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Was steckt hinter der Abstimmung zum Jugendwort 2026?

Foto: Envato / westend61

Was steckt hinter der Abstimmung zum Jugendwort 2026?

Die Abstimmung zum Jugendwort des Jahres soll zeigen, wie sich die deutsche Sprache weiterentwickelt. Für das Jahr 2026 ist die Vorauswahl nun getroffen worden. Insbesondere ein abgelehnter Begriff sorgte bereits im Vorfeld für Diskussionen.

Was ist die Abstimmung zum Jugendwort des Jahres?

Initiator der Kampagne ist der Stuttgarter Verlag PONS Langenscheidt. Die selbsterklärte Mission des Unternehmens ist, die sich durch unsere vernetzte, digitale Gesellschaft immer schneller verändernde Sprache zu dokumentieren.

Ein Verlagsgremium prüft dazu, wie häufig bestimmte Begriffe und Wortschöpfungen vorkommen, die von Jugendlichen im Internet verwendet werden. Auf diese Weise soll eine repräsentative Liste von Ausdrücken entstehen, die Jugendliche aktuell im Alltag verwenden.

Das Jugendwort des Jahres wird seit 2008 gewählt – vom ersten Sieger „Gammelfleischparty” bis zum aktuellen Titelträger „Das crazy”.

Verschleiert Langenscheidt den kommerziellen Hintergrund der Wahl zum Jugendwort des Jahres?

Der Wettbewerb ist für den Verlag zugleich eine Marketingaktion. Langenscheidt vertreibt Wörterbücher und Sprachlernprodukte und profitiert von der jährlichen Aufmerksamkeit, die der Wettbewerb erzeugt. Kritiker weisen jedoch immer wieder darauf hin, dass die Auswahl nicht wissenschaftlich erfolgt, sondern durch einen einflussreichen Verlag gesteuert wird.

Trotzdem hat sich das Format etabliert. News-Portale, Radiosender und auch diverse Schulen greifen die Liste jedes Jahr auf. Dadurch hat die Abstimmung zum Jugendwort des Jahres inzwischen durchaus gesellschaftliche Auswirkungen.

Wie läuft die Wahl zum Jugendwort 2026 ab?

Der Prozess gliedert sich in mehrere Phasen. Begonnen wurde am 29. Mai 2026 mit der Einreichung der Vorschläge. Die Bekanntgabe der Top Ten erfolgte gestern.

Aus den zehn meistgewählten Begriffen wird als Nächstes die Top 3 ermittelt. Diese wird am 28. August bekannt gegeben. Gleichzeitig startet die letzte und entscheidende Phase des Votings. Bis zum 28. September können Teilnehmende für ihren Favoriten abstimmen.

Am 10. Oktober wird schließlich das Wort mit den meisten Stimmen zum Jugendwort des Jahres 2026 gekürt. In welchem Rahmen die Bekanntgabe erfolgt, wird zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt.

Welche Begriffe stehen 2026 zur Wahl?

„67 (six seven)“

Der Begriff stammt aus dem Song „Doot Doot“ des Rappers Skrilla, diversen Basketball-Memes und diversen TikTok-Trends und wird oft mit einer abwägenden Handbewegung begleitet. Seine genaue Bedeutung bleibt offen. Dies hat den Nebeneffekt, dass man mit diesem Kandidaten praktisch jede Situation kommentieren kann.

„Crashout“

Eine Bezeichnung für einen emotionalen Kontrollverlust. Wer komplett ausrastet oder emotional explodiert, erlebt einen „Crashout“. Ein Beispielsatz: „Wenn das WLAN jetzt noch ausfällt, gehe ich komplett Crashout.“ Der Ausdruck stammt aus dem amerikanischen Sprachgebrauch und hat sich über TikTok auch in der deutschen Sprache verbreitet.

„Digga“

Ein Klassiker der Jugendsprache, der eine vertraute Person bezeichnet, ähnlich wie „Kumpel“, „Bruder“ oder „Bro“. Wird auch als emotionaler Ausruf verwendet. Im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten ist „Digga“ bereits seit Jahren im deutschen Sprachgebrauch verankert.

„Du bist gut genug“

Dieser Satz stammt ursprünglich aus dem Text des Songs „Gut genug“ von Kitschkrieg, Blumengarten und Shirin David. Er entwickelte sich zur viralen Textzeile und dient inzwischen als Vorlage für zahlreiche Memes. Wird häufig verwendet, um Freunde oder auch sich selbst augenzwinkernd zu loben.

„Gute Käse“

Laut dem Langenscheidt-Verlag ein humorvoller Ausdruck für „richtig gut“. Ein möglicher Beispielsatz lautet: „Der Döner war gute Käse.“ Wie bei vielen aus dem Internet stammenden Insiderwitzen ist die bewusst falsche Grammatik Teil des Humors. Ein genauer Ursprung des Begriffs wurde bisher noch nicht dokumentiert.

„Macker“

Der auch älteren Generationen bekannte Begriff erlebt aktuell ein Comeback. Er wird wie gehabt je nach Kontext für Freund, Schwarm oder auch einen Kumpel verwendet, oft ironisch oder liebevoll: „Mein Macker kommt später noch vorbei.“

„Peak“

Soll höchste Zustimmung ausdrücken. Der Ausdruck stammt aus dem Amerikanischen und steht für das Beste vom Besten oder einen absoluten Höhepunkt. Ein typisches Beispiel: „Das Konzert war echt Peak.“ Der Begriff kann als universelles Lob für Ereignisse, Produkte oder Erlebnisse verwendet werden.

„Ragebait“

Eine gängige Strategie aus dem Umfeld sozialer Medien. „Ragebait“ bezeichnet Online-Inhalte, die mit provokanten Thesen, Meinungen und Falschbehauptungen absichtlich Empörung auslösen sollen. Provokation wird von Algorithmen oft mit Reichweite belohnt, da sie Kommentare und Likes erzeugt.

„Schere“

Eine knappe Entschuldigung aus der Gaming-Szene. Sie drückt einen begangenen Fehler aus, zu dem man dennoch steht. Ein Beispielsatz: „Schere, habe mich wochenlang nicht gemeldet.“ Der Ausdruck ist aus der Gaming-Community längst in andere Lebensbereiche übergegangen.

„Süper“

Basiert auf einem viralen Internet-Moment. In einem populären Video auf TikTok antwortete ein Ultramarathonläufer mit türkischen Wurzeln nach seinem Rennen auf die Frage, wie es ihm gehe, mit „Süper!”

Warum wurde „Mehrzweckeier” nicht zugelassen?

Neben den zehn offiziell ausgewählten Kandidaten sorgte auch eine ausgeschlossene Einsendung für Aufsehen. „Merzweckeier“ spielt offensichtlich auf den Slogan „Merz leck Eier“ an, mit dem ein Schüler bei einer Demo gegen die neue Wehrpflicht protestierte.

Einerseits wurde „Mehrzweckeier“ den Verantwortlichen zufolge häufig eingereicht. Andererseits wurde der Begriff disqualifiziert, da er auf einer organisierten Kampagne und einer persönlichen Beleidigung beruhe. „Merzweckeier“ war massenhaft von diversen Reddit-Communities vorgeschlagen worden.

Das „Jugendwort des Jahres“ kämpft mit koordinierten Masseneinsendungen

Organisierte Abstimmungsaktionen begleiten den Wettbewerb bereits seit Langem. Offensichtliche Fakes sowie von einzelnen Gruppen initiierte Kampagnen sollen jedoch konsequent aussortiert werden. Der Verlag will damit echte Jugendsprache von gezielten Internetkampagnen abgrenzen.

Die Debatte um „Mehrzweckeier” weist auf ein Grundproblem der Abstimmung hin. Sobald ein Begriff öffentliche Bekanntheit erlangt, lässt sich kaum unterscheiden, ob er sich natürlich verbreitet hat oder ob eine koordinierte Aktion dahintersteht. Diese Problematik begleitet den Wettbewerb seit seiner Gründung.

Was sagt die Abstimmung zum Jugendwort 2026 wirklich über Jugendsprache aus?

Während des Wettbewerbs stellt sich immer wieder eine grundlegende Frage: Spiegeln die Beiträge tatsächlich die Sprache der Jugend wider, oder bilden sie vor allem die lautesten Stimmen im Internet ab? PONS Langenscheidt liefert darauf bislang keine klare Antwort.

Sprachwissenschaftlich betrachtet ist der Wettbewerb ohnehin umstritten. Die Auswahl basiert nicht auf systematischen Sprachdaten, sondern auf Einreichungen sowie einer Jury-Entscheidung. Dies unterscheidet das Format deutlich von seriösen linguistischen Untersuchungen zur Jugendsprache.

Definitionen und Begriffserklärungen

Jugendwort des Jahres

Ein von Langenscheidt seit 2008 organisierter Wettbewerb, bei dem Menschen zwischen 11 und 20 Jahren online über ihren Lieblings-Jugendbegriff abstimmen. Die Verkündung erfolgt jährlich im Oktober.

„67″ (six seven)

Ein ursprünglich aus dem Rap-Song „Doot Doot“ von Skrilla stammender Ausdruck mit flexibler Bedeutung zum Kommentieren verschiedenster Situationen. Er gehört 2026 zur Top-10-Auswahl.

Mehrzweckeier

Basierend auf dem Protest-Slogan „Merz leck Eier“. Ein 2026 häufig eingereichter Begriff, der durch PONS Langenscheidt von der offiziellen Auswahl ausgeschlossen wurde.

Häufig gestellte Fragen zum Jugendwort des Jahres

Wann wird das Jugendwort 2026 bekannt gegeben?

PONS Langenscheidt plant die Bekanntgabe am 10. Oktober 2026.

Welche Begriffe stehen ab jetzt zur Wahl?

Nominiert sind „67“, „Crashout“, „Digga“, „Du bist gut genug“, „Gute Käse“, „Macker“, „Peak“, „Ragebait“, „Schere“ und „Süper“.

Warum wurde „Mehrzweckeier” nicht zugelassen?

Der Begriff wurde wegen einer gezielten Einsendungskampagne und eines vorgeblich beleidigenden Ursprungs von Langenscheidt disqualifiziert.

Wer organisiert die Wahl zum Jugendwort des Jahres?

Der Stuttgarter Verlag PONS Langenscheidt organisiert den Wettbewerb seit 2008.

Wer darf bei der Wahl zum Jugendwort 2026 abstimmen?

Grundsätzlich können Jugendliche und Erwachsene Begriffe einreichen und abstimmen. Für die offizielle Auswertung zählen vor allem die Stimmen der 11- bis 20-Jährigen.

Wie läuft die Abstimmung 2026 ab?

Der Wettbewerb begann am 29. Mai 2026 mit der Einreichung der Vorschläge, gestern wurden die Top 10 bekannt gegeben. Am 28. August folgen die Top 3 und die finale Abstimmungsphase bis zum 28. September, bevor am 10. Oktober das Jugendwort des Jahres 2026 gekürt wird.

Was bedeutet „Süper“?

„Super“ auf Türkisch. Bekannt wurde er durch das virale Video eines Ultramarathonläufers.

Ist die Abstimmung zum Jugendwort des Jahres wissenschaftlich anerkannt?

Die Auswahl basiert auf Einsendungen und der Entscheidung einer Verlagsjury statt auf systematischer Sprachforschung. Der Wettbewerb gilt eher als populäres Marketingformat.

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