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Was ist das West-Nil-Virus?

Foto: Envato / manjurulhaque

Was ist das West-Nil-Virus?

Das West-Nil-Virus befiel ursprünglich Vögel in Afrika – nun hat es Europa und Teile Deutschlands erreicht. Wie gefährlich der Erreger ist und warum Behörden mit steigenden Fallzahlen rechnen.

Bis zum 23. September 2026 registrierte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) 1569 Mensch-zu-Mensch-übertragene Fälle in Europa – mehr als in den gesamten Jahren 2022, 2024 und 2025. Fachleute kennen den Erreger seit Jahrzehnten, doch ein Impfstoff für Menschen existiert bis heute nicht.

Das West-Nil-Virus (WNV) gehört zur Familie der Flaviviridae und zählt laut Robert Koch-Institut (RKI) zu den am weitesten verbreiteten Flaviviren. Erstmals isolierten Forscher das Virus 1937 im West-Nil-Distrikt Ugandas. Heute kommt es auf allen Kontinenten vor – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Die Erkrankung ist eine Zoonose: eine Infektion, die zwischen Tieren und Menschen wechselt.

Ein Erreger aus Uganda erreicht Europa

Zugvögel trugen das Virus aus den Tropen ans Mittelmeer und nach Europa. Dort überträgt es sich während der Sommermonate und überwintert vor Ort. In Deutschland tauchte der Erreger 2018 erstmals bei Vögeln und Pferden auf. Seit 2019 erkrankten auch Menschen. Betroffen ist überwiegend der Osten des Landes: Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Wie gelangt das Virus zum Menschen?

Das Virus zirkuliert vor allem unter wild lebenden Vögeln. Stechmücken tragen es von Tier zu Tier. Als Hauptüberträger gelten die in ganz Deutschland verbreiteten Culex-Mücken. Sticht eine Mücke zunächst einen infizierten Vogel und danach einen Menschen, gelangt das Virus in dessen Körper. Ausbrüche treten erfahrungsgemäß dann auf, wenn die Bedingungen für Mücken günstig sind – in Deutschland vor allem im Spätsommer und Frühherbst.

Menschen und Pferde: Sackgassen für das Virus

Menschen und Pferde sind Fehlwirte: Zwar können sie sich mit dem Virus infizieren, etwa durch einen Mückenstich, sie geben es jedoch nicht weiter. Der Grund dafür ist, dass sich das Virus in ihrem Körper nur schwach vermehrt und ihr Blut deshalb nur eine sehr geringe Viruslast enthält.

Wenn eine Mücke einen infizierten Menschen oder ein infiziertes Pferd sticht, nimmt sie deshalb zu wenig Viruspartikel auf, um selbst infiziert zu werden und das Virus später auf andere zu übertragen. Die Infektionskette endet somit bei Mensch und Pferd. Der eigentliche Kreislauf läuft dagegen zwischen Mücken und Vögeln ab.

Seltene weitere Übertragungswege sind Organtransplantationen, Bluttransfusionen und die Schwangerschaft. Deshalb werden Blutspender nach Aufenthalten in Übertragungsgebieten für 28 Tage zurückgestellt oder auf Virus-RNA getestet. Diese Regelung des Paul-Ehrlich-Instituts gilt vom 1. Juni bis 30. November.

Wie verläuft eine Infektion?

Die meisten Infektionen bleiben unbemerkt. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung von drei bis sechs Tagen. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 14 Tage. Typische Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und geschwollene Lymphknoten. Bei rund der Hälfte dieser Patienten kommt ein Hautausschlag hinzu.

Etwa eine von 100 infizierten Personen erkrankt schwer

Ungefähr jede 100. Infektion nimmt eine neuroinvasive Form an: Bei einem Teil der Betroffenen entsteht eine Hirnhautentzündung, seltener eine Gehirnentzündung. Nach einer Enzephalitis bleiben laut RKI in etwa der Hälfte der Fälle Spätfolgen zurück.

Kann das West-Nil-Virus tödlich sein?

Fünf bis zehn Prozent der Patienten mit neuroinvasiver Erkrankung sterben. Hierzu gehören vor allem ältere Menschen sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen oder einer Immunsuppression. Eine gezielte antivirale Therapie für Menschen gibt es nicht, behandelt werden nur die Symptome. Bislang sind nur Impfstoffe für Pferde erhältlich.

Wie ernst ist die Lage in Europa im Jahr 2026?

Mit Stand 23. September meldete das ECDC 1569 Fälle, in denen sich Menschen im eigenen Land ansteckten. Italien führt die Liste mit 696 Fällen an, gefolgt von Griechenland (355), Spanien (125), Frankreich (102), Rumänien (91), Nordmazedonien (69) und Serbien (46); auf die Niederlande entfallen 28 Fälle. Bis zum 3. September zählte die Behörde 61 Todesfälle, davon 49 allein in Italien und Griechenland.

Vier Fälle in Deutschland – die Dunkelziffer bleibt unklar

In der ECDC-Liste steht Deutschland mit vier Fällen: je ein Fall im Rhein-Pfalz-Kreis und in Leipzig sowie zwei in Berlin. Zum Vergleich: 2025 wurden 1112 Fälle registriert, 2024 waren es 1436 und 2022 insgesamt 1339. Das Rekordjahr 2018 brachte es auf 2083 Fälle. Die Zahl von vier Fällen bezieht sich auf diagnostizierte Infektionen. Das RKI geht von weiteren unerkannten Fällen aus und erwartet eine Ausweitung der betroffenen Gebiete. In Südeuropa dauern Übertragungen häufig bis in den November.

So schützen Sie sich

Da es keinen Impfstoff für Menschen gibt, ist die Vermeidung von Mückenstichen der wirksamste Schutz. Das RKI rät älteren und immungeschwächten Menschen insbesondere dazu, langärmlige Hemden und lange Hosen zu tragen und Insektenschutzmittel zu verwenden. Auch Moskitonetze und Fliegengitter sind hilfreich, ebenso wie der Aufenthalt in geschlossenen Räumen in den Abendstunden. Entfernen Sie außerdem Mückenbrutplätze in Ihrem Wohnumfeld, zum Beispiel stehendes Wasser in Eimern oder Pflanzentöpfen.

Definitionen und Begriffserklärungen zum West-Nil-Virus

West-Nil-Virus (WNV)

Ein Flavivirus, das von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen wird. Es wurde 1937 in Uganda erstmals isoliert und kommt heute weltweit vor.

West-Nil-Fieber

Die fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln. Sie dauert drei bis sechs Tage und heilt in der Regel komplikationslos aus.

Fehlwirt

Ein Lebewesen, das einen Erreger aufnimmt, aber kaum weitergibt. Menschen und Pferde sind beim West-Nil-Virus Fehlwirte, weil ihr Blut nur wenig Virus enthält.

Kurzantworten zum West-Nil-Virus

Was ist das West-Nil-Virus?

Es handelt sich um ein Flavivirus, das von Stechmücken von Vögeln auf Menschen und Pferde übertragen wird. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln Fieber.

Wie wird das West-Nil-Virus übertragen?

Eine Infektion erfolgt vor allem durch Stiche infizierter Stechmücken der Gattung Culex. Seltene weitere Übertragungswege sind Bluttransfusionen, Organspenden und die Schwangerschaft.

Gibt es einen Impfstoff gegen das West-Nil-Virus?

Für Menschen bislang nicht. Der Schutz vor Mückenstichen bleibt die wichtigste Vorbeugung. Für Pferde gibt es in der EU und der Schweiz hingegen mehrere wirksame und zugelassene Impfstoffe.

Häufig gestellte Fragen zum West-Nil-Virus

Wie gefährlich ist das West-Nil-Virus?

Rund 80 Prozent der Infektionen verlaufen ohne Symptome, etwa jede 100. infizierte Person erkrankt schwer. Von den Patienten mit neuroinvasiver Erkrankung sterben laut RKI 5 bis 10 Prozent – überwiegend Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Welche Symptome treten auf?

Nach zwei bis 14 Tagen beginnen Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. Bei schweren Verläufen kommen Muskelschwäche, Lähmungen oder epileptische Anfälle hinzu.

Kann ich mich in Deutschland anstecken?

Seit 2019 registriert das RKI in Deutschland durch Mücken übertragene Infektionen – jährlich zwischen 4 und 35 Fällen, überwiegend in Ostdeutschland. 2026 meldet das ECDC bislang vier Fälle.

Wie wird West-Nil-Fieber behandelt?

Es werden nur die Symptome behandelt. Eine gezielte antivirale Therapie und ein Impfstoff für Menschen fehlen bislang.

Wie schütze ich mich vor einer Infektion?

Tragen Sie in mückenreichen Gebieten lange Kleidung und verwenden Sie Insektenschutzmittel, Moskitonetze und Fliegengitter. Bleiben Sie abends möglichst in geschlossenen Räumen und beseitigen Sie Brutplätze am Haus und der Wohnung.

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