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Wie entsteht eigentlich Inflation?

Foto: Envato / wolfhound9111

Wie entsteht eigentlich Inflation?

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, gehen die Verkaufszahlen von Marken wie Persil oder Milka in deutschen Supermärkten zurück. Grund dafür ist vor allem die gestiegene Inflation, die das Konsumverhalten vieler Verbraucher gedämpft hat. Doch wie kommt es zu Inflation?

Wie entsteht eigentlich Inflation?

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, gehen die Verkaufszahlen von Marken wie Persil oder Milka in deutschen Supermärkten zurück. Grund dafür ist vor allem die gestiegene Inflation, die das Konsumverhalten vieler Verbraucher gedämpft hat. Doch wie kommt es zu Inflation?

Was ist Inflation?

Das Statistische Bundesamt hat mitgeteilt, dass die Inflationsrate in Deutschland im April 2026 bei 2,9 Prozent lag. Inflation beschreibt den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus für Güter und Dienstleistungen. Steigen die Preise, verliert das Geld an Kaufkraft. Derselbe Betrag ist dadurch weniger Waren oder Dienstleistungen wert als zuvor.

Nachfragebedingte Inflation

Inflation kann entstehen, wenn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen stärker wächst als das verfügbare Angebot. Eine Form der Inflation ist die nachfragebedingte Inflation. In diesem Fall wollen Verbraucher und Unternehmen mehr Waren oder Dienstleistungen kaufen, als die Wirtschaft anbieten kann. Die erhöhte Nachfrage führt dazu, dass die Preise steigen.

Kostenbedingte Inflation

Eine weitere Form ist die kostenbedingte Inflation. Sie entsteht, wenn sich Produktionskosten – etwa für Energie oder Rohstoffe – erhöhen. Hierauf geben Unternehmen diese zusätzlichen Kosten über höhere Preise an die Verbraucher weiter. In den letzten Jahren ist die kostenbedingte Inflation die am häufigsten auftretende Form.

Eine Vergrößerung der Geldmenge durch die Zentralbank kann ebenfalls eine steigende Inflation begünstigen. Bringt die Zentralbank mehr Geld in Umlauf, die Menge an Gütern und Dienstleistungen bleibt aber gleich, steigt die Nachfrage – und damit häufig auch das allgemeine Preisniveau.

Wie wird Inflation gemessen?

Die Inflationsrate in Deutschland wird vom Statistischen Bundesamt ermittelt. Die Grundlage dafür ist das Konzept eines theoretischen Warenkorbs. Dieser soll die typischen Konsumausgaben privater Haushalte möglichst realistisch abbilden. Er umfasst rund 750 Waren und Dienstleistungen, die Verbraucher im Alltag benötigen. Dazu gehören Lebensmittel wie Brot, Milch und Obst, aber auch Ausgaben für Miete, Kleidung und Energie sowie Dienstleistungen wie Friseurbesuche oder Reparaturen.

Die Preise dieser Güter werden monatlich erfasst und anschließend mit den entsprechenden Preisen des Vorjahres verglichen. Dabei werden die einzelnen Positionen unterschiedlich stark gewichtet. So fließt die Miete mit einem deutlich höheren Gewicht in die Berechnung ein als Bekleidung.

Dies wird damit begründet, dass Wohnkosten einen wesentlich größeren Teil eines durchschnittlichen Haushaltsbudgets ausmachen. Diese prozentuale Zusammensetzung wird in Deutschland alle fünf Jahre angepasst.

Aktuell (seit 2020) geht das Statistische Bundesamt unter anderem davon aus, dass Deutsche im Durchschnitt rund 12 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel, 26 Prozent für Wohnkosten inklusive Energiekosten, 14 Prozent für Mobilität, 10 Prozent für Freizeit, Kultur und Unterhaltung, 7 Prozent für Möbel und Haushaltszubehör, 6 Prozent für Gesundheit, 5 Prozent für Gaststätten- und Hotelbesuche sowie weniger als 1 Prozent für Bildung ausgeben.

Die Berechnung der Inflationsrate

Die Inflationsrate basiert auf den monatlich erfassten Preisen. Da nicht alle Güter den gleichen Einfluss auf die Inflation haben, werden diese anschließend gewichtet. Die gewichteten Preise werden zu einem Preisindex zusammengefasst. Dieser nennt sich in Deutschland Verbraucherpreisindex (VPI).

Die Inflationsrate gibt die prozentuale Veränderung dieses Index im Vergleich zum Vorjahresmonat an.

Ein Beispiel: Lag der Index im April 2025 bei 105 und im April 2026 bei 108, dann beträgt die Inflationsrate (108 – 105) / 105 × 100 = 2,86 Prozent, also etwa 2,9 Prozent.

Diese Berechnung soll insgesamt zeigen, wie stark die Preise im Durchschnitt gestiegen sind.

Die Auswirkungen der Inflation auf Sparguthaben

Auch hier macht sich die Inflation bemerkbar. Wenn die Inflation höher ist als der Zinssatz des Sparkontos, verliert das Geld an Wert.

Gleichzeitig werden Kredite günstiger. Bei steigender Inflation ist das Geld, das dem Kreditgeber zusteht, nach einiger Zeit weniger wert als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Die Auswirkungen von Inflation auf Schuldner, Immobilien und Sparer

Auch Schuldner können von Inflation profitieren, da ihre Schulden durch die Geldentwertung geringer werden. Da mit Inflation oft auch steigende Immobilienpreise einhergehen, haben auch Immobilienbesitzer Vorteile.

Sparer verlieren jedoch Geld, wenn die Zinsen auf ihren Konten unter der Inflationsrate liegen, da dadurch die Kaufkraft ihres Vermögens sinkt. Ebenso erleben Rentner mit festen Renten einen Wertverlust, da ihre Einnahmen nicht mit den steigenden Preisen Schritt halten. Auch Arbeitnehmer werden benachteiligt, wenn ihre Löhne nicht im gleichen Maß steigen wie die Inflation.

Wie können Sie sich vor Verlusten durch Inflation schützen?

Finanzexperten empfehlen, in Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder Edelmetalle zu investieren. Diese Anlageformen können die Inflation langfristig ausgleichen, da ihre Werte oft mit den inflationsbedingt steigenden Preisen Schritt halten. Eine weitere Möglichkeit sind Sparkonten mit variablen Zinsen, die sich an die Inflation anpassen.

Die gestiegene Inflation 2026

Im April 2026 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,9 Prozent. Einerseits ist dies ein deutlicher Rückgang gegenüber den Corona-Jahren, in denen zusätzlich der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine begann. Anfang 2023 lag die Inflation in Deutschland bei 8,7 Prozent.

Andererseits war die Inflation im Jahr 2024, nach Ende der Pandemiejahre, zwischenzeitlich auf 2,2 Prozent gesunken.

Lieferengpässe bei Energie und Rohstoffen durch den Iran-Krieg 2006

Ende Februar sorgte der Beginn des Irankriegs 2026 im Nahen Osten für erneut steigende Energiepreise aufgrund von Lieferengpässen bei Öl, Gas und Kerosin. Der dadurch bedingte Anstieg der Energiepreise ließ die Inflation erneut steigen.

Zudem kam es durch die Schließung der Straße von Hormus zu weltweit höheren Transportkosten. Dies beeinflusste auch den Transport weiterer Rohstoffe – bis hin zu Kakao und Düngemitteln. Hierdurch stieg die Inflationsrate zusätzlich.

Kerninflation bei 2,5 Prozent

Zusätzlich berechnet das Statistische Bundesamt den Kerninflationswert. Dieser beschreibt die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie. Aktuell liegt dieser bei 2,5 Prozent.

Wann war die Inflation in Deutschland bisher am höchsten?

Die höchste Inflation in Deutschland trat 1923 während der Hyperinflation der Weimarer Republik auf. In dieser Zeit verlor die deutsche Mark durch die Folgen des Ersten Weltkriegs, Reparationen und eine unkontrollierte Geldentwertung fast vollständig ihren Wert. Die Preise stiegen im Jahresverlauf um mehrere Milliarden Prozent, was zu extremen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen führte.

1973 erreichte die Inflationsrate mit etwa 7,9 Prozent einen Höchststand – ausgelöst durch die erste Ölkrise. Der letzte Höchstwert von 8,7 Prozent wurde im Jahr 2022 erreicht und ist auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg zurückzuführen. Diese führten zu stark steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen.

Definitionen und Begriffserklärungen

Was ist Inflation?

Inflation ist der anhaltende Anstieg des allgemeinen Preisniveaus für Güter und Dienstleistungen. Sie führt dazu, dass die Kaufkraft des Geldes sinkt, da derselbe Betrag weniger Produkte und Dienstleistungen wert ist. Gemessen wird sie über die prozentuale Veränderung eines Preisindex im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Was ist der Warenkorb des Statistischen Bundesamts?

Der Warenkorb ist eine Auswahl von Gütern und Dienstleistungen, die typische Ausgaben der Haushalte in Deutschland abbildet. Er dient als Grundlage für die Berechnung der Inflationsrate und enthält etwa 750 Positionen, darunter Lebensmittel, Mieten, Kleidung und Energie. Die Preise dieser Güter werden monatlich erfasst und gewichtet, um den Preisindex zu berechnen.

Was ist der Verbraucherpreisindex (VPI)?

Der Verbraucherpreisindex (VPI) misst die durchschnittliche Preisveränderung der Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland für den täglichen Bedarf kaufen. Er wird monatlich vom Statistischen Bundesamt erhoben und gilt als zentraler Indikator für die Inflation in Deutschland. In den VPI fließen typischerweise Ausgaben für Lebensmittel, Mieten, Energie, Kleidung und Dienstleistungen ein.

Häufig gestellte Fragen zur Inflation

Was ist der aktuelle Inflationswert in Deutschland (April 2026)?

Die Inflationsrate lag im April 2026 bei 2,9 Prozent.

Warum steigen die Preise bei Inflation?

Hierzu kommt es, weil die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen das Angebot übersteigt oder weil die Produktionskosten gestiegen sind. Auch mehr Geld im Umlauf kann zu steigenden Preisen führen, da mehr Geld dem Wert derselben Menge an Gütern und Dienstleistungen entspricht.

Was ist der Unterschied zwischen Inflation und Deflation?

Inflation beschreibt einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, während Deflation einen Rückgang der Preise bedeutet. Beide Phänomene haben erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Inflation kann zu Kaufkraftverlust führen, während Deflation oft als gefährlicher gilt, da sie zu einer Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, sinkenden Löhnen und sinkender Nachfrage führen kann.

Wie wirkt sich Inflation auf mein Sparguthaben aus?

Wenn die Inflation höher ist als der Zinssatz auf Ihrem Sparkonto, verliert Ihr Geld an Kaufkraft. Beispiel: Bei einem Zinssatz von 2 Prozent und einer Inflation von 3 Prozent verliert Ihr Sparguthaben 1 Prozent pro Jahr, da die Kaufkraft Ihres Geldes sinkt.

Kann Inflation auch positive Auswirkungen haben?

Eine moderate Inflation von etwa zwei Prozent gilt als Zeichen einer stabilen Wirtschaft. Sie fördert Konsum und Investitionen, da sie Anreize schafft, Geld auszugeben oder gewinnbringend anzulegen, statt es zu horten.

 

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