrage. Im aktuellen Fall gibt es dafür allerdings bislang keinen konkreten Beleg. Die Behörden haben eigenen Angaben zufolge weder einen möglichen Halter gefunden noch Hinweise auf einen Zirkus in der Region entdeckt.
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Puma zunächst an einem anderen Ort in Europa gehalten wurde und von dort entkommen oder illegal weitergegeben wurde. Doch auch hierfür gibt es noch keine Belege. Die Herkunft des Tieres bleibt deshalb vorerst ein Rätsel.
Definitionen und Begriffserklärungen zum Puma
Puma
Der Puma (Puma concolor), der auch als Berglöwe oder Silberlöwe bezeichnet wird, ist eine Raubkatze aus Amerika. Er kann bis zu 100 Kilogramm schwer werden und lebt als Einzelgänger in Revieren von bis zu 50 Quadratkilometern.
Habituierung
Habituierung bezeichnet die Gewöhnung eines Wildtieres an Menschen, bei der dessen natürliche Scheu schwindet. Forscher vermuten, dass sie Angriffe von Pumas begünstigt.
Hinterhaltsjagd
Bei dieser Jagdmethode schleicht sich ein Raubtier lautlos an und schlägt aus kurzer Distanz zu. Der Puma nutzt sie und tötet seine Beute mit einem kräftigen Kieferbiss.
Kurzantworten zu Pumas
Wie gefährlich ist ein Puma für Menschen?
Angriffe sind selten, in den USA und Kanada sind es vier bis sechs pro Jahr. Sie können jedoch tödlich enden, vor allem für Kinder.
Wie verhalte ich mich bei einer Begegnung mit einem Puma?
Bleiben Sie stehen, bewegen Sie sich nicht zu schnell, machen Sie sich groß, halten Sie Blickkontakt und weichen Sie dann langsam zurück.
Gibt es wilde Pumas in Deutschland?
Pumas leben natürlicherweise in Amerika.. Ob bei Oberding ein Puma unterwegs ist, hat noch niemand bestätigt.
Häufig gestellte Fragen zu Pumas
Kann ein Puma einen Erwachsenen töten?
Experten dokumentieren 29 tödliche Angriffe, die Zahl bleibt im Verhältnis zu allen Begegnungen jedoch niedrig. Kinder sind stärker gefährdet.
Was tue ich bei einer Sichtung im Landkreis Erding?
Halten Sie Abstand, beaufsichtigen Sie Ihre Kinder und melden Sie die Sichtung der Polizei Erding unter der Telefonnummer 08122/968-0.
Darf mein Hund trotzdem frei laufen?
Das Landratsamt Erding bittet darum, Hunde derzeit nicht frei laufen zu lassen.
Wovon ernährt sich ein Puma?
Sie ernähren sich hauptsächlich von Hirschen und Rehen. Ein Tier erlegt etwa alle sieben bis zehn Tage ein Beutetier. In Einzelfällen erlegen Pumas auch kleinere Säugetiere.
Woher stammt das Tier bei Oberding?
Die Herkunft des vorgeblichen Pumas ist unbekannt. Polizei und Landratsamt versuchen aktuell, sie zu klären.